Geht die Sonne hinter dem Feld unter, wirkt die Gegend rund um den Pfingstrosenweg paradiesisch. Es ist ruhig, ein Einfamilienhaus reiht sich an das nächste. Eine Familienidylle, könnte man sagen – wären da nicht jene Autofahrer, die das pittoreske Bild trüben.
Seit über acht Jahren wohnen Sabine, Anja und Kathrin in dem Grätzl am Rande der Donaustadt. Seitdem plagt die jungen Mütter vor allem ein Problem: die Raser. Denn um eine Parallelstraße mit zahlreichen Rechtskommenden zu umfahren, nutzen Autofahrer den Pfingstrosenweg zunehmend als Durchzugsroute – und achten dabei nicht auf die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h.
Ganz im Gegenteil, ein von Anrainern selbst aufgestelltes Gerät soll sogar bis zu 96 km/h gemessen haben (die Daten liegen "Heute" vor). Demnach überschreiten fast 75 Prozent der Autofahrer die Geschwindigkeitsbeschränkung.
"Ich erschrecke jedes Mal, wenn ich solche Situationen sehe, es ist mir kaum möglich, mich mit meinem Sohn sicher zu Fuß zu bewegen", berichtet Anrainerin Sabine. "Gerade mit einem Kleinkind, das die Gefahren des Straßenverkehrs noch nicht einschätzen kann, ist die Situation unzumutbar." Sie wisse nicht, wie sie in Zukunft ihren Alltag bewältigen soll – begonnen mit einem einfachen Spaziergang.
Anrainerin Anja geht es ähnlich. Sobald sie das Haus verlässt, drückt sie die Hand ihrer Kinder fest, lässt sie keine Sekunde aus den Augen: "Ich mache mir Sorgen, nur ein Schritt zur Seite kann zur großen Gefahr werden. Wenn mein Kind mit dem Rad oder Laufrad unterwegs ist, bleiben wir alle paar Sekunden stehen und ich halte sie fest, weil ich solche Angst habe."
Mehrere riskante Situationen mussten die Anrainer bisher erleben. "Ich bin aus dem Taxi ausgestiegen und ein Auto ist so schnell an mir vorbeigerast, dass ich nur knapp nicht zusammengeführt wurde", erinnert sich Kathrin. "Da ist sehr viel Aggression im Spiel. Ich habe teilweise schon Angst, mit den Kindern ins Auto einzusteigen", ergänzt Anja.
"Sie sind so schnell unterwegs, dass man sie teilweise kaum erkennt", erzählt die junge Mutter. "Als ein Motorrad vor dem Fenster vorbeifuhr, meinte meine Mama nur 'was war das eigentlich?'". Knapp einem Unfall entgangen sind bereits alle drei Mütter. "Mein Herz ist fast stehen geblieben", erinnert sich Anja an die bangen Sekunden. Die Sorge geht nun schon so weit, dass die Bewohner auch neue Autos nicht mehr draußen stehen lassen möchten – aus Sorge, dass Raser sie touchieren könnten.
"Als ich noch keine Kinder hatte, hat es mich einfach nur geärgert", erzählt Anja. "Ich war dann auch etwas fahrlässig, habe mich provokant auf die Straße gestellt und mich bemerkbar gemacht. Heute, mit den Kindern, hab’ ich einfach nur Angst. Immer, wenn wir rausgehen. Vor allem vor Situationen, in denen die Leute ihr Lenkrad verreißen, weil sie so schnell fahren und wir am Straßenrand stehen."
Die verzweifelten Anrainer wandten sich bereits an den Bezirk, als Lösung wurde ein Parkstreifen gezogen. Abhilfe hat dieser jedoch laut den Betroffenen keine gebracht: "Eher das Gegenteil ist der Fall", so Anja. "Sie fahren genauso schnell, aber jetzt noch näher an den Häusern." Für die Zukunft wünschen sich die geplagten Mamas eine Verkehrsberuhigung – ob mit Bodenschwellen, mehr Polizeipräsenz oder besserer Ausschilderung der 30er Zone.
"Es ist mir wichtig, dass wir hier zu einer Lösung kommen", betont Bezirkschef Ernst Nevrivy (SP). Man habe auf Wunsch der Anrainer die zuständige Verkehrsbehörde ersucht, geeignete Maßnahmen umzusetzen. Von einer Einbahn hält Nevrivy wenig, dort werde erfahrungsgemäß noch schneller gefahren. "Abgesehen davon hätte es das Verkehrsaufkommen durch Umwegfahrten erhöht."
Die Einrichtung eines Parkstreifens sollte Abhilfe schaffen, da dieser die "Fahrbahnbreite reduzieren und dadurch auch die Geschwindigkeiten drosseln" sollte. Sollte dies (wie von den Anrainern bestätigt) nichts an der Situation ändern, werde man die MA 46 um erneute Prüfung von Lösungsmöglichkeiten ersuchen, verspricht der Bezirksvorsteher und ergänzt: "Am effektivsten wäre wahrscheinlich erhöhte Kontrollen durch die Polizei in dem Gebiet, aber diese weisen regelmäßig auf die Personalknappheit hin.“