Ein Herzinfarkt kommt oft aus dem Nichts – und verändert in Sekunden alles. Was eben noch Alltag war, wird plötzlich zum Ausnahmezustand: Schmerzen, Angst, ein Gefühl von Kontrollverlust. Für viele Betroffene ist dieser Moment ein tiefer Einschnitt ins Leben – körperlich wie psychisch. Doch so einschneidend der Schock auch ist, er markiert oft auch einen Wendepunkt. Nach der Akutphase beginnt ein neuer Abschnitt, in dem es darum geht, den eigenen Körper besser zu verstehen, Risiken zu reduzieren und Schritt für Schritt zurück ins Leben zu finden.
Wichtig dabei ist die sogenannte Sekundär-Prävention. Dort gäbe es noch viel aufzuholen, erklärt der Mediziner Alexander Niessner in einer Aussendung des Wiener Gesundheitsverbundes (WIGEV). Er leitet die 2. Medizinische Abteilung an der Klinik Landstraße in Wien, wo es auch eine eigene Ambulanz für Patientinnen und Patienten mit besonders hohem Risiko gibt.
Niessner ermutigt alle Betroffenen, eine Reha zu machen: "Denn bei einer Reha bekommen Menschen die Zeit, sich auf die Behandlung einzulassen, Fragen zu klären und positive Veränderungen in ihr Leben zu integrieren." Trotzdem nehmen derzeit weniger als 20 Prozent der Menschen, die einen Herzinfarkt hatten, so ein Angebot wahr.
Die Therapie wird auf jede und jeden individuell abgestimmt. Dazu gehören Medikamente, aber auch ein gesunder Lebensstil: regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung und auf das Rauchen verzichten. Es wird betont, dass das Risiko und die Lebensumstände sehr unterschiedlich sind und berücksichtigt werden müssen. "Sekundär-Prävention braucht Zeit und individuelle Anpassung", sagt Niessner. "Genau hier setzen wir in unserer Höchstrisiko-Ambulanz an."
Eine aktuelle Studie zeigt, dass bei bekannter Herz-Kreislauf-Erkrankung eine Senkung des LDL-Cholesterins von durchschnittlich 66 auf 56 mg/dl das Risiko für weitere Herzprobleme um ein Drittel senkt. "Die überwiegende Anzahl der Patientinnen und Patienten braucht eine medikamentöse Therapie zum Erreichen solcher Zielwerte, dennoch ist es wichtig, parallel auch auf eine fettarme Ernährung zu achten", so der Mediziner.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in der Europäischen Union nach wie vor Todesursache Nummer eins. Dabei hat die moderne Medizin die akute Sterblichkeit in den letzten 50 Jahren um 90 Prozent gesenkt. Im Wiener Gesundheitsverbund (WIGEV) werden jedes Jahr rund 1.700 Herzinfarkte behandelt.
"Fünf Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes, darunter auch die Klinik Landstraße und das AKH Wien, sorgen gemeinsam mit dem Hanusch-Krankenhaus dafür, dass an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr eine optimale Herzinfarkt-Versorgung inklusive interventioneller Eingriffe gewährleistet werden kann", betont Niessner.