Fehlende Fußball-Feste

"Hässlich und mühsam!" Experten jammern über WM-Nächte

Der WM-Hype ist noch nicht bei allen ohne Einschränkung angekommen. Die ersten TV-Nächte veranlassen Presse und Experten sogar zum Jammern.
Sport Heute
14.06.2026, 14:07
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Die brasilianische Presse schimpfte. Das waren die "schlechtesten 45 Minuten seit dem 7:1", empörte sich ein Kolumnist der Tageszeitung O Globo. Nach dem mageren WM-Auftakt fühlte er sich prompt in den dunkelsten Moment der Fußballgeschichte seiner so stolzen Heimatnation zurückversetzt. Eigentlich sollte das Duell gegen Afrikameister Marokko (1:1) ein erstes Highlightspiel der Endrunde sein - aber für die große Begeisterung konnten nicht mal die Zauberer vom Zuckerhut sorgen.

Zwar hat das Mammut-Turnier erst vor wenigen Tagen begonnen, doch einige Experten kommen aus dem Jammern gar nicht mehr heraus. Das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika? "Taktisch einfach schlecht!", sagte Jürgen Klopp bei MagentaTV, "von beiden Mannschaften nicht gut!"

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Das 1:1 der ambitionierten Schweizer gegen Außenseiter Katar? Dürfe aus Sicht der Schweiz "nie und nimmer passieren", urteilte Christoph Kramer im ZDF, "vor allem, was die Art und Weise wie sie Fußball gespielt haben angeht."

Glück gehabt, könnte man aus Zuschauersicht sagen, dass einiges, was sportlich unterdurchschnittlich niveauvoll daherkommt, in der Nacht stattfindet. So wie das Spiel zwischen den WM-Rückkehrern Schottland und Haiti (1:0), laut Daily Mail "hässlich und mühsam." Immerhin: Was den Schotten auf dem Spielfeld abgeht, machen ihre Fans auf den Rängen wett.

Underdogs gab es schon immer. Auch als sich nur 32 Mannschaften um den Titel gestritten haben - nicht 48.

War es aber wirklich zu erwarten, dass auch die ambitionierten Schweizer, die hochveranlagten Türken und die angriffslustigen Mexikaner bisweilen für ziemliche Magerkost in ihren Spielen sorgten? Über die widrigen Bedingungen, allen voran die große Hitze und die teils absurde körperliche Belastung, war lange vor Turnierbeginn diskutiert worden. "Vielleicht", mutmaßte Ilkay Gündogan in der Süddeutschen Zeitung, "wird am Ende die Mannschaft Weltmeister, die am besten mit ihren Kräften umgeht."

Oder die, die sich defensiv am wenigsten zuschulden kommen lässt. Australien jedenfalls zeigte beim 2:0 gegen die Türkei, wie ungemütlich es gegen eine Betonabwehr werden kann, auch Katar besann sich auf den Kampf und holte damit überraschend einen Punkt. Ein probates Mittel auch für die Top-Mannschaften?

Das Nonplusultra ihres Sports sind WM-Endrunden aus spielerischer Sicht schon länger nicht mehr, der europäische Vereinsfußball hat vor allem auf internationaler Ebene gänzlich andere Maßstäbe gesetzt: Mit eingespielten Teams und Spielern, die trotz ihrer vollgepackten Terminkalender noch nicht ganz an ihrem Maximum angelangt sind. Die Dauerbelastung über die verlängerte Endrunde, da ist sich zumindest der Gündogan sicher, wird sich "qualitativ bemerkbar" machen.

Was das für die Fans und die heiß ersehnten großen Fußball-Feste bedeutet? Vielleicht nichts Gutes, denn bis zur K.o.-Runde dauert es noch. Und dann bleibt ja noch zu hoffen, dass sich die spielerische Klasse durchsetzt - auch wenn es von der bisher nicht so viel zu sehen gab.

(SID)

{title && {title} } red, {title && {title} } 14.06.2026, 14:07
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