Laut Experten

Drei Wochen Handyfasten für Schüler gesünder als Ferien

Handy-Konsum nimmt weltweit zu, besonders bei Jugendlichen. Studien zeigen: Weniger Bildschirmzeit steigert Wohlbefinden und senkt Stress.
Heute Life
22.02.2026, 18:58
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Handys und damit rund um die Uhr und überall verfügbares Internet, Social Media, Spielen, Wetten, Plattformen für Selbstdarstellung und künstliche Intelligenz – das alles ist längst fixer Bestandteil unserer Gesellschaft.

Mittlerweile gibt es weltweit sieben Milliarden Geräte. Das hat Roland Mader, ärztlicher Direktor des Anton Proksch Instituts in Wien, bei einem Symposium zum Thema "Handy-Sucht – Schreckgespenst oder Geißel unserer Zeit?" an der Sigmund-Freud-Uni in Wien erklärt.

Vier Prozent der Jugendlichen sind handysüchtig

"Die Handy-Sucht ist noch kein von der Weltgesundheitsorganisation katalogisierter Krankheitsbegriff. Das wird sie aber werden. Ein Teil der Internetsucht verlagert sich auf die mobilen Endgeräte. Ein Brandbeschleuniger war die Covid-19-Pandemie. (…) Etwa vier Prozent der Jugendlichen in Österreich sind 'handysüchtig'. Erwachsene verbringen täglich viereinhalb Stunden am Handy. Loswerden tun wir das nicht mehr. Pro Tag schauen wir zwischen 88- und 100-Mal auf das Handy", so der Experte.

Spiele, soziale Netzwerke und Pornografie gehören seit Beginn des Internets zu den beliebtesten Anwendungen. Endlose Schleifen und schnelle Belohnungen sorgen dafür, dass viele ständig am Smartphone hängen. Push-Nachrichten machen den Griff zum Handy fast schon reflexartig – der ständige "Begleiter" vermittelt Nähe, die aber oft nur vorgespielt ist, meint der Wiener Psychiater und Leiter des Instituts für Sozialästhetik und Psychische Gesundheit, Michael Musalek.

Durch Handy steigen Einschlafprobleme

91 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen nutzen Messenger wie WhatsApp. Plattformen wie Facebook, Instagram oder TikTok bedienen den aktuellen Drang nach Selbstdarstellung – mit allen negativen Folgen für die Psyche.

Der klinische Psychologe Oliver Scheibenbogen vom Anton Proksch Institut hat eine Umfrage unter steirischen Schülern zitiert. Wer unter der Woche vor dem Einschlafen keine digitalen Geräte nutzt, hat zu knapp 20 Prozent Einschlafprobleme. Wer hingegen fünf Tage pro Woche das Handy vor dem Schlafengehen nutzt, bei dem steigt der Anteil auf 41 Prozent.

"Idealbilder" schaden Selbstwertgefühl

Mobbing über Social Media kann Jugendliche schwer belasten. Die dort gezeigten "Idealbilder" schaden dem Selbstwertgefühl. Der Wunsch nach Zuneigung und Anerkennung kann gefährdete Jugendliche in Krisen stürzen.

"14 Tage Instagram-Verzicht bzw. Social-Media-Verzicht ließen bei Jugendlichen die Zufriedenheit mit dem eigenen Körperbild deutlich ansteigen. Der Effekt hielt auch noch 14 Tage danach an", sagte der Psychologe.

Verzicht reduzierte Bildschirmzeit

In einer Schule in Gänserndorf (NÖ) hat er gemeinsam mit Lehrern und Schülern drei Wochen lang Handy-Fasten ausprobiert. Das Programm soll jetzt auf ganz Österreich und auch mit Teilnehmern aus Italien und Deutschland ausgeweitet werden.

Scheibenbogen zu den Ergebnissen: "Wir haben festgestellt, dass sich das psychische Wohlbefinden um 30 Prozent gesteigert hat. Es kam zu einer 30-prozentigen Reduktion depressiver Symptome. Drei Wochen Handy-Verzicht brachten mehr als zwei Wochen Ferien. Durch den Verzicht hat sich die Bildschirmzeit bei 25 Prozent der Teilnehmer nachhaltig reduziert." Sogar in einer Kontrollgruppe ohne Handy-Fasten hat das Projekt abgefärbt.

"Handyfasten" als positive Erfahrung

Für die beteiligten Schüler war das "Handyfasten" oft eine völlig neue, positive Erfahrung mit echten Beziehungen und einem anderen Blick auf die Welt. Aber auch die Erwachsenen mussten sich selbst an der Nase nehmen. Plötzlich waren die Jugendlichen nicht mehr ständig erreichbar oder kontrollierbar. Lehrer konnten Hausaufgaben nicht einfach rund um die Uhr per Messenger schicken.

Die Experten sind sich einig: Erwachsene müssen Vorbild sein und das Handy auch einmal weglegen. Am besten wirkt man gemeinsam problematischem Handy-Konsum entgegen – also Erwachsene und Kinder oder Jugendliche zusammen. Das heißt, das Handy bewusst weniger nutzen, Verlorenes aus der digitalen Welt zurückholen, echte Beziehungen pflegen und auf Anerkennung, Spiel und Kommunikation im echten Leben setzen – statt auf vorgespielte Nähe durch Online-Dienste, so Scheibenbogen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 22.02.2026, 18:58
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