Schweiß und Adrenalin hier, Konzentration und Eleganz dort. Boxring und Theaterbühne gelten als Gegensätze. Sophie Rabmer bewegt sich zwischen beiden Welten. Die 23-jährige Oberösterreicherin absolvierte eine Schauspielausbildung, stand für eine Burgtheaterproduktion von "Kabale und Liebe" auf der Bühne und spielte am Theater in der Josefstadt bei "Leben und Sterben in Wien". Zusätzlich schreibt sie derzeit als Amateur-Boxerin Schlagzeilen. Ungewöhnlich findet sie diese Kombination nicht. "Zwischen meinen beiden Leidenschaften gibt es viele Parallelen", sagt sie im Gespräch mit "Heute": "Bei beiden braucht es enorm viel mentale Vorbereitung, außerdem muss man lernen, mit Angst und Nervosität umzugehen. Am Ende des Tages kann ich überall enorm viel mitnehmen."
Rabmer ist erfolgreich. Zuletzt gewann sie klar nach Punkten gegen Johanna Piringer, die ihr körperlich überlegen war. Immer wieder suchte sie den Weg in den Infight, ließ der größeren Gegnerin kaum Raum. "Ich wusste, dass sie durch Länge, Größe und Gewicht Vorteile hat", sagt Rabmer: "Aber wir hatten einen guten Gameplan und haben es geschafft, dass sie mich nicht auf Distanz hält."
Mental sei der Kampf dennoch eine besondere Herausforderung gewesen. Sie wusste, dass es ihre bisher beste Gegnerin ist. Normalerweise habe sie keine großen Bedenken, diesmal aber habe sie an ihre Mutter gedacht. "Ich wollte nicht vor ihren Augen ausgenockt werden." Deshalb habe sie vor dem Kampf noch einmal mit ihr gesprochen: "Es kann alles passieren, auch ein frühes Ende. Wenn du nicht kommen möchtest, ist das völlig in Ordnung."
Anfangs habe ihre Mutter mit dem Boxen generell gefremdelt. Der erste Kampf vor zwei Jahren sei ein Schock gewesen. "Man muss sich das vorstellen: Meine Mutter kommt vom Dorf, fährt in die große Stadt und sieht, wie sich ihre Tochter in irgendeinem Hinterhof prügelt." Inzwischen habe sich das geändert. "Heute ist sie mein größter Fan."
Ihre Mutter ist eine große Stütze. 2025 mehr denn je. Im Frühjahr starb ihr Vater Josef Rabmer überraschend. Den Kampf gegen Johanna Piringer und den Titel bei der "Vienna Boxing Championship" widmete sie ihm. Auch das Boxen half ihr durch diese Zeit: "Das, was vorgefallen ist, hat mich so stark getroffen, dass ich froh bin, das Boxen gehabt zu haben. Dadurch hatte ich ein Ziel und etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt. Ich glaube, wir kämpfen alle für irgendetwas. Bei mir war es dieses Mal ein Kampf um innere Ruhe in einer Ausnahmesituation, die es zu bewältigen galt."
Boxen ist dennoch keine unumstrittene Sportart. Zahlreiche ehemalige Kampfsportler leiden nach ihrer Karriere an CTE, einer Erkrankung, die im höheren Alter zu Demenz führen kann und in der Szene auch als Boxer-Demenz bekannt ist. Rabmer ist sich dieses Risikos bewusst und versucht, bereits im Training gegenzusteuern. "Grundsätzlich ist es schon so, dass man sich in harten Sparrings an die Schläge gewöhnen muss, sonst wirst du im Kampf überrascht. Das kannst du nicht brauchen." Gleichzeitig achte sie auf Kontrolle. "Meine Devise ist, dass ich immer mit Kopfschutz trainiere. So habe ich so viel Schutz wie möglich und nur so wenig Vollkontakt wie nötig."
„Ich investiere monetär deutlich mehr in den Boxsport, als ich zurückbekomme“Sophie RabmerÜber das Amateur-Boxen
Doch wie soll es für Rabmer auf der Bühne und im Ring weitergehen? In Zusammenarbeit mit dem ehemalige WBO-Europameister und Promoter Harald Pfingstl will sie im Boxen den nächsten Schritt machen. Der Wechsel ins Profilager ist das erklärte Ziel. Ein großer Förderer ist dabei Trainer Sasa Milenkovic, der selbst als aktiver Boxer den "WBF Continental Champion" holen konnte. Als Profi erhofft sie sich zumindest eine gewisse finanzielle Entlastung. "Derzeit investiere ich monetär deutlich mehr in den Boxsport, als ich zurückbekomme." Um dies zu ermöglichen, trainiert sie derzeit täglich im "Garage Combat Club" im dritten Wiener Gemeindebezirk.
Und auf der Bühne? Derzeit liege der Fokus eher im Filmbereich. Dort drehe sie im April einen Kurzfilm über einen Mann, der mit seiner Rolle in der heutigen Gesellschaft nicht klarkommt. Sie spielt seine Frau. Im kommenden Sommer wird Rabmer außerdem im Film Body Farm als junge Version der Hauptfigur von Birgit Minichmayr auf der Kinoleinwand zu sehen sein. Den Nachsatz sagt sie lächelnd: "Sollte mich das Burgtheater oder ein anderes Theater anrufen, würde ich mich über jede neue Herausforderung und Weiterentwicklung auf der Bühne freuen."
Ob auf der Bühne oder im Boxring – die Oberösterreicherin bewegt sich weiter zwischen beiden Welten. Wohin es sie zieht, entscheidet sich nicht am Schreibtisch, sondern dort, wo Präsenz gefragt ist: unter Scheinwerfern oder zwischen vier Seilen.