Herr Horx, müssen wir uns vor der Zukunft fürchten?

Tristan Horx betreibt Zukunftsforschung.
Tristan Horx betreibt Zukunftsforschung.Bild: privat

Tristan Horx (24) ist Trendforscher am Zukunftsinstitut in Frankfurt am Main. Was macht ein Zukunftsforscher eigentlich? Und müssen wir uns fürchten?

"Heute": Zukunftsforschung, ein interessanter Begriff, doch wie kann man sich die Arbeit als Zukunftsforscher vorstellen?

Tristan Horx: "Der Beruf ist auch unter dem Begriff Trendforscher bekannt, da ist er vielleicht etwas greifbarer. Viele Institutionen beispielsweise Unternehmen sind bereits mit der "Gegenwartsforschung" oft überfordert – und genau hier kommen wir ins Spiel und leisten Abhilfe. Wir erstellen viele Statistiken und ein differenziertes Bild des Hier und Jetzt, Hand in Hand mit den jeweils spezifischen Expertinnen und Experten. Das hilft uns, diverse Szenarios mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten über die mögliche Zukunft zu ermitteln. Wichtig ist vor allem, dass wir ein gesamtheitliches, makroperspektivisches Bild schaffen, ausschließlich Megatrends betrachten wollen und uns nicht von irgendwelchen kurzfristigen Hypes verblenden lassen."

In welchen Lebensbereichen werden sich neue Technologien besonders bemerkbar machen?

"Wirklich spannend sind Technologien, die jedem von uns im Alltag weiterhelfen. Viele der technischen Entwicklungen heutzutage sind für uns so abstrakt, weil sie nur von ExpertInnen oder Technik-Nerds verwendet werden können. Das bedeutet, dass sich nur Technologien wirklich bemerkbar machen und lange erfolgreich sind, die alle Menschen unterstützen und das tägliche Leben effizienter machen. So war es beispielsweise bereits bei sozialen Medien, so ist es bei Features am Smartphone und so wird es bei selbstfahrenden, vernetzten Autos sein."

Wie sieht Ihr persönlicher Blick in die Zukunft aus? Sind Sie optimistisch?

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"Ich würde mich als einen kritischen Zukunftsoptimisten bezeichnen. Da ich mich täglich mit vielen Zahlen und Fakten zur Welt beschäftige, habe ich einen realistischen, aber auch relativ positiven Ausblick. Das liegt vor allem daran, dass nominell gesehen alles besser wird. Allerdings nehmen das viele aufgrund der Aufmerksamkeitsökonomie nicht wirklich wahr. Geht man einen Schritt zurück und schaut genauer auf die großen Megatrends unserer Zeit, sind wir auf dem richtigen Kurs. Dieser Kurs muss aber immer wieder nachkorrigiert werden – die Zukunft ist eben nicht linear."

Technologien erleichtern das Leben in vielen Bereichen. Doch viele Menschen lehnen neue Trends auch komplett ab. Wird sich die Gesellschaft weiter spalten in Nutzer und Ablehnende? Oder fehlt es hier nur an Vertrauensaufbau?

"Ich glaube ein gewisser gesellschaftlicher Konflikt bei neuen Technologien ist gesund. Bei vielen Dingen, wie zum Beispiel sozialen Netzwerken, wären wir vielleicht manchmal auch etwas besser dran, wenn wir von vorne herein mehr auf die kritischen Stimmen gehört hätten. Manchmal kann man durch anfängliches Misstrauen, erste Ablehnung oder langsam gebildetes Vertrauen dafür einen besseren Zugang zu innovativen Entwicklungen finden."

Gerade am Hardware-Sektor beginnen Smartphones und Co. verstärkt auf Künstliche Intelligenz (KI) zu setzen. Stehen wir da am Beginn einer Handy-Revolution oder schätzen Sie die Entwicklungen anders ein?

"Revolution ist teilweise ein zu großer Begriff – aber wir befinden uns definitiv am Beginn einer Reise, wo KI-Elemente mehr und mehr in unseren Alltagstechnologien Eingang finden. Das beginnt am häufig verwendeten Smartphone, geht aber über Kühlschränke bis hin zu ganzen Häusern. Aufgrund der Menge an Zeit, die wir mit Smartphones verbringen, liegt hier natürlich ein starker Interessensfokus. Das Technologieunternehmen Huawei als Beispiel genommen, ist mit den hauseigenen KI-Prozessoren in der neuen Mate20-Serie ein Vorreiter auf Gebiet der künstlichen Intelligenz in der Smartphone-Industrie."

Bisher ist KI auf Smartphones und Co. ein Hilfsmittel, um Bilder zu verbessern oder Anwendungen zu vereinfachen. Werden wir da noch eine ganz andere Form von KI erleben, in der uns die Technologie Aufgaben im Alltag komplett abnimmt, statt sie nur zu vereinfachen?

"Die Fantasien einer Alles übernehmenden KI sind zumindest in absehbarer Zukunft nicht erfüllbar. Es gibt im Leben viele Momente, in denen wir gerne von einer KI übernehmen lassen würden. Viele dieser lästigen oder leidigen Aufgaben werden sicherlich früher oder später auch tatsächlich durch KI vereinfacht – erleichtern kann die KI einen aber nur Schritt für Schritt in kleinen Teilbereichen. Beim aktuellen Stand der Technologie ist sie eine starke Mustererkennungs-Maschine, die aus jedem Muster lernen kann. Somit kann sie uns helfen, Muster zu finden, die wir mit unserer menschlichen Kognition gar nicht erfassen könnten und eben dort ansetzen, uns das Leben etwas zu vereinfachen. Allerdings dürfen wir hier wieder nicht den Fehler machen, künstliche Intelligenz mit Bewusstsein zu verwechseln."

In der Gesellschaft ist auch die Ablöse menschlicher Arbeiter durch Technologie ein umstrittenes Thema. Müssen wir uns fürchten?

"Ganz grundlegend führt soziokulturelle Evolution der Menschheit immer zum Schwund diverser Arbeitsbereiche. Deswegen arbeiten nicht mehr 50 Prozent der Menschen im Agrarbereich und mittlerweile auch nicht mehr der Großteil in Fabriken – wie es einmal der Fall war. Jobschwund als solches ist eine ganz normale und übliche Entwicklung am Weg zu einer komplexeren Zukunft. Allerdings brauchen wir Lösungen für diese anstehenden demographischen oder beruflichen Änderungen. Hier helfen Gedankenexperimente wie beispielsweise das bedingungslose Grundeinkommen. Man muss überlegen: Was ist Arbeit eigentlich? Kann gesellschaftlicher Beitrag immer nur monetär zu entlohnen sein oder kann erfüllende Arbeit auch ohne diese kapitalistischen Gesetze definiert werden und funktionieren?" (rfi)

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