Die verbalen Giftpfeile von Andreas Wolff vor dem EM-Auftakt zwischen Österreich und Deutschland bleiben nicht unbeantwortet. ÖHB-Keeper Constantin Möstl reagierte auf die umstrittenen Aussagen seines deutschen Kollegen – sachlich, aber mit klarer Botschaft.
Auslöser war ein Interview Wolffs, in dem der Teamtorhüter der Deutschen Österreich einen "absoluten Anti-Handball" attestierte und von "Hässlichkeit" sprach. Wolffs Urteil über das ÖHB-Spiel: "Österreich spielt einen absoluten Anti-Handball. Das will eigentlich keiner sehen, weil es sehr unattraktiv zum Anschauen ist. Auch für uns als Spieler ist es eher eine Geduldsfrage als ein Qualitätsbeweis, weil du in der Abwehr extrem viel arbeiten musst."
Möstl, selbst Deutschland-Legionär, wählte einen anderen Ton. Der 25-Jährige sagt: "Das ist eine Aussage – ich glaube, er weiß selber, dass die Wortwahl nicht die richtige war."
Der ÖHB-Schlussmann weiter: "Wenn jetzt noch der letzte Spieler irgendeine Motivation gebraucht hat, soll er sich noch einmal das Video anschauen. Ich glaube, dann sind die letzten Prozentpunkte da."
Gleichzeitig bemüht sich Möstl um Abstand – auch augenzwinkernd: "Als Tormann äußer ich mich eigentlich nicht zu Spielern. Ich bin Tormann, ich habe keine Ahnung."
Besonders störend sei für ihn nicht die inhaltliche Kritik, sondern der Tonfall: "Es geht eher um die Wortwahl." Es war nicht richtig, wie man über den Gegner spricht. Ich hoffe, das weiß er selber." Aber: "Es ist uns wirklich scheiß egal – Entschuldigung. Wir konzentrieren uns auf uns selber. Wir werden unser Spiel wieder durchziehen und einfach alles geben."
Wie dieses Spiel aussieht, erklärt der Keeper ausführlich – und widerspricht damit indirekt dem Vorwurf der "Hässlichkeit": "Wir spielen einfach diszipliniert, wollen keine Harakiri-Pässe machen. Wir wollen klare Chancen kreieren und das dauert einfach manchmal ein bisschen. Vor allem, wenn wir gegen große Mannschaften spielen – die stellen keine schlechte Abwehr. Da kannst du nicht über einen Vierfachblock werfen, sofort den Abschluss finden."
Und wie gewonnen wird, sei am Ende zweitrangig: "Wenn es zum Sieg hilft, ist mir wurscht, wie wir spielen. Dann ist mir wurscht, ob wir 2:1 oder 40:39 gewinnen."
Nach der Anreise nach Herning in Dänemark wartet bei der Europameisterschaft eine extrem schwere Gruppenphase. Mit Deutschland, Spanien und Serbien zählt die Vorrunde zu den stärksten des Turniers. Nur die ersten beiden Teams schaffen den Sprung in die Hauptrunde.
Der EM-Auftakt steigt am Donnerstag um 20.30 Uhr gegen Deutschland. Spätestens dann ist für den ÖHB die Stunde der Wahrheit gekommen.