Die Unzufriedenheit mit dem öffentlichen Gesundheitssystem treibt immer mehr Österreicher in die private Krankenversicherung. Laut einer aktuellen Marktanalyse verfügen mittlerweile 3,66 Millionen Menschen über einen privaten Gesundheitsschutz – das entspricht bereits 39,7 Prozent der Bevölkerung.
Der wichtigste Grund für den Boom sind lange Wartezeiten bei Kassenärzten. Laut Experten müssen Patienten teils bis zu 63 Tage auf einen Termin warten. Sieben von zehn Neuversicherten nennen genau diesen Umstand als Hauptmotiv für den Abschluss einer privaten Krankenversicherung.
Seit 2014 ist die Zahl der Privatversicherten um mehr als 600.000 Personen gestiegen. Allein im Jahr 2025 kamen rund 86.000 neue Versicherte hinzu.
Regional zeigen sich deutliche Unterschiede: Wien verzeichnet mit knapp 938.000 Privatversicherten die höchste absolute Zahl. Gemessen am Bevölkerungsanteil liegt jedoch Kärnten vorne – dort verfügt bereits mehr als jeder Zweite über eine private Krankenversicherung. Die niedrigste Quote weist Niederösterreich auf.
Mit dem Anstieg der Privatversicherungen wachsen auch die Gesundheitsausgaben. Besonders stark steigen die Kosten für Wahlarztbesuche, die heuer um 10,1 Prozent auf mehr als 355 Millionen Euro zulegten. Auch bei Medikamenten gab es laut Analyse einen deutlichen Anstieg von 14 Prozent.
Experten sehen die Entwicklung kritisch. Sie warnen vor einer zunehmenden Zwei-Klassen-Medizin, bei der Privatversicherte schneller behandelt werden, während Kassenpatienten immer länger auf Arzttermine und Behandlungen warten müssen.
Versicherungsmaklerin Edita Matejic ist seit 13 Jahren in der Branche tätig und beobachtet in ihrer Beratungspraxis seit Jahren, dass der Druck auf viele Patienten wächst. Hauptgrund für den Abschluss einer privaten Krankenversicherung seien laut der Wiener Maklerin vor allem lange Wartezeiten bei Fachärzten, Untersuchungen und Operationen. Kostenlos bietet die Wienerin Analysen an – so können sich Interessierte darüber informieren, ob eine private Krankenversicherung für sie sinnvoll wäre.
„Besonders werdende Mütter und Familien mit Kindern wünschen sich mehr Sicherheit, schnellere Termine und mehr Flexibilität.“Edita MatejicVersicherungsmaklerin warnt vor Zwei-Klassen-Medizin
Dazu kommen spürbar gestiegene private Gesundheitskosten – etwa für Wahlärzte, Therapien, Medikamente oder Heilbehelfe. Viele würden erst bei der Abrechnung merken, dass die Krankenkasse bei Wahlärzten nicht die tatsächliche Rechnung ersetzt, sondern nur einen Teil nach Kassentarif. Eine private Krankenversicherung könne dadurch nicht nur Komfort bringen, sondern Kosten planbarer machen.
Matejic sieht vor allem bei der privaten Krankenversicherung weiter steigende Nachfrage. Danach würden Haushalts- und Unfallversicherungen folgen, weil Familien dort mit vergleichsweise niedrigen Prämien viel absichern können. "Wir bewegen uns immer stärker in Richtung Zwei-Klassen-Medizin. Private Vorsorge wird für viele Familien noch wichtiger werden", warnt die Expertin.