700 Firmen für 110 Gebäude

"Heast, Bua": Nun kommt alles über Benko-Millionen raus

Sanierer Erhard Grossnigg spricht in Interviews über Benkos Fehler und über die missglückte Signa-Rettung: "Ein Kranker, der nicht mehr gesund wird."

Lukas Leitner
"Heast, Bua": Nun kommt alles über Benko-Millionen raus
Signa-Sanierungsvorstand Erhard Grossnigg wird am 10. April seine Rolle ablegen. Die Sanierung der Signa ist ihm nicht gelungen, muss er nun eingestehen. 
HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com

In Interviews mit der Zeitschrift "profil" und dem "Standard" spricht Signa-Sanierer Erhard Grossnigg am Mittwoch über seine Arbeit für die Signa Prime und Development, Benkos Fehler und die Unternehmensstruktur.

Benko sei ein tüchtiger Unternehmer gewesen, jemand, der Menschen begeisterte und sie dazu gebracht habe, ihm Geld zu geben. Er sei viel charismatischer als Grossnigg selbst, wie der Sanierungsvorstand augenzwinkernd anmerkt. Von dieser charismatischen Seite ist jetzt aber kaum mehr etwas über. Denn gesehen will Benko in der Öffentlichkeit nicht mehr werden – "Heute" berichtete. Bei einem Reitturnier seiner Tochter war er mit einer Glatze unterwegs, um nicht erkannt zu werden.

Ein Kranker, der nicht gesund wird

Grossnigg jedenfalls plaudert nun aus, dass er – als er die herausfordernde Aufgabe angenommen hat, die Aktionäre um Geld gebeten hatte. Hintergrund, so der Wirtschaftsexperte: Bei einem Insolvenzverfahren tue der Inhaber im Normalfall eigentlich alles, um das Unternehmen zu retten. "Ich habe schon erwartet, dass unsere Aktionäre dann auch das Unternehmen unterstützen. Aber das taten sie nicht", sagte er gegenüber "profil". "Die Sanierung eines Unternehmens bedeutet, dass man einen Kranken wieder gesund macht. Und dieser Kranke wird nicht mehr gesund", betont er weiters.

700 Firmen

Auf die Frage, ob Benko nun wirklich Pleite ist, gibt es keine konkrete Antwort. Grossnigg teilt in den beiden Interviews lediglich mit, dass Benko sich selbst jahrelang eine Dividende von 30 bis 50 Millionen Euro ausgezahlt hatte, bis es halt nicht mehr so gut lief. Im Untersuchungsausschuss war kürzlich zudem Benkos Einkommenssteuererklärung für 2019 aufgetaucht – demnach habe der Immo-Jongleur in diesem Jahr von seiner Signa Holding 25,9 Millionen Euro Jahresgage kassiert.

Verwirrt war Sanierungsvorstand Grossnigg vor allem über die Unternehmensstruktur. "Die Firma, die nur 110 Gebäude besitzt, hat 17 Standorte und 700 Firmen", sagt er zu "profil"

"Heast, Bua!"

Grossnigg erwähnt im Interview gegenüber dem "Standard", dass ein Machtwort schon vor Jahren angebracht gewesen wäre. Ein "Heast, Bua!" hätte vielleicht schon gereicht, damit Benko seinen Protz-Lebensstil nicht derart zur Schau stellt – doch dazu kam es nie. Als Beispiel führt Grossnigg das Benko-Büro ins Treffen: "Alles handgefertigt oder Spezialanfertigung, vier Millionen Anschaffungswert für ein paar hundert Quadratmeter." 

Was dem Signa-Mastermind wirklich hätte helfen können, wäre ein früheres Scheitern, um dem Immobilienguru ins Bewusstsein zu rufen, dass er auch verlieren kann. "Bei einem bin ich mir sicher: Benko hätte nie geglaubt, dass er pleitegeht", heißt es gegenüber dem "Standard".

Kleine Verlierer gibt es nicht

Grossnigg wird auch vorgeworfen, dass die Insolvenz die kleinen "Verlierer", also Mitarbeiter, Anwälte und Lieferanten, welche nicht investiert haben, nicht betreffe. Im Interview betont er, dass Benko immer sehr großzügig mit seinem Geld umgegangen sei. Ob ein Lieferant jetzt seinen letzten Lohn erhalten habe oder nicht, stört ihn nicht. Bei der Dateneinsicht habe er selbst gesehen, welche großzügigen Löhne diese bis zum Konkurs ausbezahlt bekommen haben. Am 10. April wird Grossnigg seine Rolle als Sanierungsvorstand ablegen

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Auf den Punkt gebracht

  • Signa Sanierungsvorstand Erhard Grossnigg spricht in Interviews über René Benkos Fehler und die missglückte Sanierung von 700 Firmen in 110 Gebäuden
  • Benko soll Jahrelang ein Honorargehalt von 30 bis 50 Millionen Euro eingenommen haben, bis es nicht mehr so gut lief und das Unternehmen in Insolvenz geriet
  • Grossnigg betont, dass die Insolvenz jedoch nicht die kleinen Verlierer betrifft, da Benko immer großzügig mit seinem Geld umgegangen sei
  • Am 10
  • April wird Grossnigg seine Rolle als Sanierungsvorstand ablegen
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