Grüne wollen Migranten bei Stadt-Jobs bevorzugen

Wiens Grünen-Chefin Birgit Hebein
Wiens Grünen-Chefin Birgit Hebeinpicturedesk.com
Bei gleicher Qualifikation sollen Migranten bevorzugt angestellt werden. Ein Experte warnt davor: "Das wäre nur Öl ins Feuer der Migrationsdebatte!"

Auf der Online-Politorientierungshilfe wahlkabine.at gab die Partei rund um Spitzenkandidatin Birgit Hebein an, Migranten bei stadtnahen Jobs den Vorrang vor österreichischen Bewerben geben zu wollen.

"Heute" fragte bei den Grünen nach, was sie sich dabei gedacht haben. Die Antwort: "Wenn alle Qualifikationen gleich sind, dann stehen wir dort, wo die Stadt Wien als Arbeitgeberin fungiert, für eine bestmögliche repräsentative Abbildung der Gesellschaft ein. Wir sehen Mehrsprachigkeit als Vorteil und Chance, um mit und für Communitys zur arbeiten“, erklärt ein Sprecher auf Nachfrage.

Experte: "Es geht um Gleichbehandlung, nicht um Besserstellung"

Wie schlau ist dieser Vorschlag? Und wollen die Betroffenen, also die Migranten selbst, das auch wirklich?

"Heute" konfrontierte den Integrationsjournalisten und Kommunikationsexperten Nedad Memić mit dem Vorschlag der Grünen: "Es stimmt, es gibt bei der Stadt nicht genügend Migranten – zumindest nicht an sichtbarer Stelle", so Memić zu "Heute“. Eine Migranten-Quote oder Vorreihung sei aber der falsche Weg, er fordert mehr "Sensibilität" ein: "Zum einen: ,Die Migranten‘ gibt es nicht, wir sind Menschen wie alle anderen auch und wollen auch nur als solche gesehen werden. Die Gruppe der zugewanderten Bevölkerung in Wien ist viel zu inhomogen, als dass man alle Menschen in einen Topf werfen könnte", so Memić. Außerdem würden viele gar keine Vorreihung oder Besserstellung gegenüber der "echten Wiener" wollen, es gehe um "Gleichbehandlung, nicht um Bevorzugung". Und: "Es gibt bereits genügend Spannungen beim ,Ausländerthema‘. Ein Mi­granten-Bonus würde nur noch Öl ins Feuer gießen", ist Memić sicher.

Man müsse den Migranten zeigen: "Diese Stadt gehört auch dir!"

Es gehe darum, dass sich Institutionen für alle Menschen – auch Migranten, die eben nicht Huber oder Maier heißen – öffnen. Das sei noch nicht ausreichend passiert, auch würden den Betroffenen oft einfach die Netzwerke fehlen, meint der Experte. Wichtig wäre es auch, "eine Atmosphäre zu schaffen, dass sich die nicht hier geborenen Menschen auch trauen, sich auf Stellen bei Verwaltung und stadtnahen Betrieben zu bewerben", so Memić. Es müsse den Migranten klar gezeigt werden: "Diese Stadt gehört auch dir! Und dazu bräuchte es auch Vertreter dieser Gruppe an sichtbaren Stellen in der Stadt", ist der Integrationsjournalist überzeugt. Wichtig sei es, dass die Einstellung aufgrund der Qualifizierung passiere. Alles andere führe nur zu weiteren Spannungen, warnt Memić davor, die "echten" und "unechten" Wiener auseinanderzudividieren.

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