Uli Hoeneß rechnet mit dem Deutschen Fußball-Bund ab. Der Bayern-Ehrenpräsident kritisiert die Strukturen beim DFB, warnt vor überzogenen Erwartungen an Jürgen Klopp und übt nach der enttäuschenden WM deutliche Kritik an der Nationalmannschaft.
Klopp hält Hoeneß grundsätzlich für die richtige Wahl als Bundestrainer. "Ich persönlich halte Jürgen Klopp für einen sehr guten Trainer, wirklich einen sehr guten Trainer", sagt der 74-Jährige. Gleichzeitig warnt er davor, den früheren Liverpool-Coach bereits vor seinem ersten Spiel zum Heilsbringer zu erklären.
"Er kriegt jetzt schon so einen Status, als wenn er über Wasser gehen kann. Er kann auch nicht per Handauflegen alles verändern", so Hoeneß. Klopp werde hart arbeiten und vieles verändern, dennoch brauche auch er Zeit. "Man darf vor allem nicht glauben, dass er der Messias ist."
Besonders kritisch sieht Hoeneß, dass auch Klopps langjähriger Berater Marc Kosicke beim DFB eine Rolle spielen soll. "Was mir in der Geschichte nicht gefällt, ist, dass sein Berater Marc Kosicke mit eingekauft wurde. Ich weiß nicht genau, was er da machen soll. Das halte ich für ein Problem."
Hoeneß geht sogar noch weiter: "Mir kommt die ganze Geschichte vor wie ein 'friendly takeover'. Klopp und Co. haben den DFB übernommen und das halte ich für falsch."
Auch strukturell sieht der langjährige Bayern-Macher großen Reformbedarf. Besonders die Nachwuchsarbeit müsse wieder stärker in den Fokus rücken. Dass Per Mertesacker künftig mehr Verantwortung übernehmen soll, begrüßt Hoeneß ausdrücklich.
"Wenn er es nicht kann, wer sonst?", sagt er über den früheren Weltmeister, der jahrelang die Akademie des FC Arsenal leitete. Hoeneß fordert zudem einen radikalen Umbau beim DFB. Seiner Meinung nach sollten die Nationalmannschaften aus dem Verband ausgegliedert und in einer eigenen Gesellschaft geführt werden.
"Es kann doch nicht sein, dass Landesfürsten darüber entscheiden sollen, wer Bundestrainer wird. Die haben ja keine Ahnung davon", poltert Hoeneß. Der Fußball sei mittlerweile so professionell, dass auch die entscheidenden Positionen von Profis besetzt werden müssten.
Besonders hart fällt sein Urteil über die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 2026 aus. "Ich finde, die Vorstellung unserer Mannschaft war eine einzige Katastrophe. Es war eine Blamage für unser Land", sagt Hoeneß.
Ex-Teamchef Julian Nagelsmann will er dabei aber nicht alleine verantwortlich machen. Deutschland habe zwar nicht mehr die individuelle Klasse früherer Jahre, dennoch müsse deutlich mehr möglich sein. Als Beispiel nennt Hoeneß Argentinien: "Sie haben keine gute Mannschaft, aber sie haben reingehauen wie verrückt. Das habe ich bei unserer Mannschaft vermisst."
Vor allem die fehlende Eingespieltheit sei ein großes Problem gewesen. "Wir hatten keine eingespielte Mannschaft. Es war alles kreuz und quer, immer wieder was Neues probiert. Das ist Aufgabe der Vorbereitung und nicht der WM."