McLaren hatte in Katar scheinbar alles unter Kontrolle – bis in Runde 7 ein Crash zwischen Gasly und Hülkenberg das Safety-Car ausrücken ließ. Was dann folgte, war eine fatale Fehlentscheidung, die den Grand Prix kippte und den Kampf um die Weltmeisterschaft neu entfachte.
Sieger Max Verstappen liegt vor dem WM-Finale in Abu Dhabi am Sonntag nur noch zwölf Zähler hinter Leader Lando Norris. Oscar Piastri ist 16 Punkte zurück. Erstmals seit 15 Jahren können im letzten Saisonrennen drei Piloten Weltmeister werden.
Der Grund: Während das gesamte Feld in die Box abbog, blieben die McLaren-Piloten Norris und Oscar Piastri auf der Strecke. Der Plan: nicht in den Verkehr zurückfallen, den strategischen Vorteil halten. Doch genau das wurde dem Team zum Verhängnis.
McLaren-CEO Zak Brown nahm nach dem Rennen kein Blatt vor den Mund: "Es war extrem auf der Kippe in Runde 7. Wir haben es falsch bewertet. Es hat uns gebissen. Es gab keine Fehlkommunikation, sondern ein Problem bei der Bewertung der Situation. Das war eine Entscheidung, die wir so getroffen haben, und sie war falsch. Es war ziemlich schmerzhaft, das alles von außen mitanzusehen."
Auch Teamchef Andrea Stella erklärte, wie es zu der Entscheidung kam – und warum sie so daneben ging: "Wir haben nicht erwartet, dass alle anderen an die Box fahren. Wenn alle hinter dir stoppen, dann ist es im Nachhinein natürlich die richtige Strategie. Nur weißt du als Führender nicht, was die anderen machen."
Vor allem Oscar Piastri hätte gewinnen können – hätte man ihn wie alle anderen reingeholt. Stella sagte dazu: "Für Lando hätte ein Boxenstopp, bei dem er sich hinten anstellen musste, möglicherweise riskant sein können. Das wurde mit in Betracht gezogen, war aber nicht der Hauptgrund, warum nicht beide Autos reingeholt wurden. Der Hauptgrund war, nicht in den Verkehr zurückzufallen."
Die Theorie: Wenn nur ein Teil des Feldes stoppt, verlieren die McLaren-Fahrer ihre Pace-Vorteile. Doch das Gegenteil trat ein – alle fuhren rein, McLaren blieb als einziges Team draußen. Die Folge: Max Verstappen war plötzlich direkt hinter den Papaya-Autos statt wie geplant weit hinten.
Und damit nicht genug: McLaren musste durch die 25-Runden-Regel noch zwei weitere Male stoppen. Stella resümierte: "Der Grund war, dass wir nach dem Boxenstopp nicht im Verkehr landen wollten. Aber offensichtlich hatten alle anderen Autos und Teams eine andere Meinung hinsichtlich des Safety-Cars in Runde 7. Alle sind an die Box gekommen, und dadurch war es letztlich falsch, draußen zu bleiben."
Nun folgt eine interne Aufarbeitung. Stella: "Es geht immer um Vor- und Nachbereitung. Die vergangenen Rennen haben uns wichtige Informationen gegeben. Jetzt liegt es daran, diese zu verarbeiten, zu prüfen und Anpassungen vorzunehmen. Die Konkurrenz ist stark, die Gegner machen einen guten Job – und wenn wir nicht perfekt sind, verpassen wir Chancen. Genau das hat uns heute gebissen. Und das hat uns auch schon in Vegas gebissen."
Die Fahrer selbst trifft keine Schuld. Piastri: "Ich habe dem Team die Entscheidung überlassen, was die beste Entscheidung ist. Sie haben viel mehr Informationen als ich. Wir haben es ganz eindeutig nicht richtig gemacht. Im Nachhinein ist es ziemlich eindeutig, was wir hätten machen sollen, aber das werden wir teamintern besprechen."
Norris: "Wir mussten einfach darauf vertrauen, dass das Team die richtige Entscheidung getroffen hat. Ich hatte bereits das Gefühl, dass wir in gewisser Weise ein Risiko eingegangen sind. Am Ende war es die falsche Entscheidung, wir hätten es nicht tun sollen. Oscar hat einen Sieg verloren und ich Platz zwei, das war heute also keine gute Arbeit."
Stella abschließend: "Ich habe noch nicht persönlich mit den Fahrern gesprochen, Oscar war ja noch auf dem Podium. Ich werde beide in den Arm nehmen und mich entschuldigen. Vor allem möchte ich Oscar eine große, ehrliche Entschuldigung aussprechen. Wir haben seinen Sieg weggeworfen. Das ist die Realität – anders kann man es nicht sehen. Und wir haben auch Landos Podium weggeworfen. Das ist sehr frustrierend, nur können wir jetzt nichts mehr ändern, außer daraus zu lernen."