Lindsey Vonn dominiert nach sechs Jahren Pause und dem Sensations-Comeback wieder im Weltcup. Österreichs Ski-Legende Hermann Maier zeigt sich von ihren Leistungen fasziniert und zieht einen Vergleich über verschiedene Sportarten: Fußball-Gigant Cristiano Ronaldo.
Im "Blick"-Podcast "Apres Ski" schwärmt der "Herminator" an der Seite der Schweizer Ikone Bernhard Russi.
Maier über Vonn: "Sie hat gezeigt, was möglich ist. Es ist nicht zu Ende, wenn man Arthrose hat. Sie hat ein künstliches Knie. Sie hat die körperlichen Voraussetzungen immer schon mitgebracht und jetzt hat sie sich noch einmal weiterentwickelt."
Ein Schlüssel für Vonns Serien-Erfolge im aktuellen Ski-Winter? Der Doppel-Olympiasieger ist sicher: "Einen großen Anteil hat Aksel Lund Svindal, der dann schon noch einmal sehr viel Erfahrung mitbringt, was Material und die Linienführung anbelangt. Dieses Duo ergänzt sich hervorragend. Jetzt kommt der psychologische Vorteil, wenn es schon einmal funktioniert, wie letztes Jahr, dass über den Sommer noch ein Schübchen mehr draufkommt." Der frühere norwegische Spitzenfahrer Svindal verstärkte vor der Saison das Trainerteam der US-Amerikanerin.
Maier holt bei der Suche nach den Gründen für das überraschende Comeback und die nahtlosen Erfolge weiter aus: "Egal, ob man 28 oder 41 Jahre ist. Das ist kein Thema mehr. Das Hochleistungsalter geht mittlerweile weit hinaus. Wenn man einen Cristiano Ronaldo anschaut, der ist ja immer noch in einer Top-Verfassung. Wenn ich auf meinen Körper schaue, sind Möglichkeiten für Leistungssportler hoch hinaus möglich."
Der Flachauer über den ehemaligen Weltfußballer, nunmehrigen Saudi-Legionär: "Cristiano Ronaldo spielt auch in keiner europäischen Liga mehr. Das ist ein riesengroßer Unterschied. Aber ich finde sowas aber einfach bewundernswert und er hat eine Vorbildwirkung. Dass man einfach seine Motivation behält, das ist etwas Entscheidendes. Dass ich meine Leidenschaft so lange ausüben will. Das in einer Mannschaftssportart noch dazu. Das ist schon bemerkenswert und bewundernswert."
Im Schweizer Podcast wird Maier auch auf den aktuellen Weltcup-Dominator der Ski-Nachbarn angesprochen: Marco Odermatt. Maiers ehemaliger Weggefährte, Slalom-Seriensieger Alberto Tomba, habe Odermatts Erfolge jüngst mit den Verletzungen der härtesten Rivalen relativiert. Maier lässt das aber nicht gelten: "Ich sehe es eigentlich nicht so. Weil im Endeffekt muss man sich immer erst durchsetzen, egal wer da ist. Weil: Er hat sich auch noch oben gearbeitet. Da hat es genauso andere gegeben."
Der 53-Jährige erklärt Odermatts größte Stärke: "Für mich die große Bewunderung da, was er dem alles unterordnet. Er hat wirklich so diesen Willen, dass er den Sport, glaube ich, ganz oben hinstellt. Und das ist das Besondere: Weiterzuarbeiten. Die Vergangenheit herzunehmen – was hat gut funktioniert? Was hat schlecht funktioniert? Diese Dinge – das ist absolute Professionalität auf höchstem Niveau. Da spielt es keine Rolle, ob da wer verletzt ist oder nicht. Jeder probiert, da ganz vorne zu sein und er setzt sich ab und das in drei Disziplinen. Wenn es ab und zu nicht für ganz oben reicht, merkt man ganz genau, was im Oberstübchen los ist: 'Was kann ich eigentlich machen, dass es beim nächsten Mal anders ist.' Da sticht er im Moment wahnsinnig hervor. Mit dieser Akribie, mit der er da arbeitet, das ist toll."
Russi, der den Ausführungen des "Herminators" lauscht, nickt: "Ich habe zugehört. Das ist nicht nur fantastisch – es ist auch verständlich. Abgesehen vom Akzent, wo ich schon ab und zu überlegen muss: Was wollte er jetzt wirklich sagen? Ich habe ihn aber schon verstanden am Schluss. Spaß beiseite: hundert Prozent. Das ist auf den Punkt gebracht. Ich glaube, alle müssen sagen: Da kommt ein Riesentalent daher. Ein Sporttalent. Marco Odermatt könnte ein genauso guter Eishockeyspieler sein. Der Fischer (Schweizer Teamchef, Anm.) hätte ihn gerne in seiner Mannschaft. Er ist multisportiv. Er kann den Salto aus dem Stand. Er weiß immer in jeder Bewegung, wo sein Schwerpunkt ist. Es ist kein Zufall."