Als die Wechsel-Posse endlich offiziell beendet war, atmete auch Ralf Rangnick durch. "Es ist mir einfach eine Herzensangelegenheit. Das ist die richtige Entscheidung", kommentierte der 67-Jährige im sonnigen Santa Barbara seine lang ersehnte Vertragsverlängerung als Teamchef Österreichs – und legte danach eine Liebeserklärung an Österreich ab.
Viel war in den vergangenen Tagen über seine Zukunft spekuliert worden, kurz vor dem WM-Auftakt sorgte der deutsche Erfolgstrainer nun für Klarheit – und vermeidet dass sich seine ungewisse Zukunft negativ auf das Abschneiden seiner Mannschaft auswirkt. Denn die Rangnick-Frage hatte die Vorbereitung des ÖFB-Teams auf die WM bestimmt, mit seinem Bekenntnis zum ÖFB-Team bis zur EM 2028 beseitigte er einen drohenden Brandherd nun selbst.
"Ich bin froh, dass ich diese Entscheidung getroffen habe", sagte Rangnick dem ORF: "Das ist für mich auch wichtig, damit ich mich voll und ganz auf meine Spieler und unser Turnier hier konzentrieren kann."
Höchste Zeit, denn bereits am Mittwoch (06:00 Uhr) ist Österreich zum Auftakt gegen Jordanien in Santa Clara gefordert. Sein Vorhaben, vor dem WM-Start alle offenen Fragen zu beantworten, setzte Rangnick auf den letzten Metern in die Tat um. Bei seiner Entscheidung, den auslaufenden Vertrag zu verlängern, hätten "viele Faktoren" eine Rolle gespielt, erklärte er. Wichtig sei ihm vor allem gewesen, dass auch seine Mitarbeiter "an Bord" bleiben.
"Es ist ein wichtiges Signal für Geschlossenheit und gemeinsame sportliche Ziele. Die nun geschaffene Klarheit ist insbesondere für die Mannschaft von großer Bedeutung", sagte der ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzender Josef Pröll. Dass Rangnick sich für Österreich entschieden habe zeige, "welchen Stellenwert dieses Projekt für ihn hat".
Einen so großen offenbar, dass Rangnick zum wiederholten Male dem Lockruf eines europäischen Topklubs widerstand. Nachdem er vor zwei Jahren Bayern München hatte abblitzen lassen, erteilte er nun offenbar auch der AC Mailand eine Absage.
Dass es mit den Italienern Kontakt gegeben habe, sei "kein Geheimnis", sagte Rangnick, der als Technischer Direktor bei den Rossoneri gehandelt worden war. Er habe von Anfang an jedoch deutlich gemacht, dass er bis zur WM Klarheit haben wolle. Diese habe es von Klubseite aus laut Rangnick bis zuletzt nicht gegeben. Doch, so betonte der Coach, "wenn ich mich nicht wohlfühlen würde, würde ich seit zwei Jahren nicht mehr hier sitzen".
Und so setzt der gebürtige Schwabe den 2022 eingeschlagenen Weg mit den Österreichern fort. Nach der EM 2024 führt dieser nun nach 28 Jahren Abstinenz zurück auf die WM-Bühne. Gegen Jordanien warte dabei gleich zu Beginn eine anspruchsvolle Aufgabe, erklärte Rangnick beim ORF. Die Partie sei "richtungsweisend und genau so werden wir sie auch angehen". Mit der nun gewonnen Klarheit im Rücken.