Halbherziges Geständnis findet nur wenig Anklang

Bild: DAPD

Lance Armstrongs Dopingbeichte fand in der Sportwelt nur wenig Anklang. "Halbherzige Geschichte" ist nur eine der Reaktionen. Kritisiert wird vor allem, dass der gefallene Radheld nicht auf Detailfragen einging, falls sie von der diesmal äußerst zahmen Talk-Ikone Oprah Winfrey überhaupt gestellt wurden.

Lance Armstrongs Dopingbeichte fand in der Sportwelt nur wenig Anklang. "Halbherzige Geschichte" ist nur eine der Reaktionen. Kritisiert wird vor allem, dass der gefallene Radheld nicht auf Detailfragen einging, falls sie von der diesmal äußerst zahmen Talk-Ikone Oprah Winfrey überhaupt gestellt wurden.

Mit großer Spannung war das erste Interview (Teil zwei folgt in der Nacht auf Samstag ab 3 Uhr auf Discovery Channel) erwartet worden. Zwar gab Armstrong gleich zu Beginn zu, bei jedem seiner sieben Triumphe bei der Tour de France gedopt gewesen zu sein, dies war aber angesichts der erdrückenden Beweislast keine Überraschung mehr. "Er hat alles gestanden, was im Verfahren schon offengelegt worden war", meinte NADA-Chef Michael Cepic enttäuscht.

Die Erwartungen der Sportfans wurden nicht erfüllt, die sich einen umfassenden Einblick in die Praktiken erwartet hatten und wissen wollten, wer dem Texaner auf seinem mit Lügen gepflasterten Pfad geholfen hat. Armstrong nannte keine Namen. Er ließ nur durchblicken, dass der als "Dottore EPO" bekannte Sportarzt Michele Ferrari Bestandteil seines Dopingnetzwerks war. Welche Rolle der Italiener spielte, blieb aber unbeantwortet.

Kohl: "Eine halbherzige Geschichte"

Deshalb wartet auch Bernhard Kohl, der 2008 nachträglich wegen Dopings seinen dritten Platz bei der Tour de France verlor, mit Spannung auf den zweiten Teil. "Die Frage ist, ob er auch Namen nennt. Wenn nicht, dann ist es eine halbherzige Geschichte. Solange nicht alles auf dem Tisch liegt, wird man keine Akzeptanz finden", meinte der Wolkersdorfer.

Für Rudolf Massak, Generalsekretär des österreichischen Radsportverbandes, war es eine reine "Medieninszinierung". "Die brennenden Fragen für den Radsport sind noch nicht gelöst. Er sollte sich den maßgeblichen Gremien wie US-Anti-Doping-Agentur oder Welt-Anti-Doping-Agentur stellen und unter Eid unbequeme Fragen beantworten."

"Das war höchstens ein Anfang"

Dies forderte unter anderem auch Travis Tygart, Chef der US-Anti-Doping-Agentur (USADA), und Thomas Bach, Vize-Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). "Wenn er wirklich hätte aufklären wollen, hätte er etwas über die Hintermänner sagen müssen, über das Verhalten der Rennställe. Das war nicht ausreichend, es war höchstens der Anfang", so Bach.

Und John Fahey, Chef Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), fügte hinzu: "Er hat keine Namen genannt, hat nicht verraten, wer ihn (mit Dopingmitteln) versorgt hatte, welche Funktionäre involviert waren. Falls er auf Erlösung aus war, war er nicht erfolgreich."

Auch für Massak war die Antwort unbefriedigend, wieso Armstrong 125.000 Dollar an den internationalen Radsportverband (UCI) überwiesen hat. Der 41-Jährige meinte, die UCI habe das Geld gebraucht und ihn gefragt, er habe es ohne nachzudenken und ohne Hintergedanken überwiesen. Armstrong stellte sich sogar schützend vor Hein Verbruggen und Pat McQuaid, den ehemaligen und aktuellen UCI-Boss.

Djokovic: "Er hat es verdient zu leiden"

Besonders hart ins Gericht mit Armstrong ging Novak Djokovic, Nummer eins der Tenniswelt: "Es wäre lächerlich gewesen, zu leugnen, weil es tausende Beweise gegeben hat. Es ist eine Schande für den Sport, dass es Athleten wie ihn gibt. Er hat den Sport verraten. Er verdient es zu leiden. Wie so viele Menschen habe ich das Vertrauen in den Radsport verloren. Die Tennisspieler gehören zu den saubersten Athleten. Es stört mich nicht, 10, 20 oder 30 Mal pro Jahr getestet zu werden."

Für viele wirkten auch Armstrongs Entschuldigungen unglaubwürdig. Vor allem mit dem Hintergrund, dass er durch Betrug zum Multimillionär wurde und es auch nach der Beichte bleibt. Zudem soll der 41-Jährige ein ziemlich großzügiges Honorar für seinen TV-Auftritt bekommen haben. "Wenn Armstrong etwas macht, geschieht das aus Berechnung. Ich frage mich, ob dieses Geständnis nicht eine Taktik ist", mutmaßt Ex-Radprofi Laurent Jalabert.

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