Ab Herbst greift ein neues Förderprogramm in Wiens Klassenzimmern: Der sogenannte Chancenbonus bringt zusätzliches Personal an Schulen mit besonderen Herausforderungen, berichtet der ORF. Insgesamt 228 Wiener Standorte profitieren davon – mehr als in jedem anderen Bundesland.
Die Maßnahme richtet sich gezielt an Schulen, an denen viele Kinder mit Migrationshintergrund lernen oder aus Familien mit wenig Einkommen und niedriger formaler Bildung kommen. Besonders stark vertreten sind dabei Bezirke wie Favoriten mit 35 Schulen, Floridsdorf mit 25 sowie Simmering und Donaustadt mit jeweils 20 Standorten. In manchen innerstädtischen Bezirken spielt das Programm hingegen kaum eine Rolle – im ersten Bezirk ist keine einzige Schule dabei.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) sieht im Chancenbonus vor allem eine Chance für die betroffenen Schulen – auch was deren Image betrifft: "Ich glaube, dass der Chancenbonus genau den gegenteiligen Effekt haben wird, weil diese Schulen jetzt die Möglichkeit haben, dass sie eine Chancenbonusschule sind."
Die Idee dahinter: Mehr Personal soll gezieltere Unterstützung ermöglichen. Auch Wiens Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) betont, dass zusätzliche Mittel "genau dort ankommen, wo sie am dringendsten benötigt werden".
Ein Beispiel ist die Mittelschule Schopenhauerstraße in Währing. Dort sprechen viele Kinder Deutsch nicht als Erstsprache. Durch den Chancenbonus soll eine sozialpädagogische Fachkraft dazukommen. "Diese oder dieser soll sowohl die schulischen als auch die persönlichen Defizite mit den einzelnen Schülern in Kleingruppen besprechen, aber auch gleichzeitig in der Elternarbeit aktiv sein", so Direktorin Erika Tiefenbacher.
Doch es gibt auch Zweifel, ob die Umsetzung reibungslos gelingt. Die Personalvertretung der Wiener Lehrerinnen und Lehrer begrüßt das Programm zwar grundsätzlich, verweist aber auf offene Fragen. Karin Medits-Steiner (FSG) sagt dazu: "Das Bemühen ist da, doch wie schnell all diese Personen tatsächlich in den Klassen oder an den Schulen eingesetzt werden können, wird sich erst zeigen".
Ein zentrales Ziel des Programms ist auch, Eltern besser einzubinden. Gerade hier sieht Direktorin Tiefenbacher großes Potenzial: "Viele Eltern stehen vor gewissen Hürden – sei es sprachlich, sei es aufgrund von Sorgen oder Ängsten. Manche fühlen sich blamiert, weil sie ihrem eigenen Kind nicht selbst helfen können". Mit dem Start des neuen Schuljahres im September soll der Chancenbonus österreichweit umgesetzt werden.