Die Grippewelle ist vorbei, jetzt kommt die Aufarbeitung – und die sorgt für großes Aufsehen: Hunderttausende Impfdosen sind in Österreich nicht nachvollziehbar dokumentiert. Konkret geht es um rund 900.000 Impfungen in den vergangenen drei Jahren, die im System schlicht nicht aufscheinen.
Brisant ist vor allem die Geldfrage. Denn bezahlt wurden die Dosen mit Steuergeld, auch wenn sie verschwunden sind. Für 2024 gab der Staat laut nun veröffentlichten Zahlen rund 30 Millionen Euro für etwa eine Million Impfdosen aus, das berichtet der ORF. Im Jahr darauf waren es bereits fast 34 Millionen Euro für rund 1,2 Millionen Dosen. Zahlen für heuer gibt es noch keine.
Lange wollte das Gesundheitsministerium dazu keine Details nennen. Erst durch das Informationsfreiheitsgesetz kamen nun zumindest teilweise Daten ans Licht – allerdings nur für die letzten zwei Jahre.
Rechnet man die nicht dokumentierten Impfungen heraus, steht ein Betrag von rund 25 Millionen Euro im Raum, bei dem unklar ist, was genau damit passiert ist, so der ORF. Fest steht: Die Impfungen tauchen im System nicht auf, ihr Verbleib ist nicht eindeutig geklärt.
Ganz ohne mögliche Erklärungen bleibt die Sache aber nicht. So könnten, so das Gesundheitsministerium, etwa nicht alle Ärzte die Impfungen in den elektronischen Impfpass eingetragen haben – etwa beim Bundesheer oder bei bereits pensionierten Medizinern. Auch Patienten, die ihre e-card beim Arztbesuch nicht dabeihatten, könnten dazu führen, dass Einträge fehlen oder erst später nachgetragen werden.
Ein weiterer Punkt: Manche Ärzte dürften mehr Impfstoff bestellt haben, als letztlich benötigt wurde. Trotzdem bleibt das Problem bestehen, dass nicht jede einzelne Dosis lückenlos nachverfolgt werden kann.
Die Österreichische Gesundheitskasse fordert deshalb jetzt strengere Regeln. Ärzte sollen ihr Honorar künftig erst dann erhalten, wenn alle Impfungen vollständig im elektronischen Impfpass dokumentiert sind.