9.500 Euro sind weg! Mit einem Schlag war das gesamte Ersparte einer Wiener Familie verschwunden. Betroffen sind die beiden Eltern (44, 40) von zwei Kindern. Der Vater sagt: Er habe keine Überweisung getätigt, keine Zugangsdaten weitergegeben und keinen verdächtigen Link angeklickt.
Gemeinsam mit seiner Frau wandte er sich nun an "Heute". Einerseits, um auf eine möglicherweise neue Form des Online-Betrugs aufmerksam zu machen. Andererseits hofft die Familie, dass durch öffentliche Aufmerksamkeit vielleicht doch noch Bewegung in die Sache kommt. "Wir wollen einfach verstehen, wie das passieren konnte – und ob man uns wirklich die Schuld geben kann", sagt der 44-Jährige.
Der Tag begann zunächst unspektakulär. Doch bereits am Vormittag bemerkte der Familienvater, dass sein Smartphone ungewöhnlich langsam reagierte. Anwendungen öffneten sich verzögert, das Gerät wirkte instabil. Zunächst maß er dem keine große Bedeutung bei. Technische Probleme kommen vor, dachte er.
Kurz darauf trafen jedoch mehrere TAN-Nachrichten ein – obwohl er nach eigenen Angaben keine einzige Transaktion durchgeführt hatte. Für ihn war das der erste Moment, in dem er misstrauisch wurde. "Ich habe nichts überwiesen, nichts bestätigt, nichts freigegeben", betont er.
Um 12.53 Uhr klingelte schließlich sein Telefon. Am anderen Ende war seine Bank, die Easybank. Man fragte ihn, ob er einen Kredit über 8.000 Euro aufgenommen und zusätzlich 9.500 Euro an eine fremde Person überwiesen habe. Für den 44-Jährigen war das der Moment, in dem ihm klar wurde, dass etwas massiv schiefgelaufen sein musste.
Er verneinte sofort. Doch zu diesem Zeitpunkt war das Konto bereits leergeräumt. Der aufgenommene Kredit konnte später rückabgewickelt werden. Die 9.500 Euro jedoch blieben verschwunden. Für die Familie bedeutete das den Verlust ihres gesamten finanziellen Polsters.
Die Eltern leben mit zwei Kindern im Alter von 13 und 3 Jahren. Die Mutter arbeitet aufgrund der Betreuungssituation nur Teilzeit. Nach eigenen Angaben musste die Familie regelmäßig auf Erspartes zurückgreifen, um laufende Ausgaben zu decken. Die 9.500 Euro waren deshalb kein Luxus, sondern eine Absicherung für unvorhergesehene Ereignisse.
Noch am selben Tag erstattete die Familie Anzeige bei der Polizei und übermittelte die Bestätigung an die Bank. In weiterer Folge erhielt sie über einen Anwalt Akteneinsicht. Dabei erfuhr sie, dass ein Beschuldigter ausgeforscht worden war. Laut Ermittlungsunterlagen soll dieser das Geld behoben haben.
Seine Erklärung: Er habe den Betrag "für einen Freund" abgehoben. Demnach lief das Geld zunächst über ein weiteres Konto bei derselben Bank. Anschließend wurde es in mehreren kleineren Summen über Western Union weitergeleitet, unter anderem mit Bezug nach Mazedonien. Das Ermittlungsverfahren wurde schließlich eingestellt.
Schriftlich teilte die Bank dem geschädigten Vater mit, er habe Zugangsdaten oder einen mobilen TAN-Code weitergegeben. Diese Darstellung weist er entschieden zurück. Nicht einmal seiner Frau sind PIN oder Zugangsdaten bekannt gewesen. Auch sonst habe er seine Sicherheitsdaten niemandem übermittelt.
Konkrete technische Details, auf welcher Grundlage dieser Vorwurf beruht, seien nicht genannt worden. Aus Sicherheitsgründen könne man dazu keine näheren Angaben machen, habe die Bank mitgeteilt. Für die Familie bleibt zudem die Frage offen, warum das Konto des Betrügers nicht sofort gesperrt wurde, obwohl es sich um ein weiteres Konto derselben Bank handelte.
"Heute" konfrontierte die BAWAG als Mutterkonzern der Easybank mit den zentralen Punkten des Falls. Zunächst heißt es: "Wir bedauern, dass der Kunde einen finanziellen Schaden erlitten hat. Wir ersuchen jedoch um Verständnis, dass unser Institut hierfür nicht aufkommen kann."
Die Erklärung des Instituts: "Nach den uns vorliegenden Informationen wurden die Transaktionen mit den personalisierten Zugangsdaten ordnungsgemäß autorisiert. Dies weist darauf hin, dass Zugangsdaten an Dritte weitergegeben wurden."
Inzwischen hat die Familie die Bank gewechselt. Die 9.500 Euro fehlen weiterhin. Zurück bleibt nicht nur der finanzielle Schaden, sondern auch die Unsicherheit darüber, wie es zu dem Vorfall kommen konnte.
Mit ihrer Geschichte wollen die Eltern vor einer möglichen neuen Masche warnen – bei der womöglich direkt das Smartphone ins Visier gerät. Und sie hoffen, dass ihr Fall vielleicht doch noch einmal überprüft wird. "Wir wollen nicht aufgeben. Aber wir wollen auch, dass andere vorsichtig sind."