Er wollte Dschihad betreiben

"Hexen": Das bizarre Geständnis des Dreifach-Killers

Der mutmaßliche Dreifach-Killer von Wien ist offenbar radikaler Islamist. Im Kripo-Verhör spricht er vom "Dschihad gegen Feinde"

Clemens Oistric
    Ebadullah A. soll 96 Mal zugestochen haben.
    Ebadullah A. soll 96 Mal zugestochen haben.
    Picturedesk, privat (Montage: "Heute")

    Ein Blumen- und Kerzenmeer erinnert vor dem "Studio 126A" in der Wiener Brigittenau an ein unvorstellbares Blutbad. Mit insgesamt drei Messern bewaffnet soll Ebadullah A. hier drei Frauen regelrecht hingerichtet haben.

    Killer läutete am Tatort an

    Der mutmaßliche Täter hat am Freitag vor einer Woche bei dem Etablissement in der Engerthstraße angeläutet; eine ältere Frau habe ihm dann die Türe geöffnet und ein Zimmer zugewiesen, sagte der 27-jährige afghanische Asylwerber nun bei der Polizei aus. Nur Minuten später kam es zum Amoklauf.

    Opfer mit 96 Stichen hingerichtet

    Mit einem Küchenmesser mit 19 Zentimeter langer Klinge – dieses hatte er in einem Supermarkt gekauft – soll der Verdächtige dann 96 Mal auf "diese Prostituierte und Hexen" eingestochen haben, wie er im Kripo-Verhör gestand. "Bevor ich das Messer genommen habe, verrichte ich noch das Gebet in der Moschee."

    "Unter dem Deckmantel des Satans"

    Der Verdächtige war offenbar streng gläubig. Laut eigener Aussage handelte er aus einem radikal-islamischen Motiv: "Mir wurde vom Koran erklärt, dass Menschen, die Prostitution betreiben, unter dem Deckmantel des Satans stehen."

    Hatte Ebadullah A. schon Rückflugticket?

    Bei den drei getöteten Frauen dürfte es sich um Zufallsopfer handeln – sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort. Ebadullah A. war wenige Tage zuvor nämlich bei einem Freund untergekommen, dessen Wohnung sich rund eineinhalb Kilometer vom Schauplatz der Bluttat entfernt befindet.

    Ebadullah A. hatte 2022 – wie berichtet – einen Asylantrag in Kärnten gestellt. Bis Ende Jänner lebte er in einer Unterkunft in Frantschach im Bezirk Wolfsberg, kam danach nach Wien, weil er von hier aus in seine Heimat Afghanistan zurückkehren wollte. Ein Flugticket für 1.3. hatte er schon gekauft, sagt er den Ermittlern, es aber in einem Mistkübel entsorgt: "Ich kann vor meinem Gott nicht flüchten."

    "Gott hat mir den Befehl erteilt"

    Und tatsächlich – am Freitag, 23. Februar 2024, setzte er seinen wirren Plan in den Abendstunden die Tat um. "Eine innere Stimme befahl mir loszugehen und Rache zu nehmen." Frauen, die in einer freien Gesellschaft Liebesdienste anbieten, sieht er als "des Satans". Der Kriminalpolizei erklärte Ebadullah A.: "Gott hat mir den Befehl erteilt, dass ich gegen den Feind den Dschihad betreiben muss."

    Die von Allah an ihn gestellte Aufgabe? "Herauszufinden, wer Feind ist." Sein bizarrer Zugang: Der Afghane sieht die Welt "als Spielzeug" und er glaubt, eine Mission zu haben: "Gott wollte mich prüfen, ob ich für ihn Dschihad mache; ob ich wahrhaftiger Moslem bin."

    Video: Hier wird Ebadullah A. festgenommen

    "Gott hat mich bestraft"

    Wenige Stunden nach der Tat wurde der Verdächtige – für ihn gilt die Unschuldsvermutung – unweit des Tatortes festgenommen. "Messer weg, du Or***", brüllten die Beamten und versetzten ihm mit einem Taser Stromschläge. Dass sich der mutmaßliche Dreifachkiller selbst in die Hand schnitt, quittierte er weinerlich: "Gott hat mich bestraft. Er straft mich mit meinem eigenen Messer."

    Philipp Springer verteidigt den Verdächtigen.
    Philipp Springer verteidigt den Verdächtigen.
    privat

    Im Gefängnis gibt er sich schweigsam

    Ebadullah A. sitzt nun in der Justizanstalt Wien-Josefstadt in Untersuchungshaft. Ein Psycho-Gutachten soll klären, ob er bei der Tat zurechnungsfähig war. Eine neuerliche Haftprüfungsverhandlung steht unmittelbar bevor. Seinen Anwalt wollte er bisher nicht sehen. Nach dem Aktenstudium sagt sein Verteidiger Philipp Springer zu "Heute": "Mein Klient ist eine zerbrochene Seele, ein bedauernswerter Kranker. Er ist überzeugt davon, dass das Messer durch Magie und Zauberei geführt wurde – er lebt in einer Fabelwelt."

    Bist du von häuslicher Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe
    Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555
    Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247
    Rat auf Draht: 147
    Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20
    Polizei-Notruf: 133

    "Frauen wird indirekt Schuld gegeben"

    Maja Markanović-Riedl vom Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser spricht im Interview mit dem neuen Onlineportal "Newsflix" über Ursachen von Femiziden, klassisches Männerverhalten und wo Gewalt beginnt. Frauen werde "indirekt die Schuld gegeben", sagt sie.

    Auf den Punkt gebracht

    • Der mutmaßliche Dreifach-Killer von Wien wollte offenbar "Dschihad betreiben" und tötete drei Frauen in einem Bordell
    • Der Verdächtige betrachtet Prostituierte als "des Satans"
    • Nach seiner Festnahme jammerte er, dass Gott ihn bestraft habe, indem er sich mit seinem eigenen Messer verletzt hat
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    Akt.
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