Hirntraining für clevere Zwergotter-Familie

Das Tierpfleger-Tagebuch aus Schönbrunn - nur hier bei "HeuteTierisch"
Das Tierpfleger-Tagebuch aus Schönbrunn - nur hier bei "HeuteTierisch"Tiergarten Schönbrunn
Zwergotter sind kluge Kerlchen! Tierpflegerin Melanie Hahn zeigt euch, wie Mama Blanche, Papa Clyde und ihre Jungtiere bei Laune gehalten werden.

(Tagebucheintrag von Melanie Hahn, Tierpflegerin im Tiergarten Schönbrunn)

Zwergotter brauchen generell viel Beschäftigung. Sie sind sehr intelligente Tiere und fordern eine gewisse Abwechslung regelrecht ein.

Flaschenkarussell für wiffe Zwergotter

Wir haben für unsere Zwergotter, die beiden Elterntiere Blanche und Clyde und ihre drei Jungtiere, ein Flaschenkarussell gebastelt. Das ist eine Art Intelligenzspielzeug. Sie haben bereits beim ersten Mal verstanden, wie es funktioniert. Deshalb haben wir dann noch zusätzlich einen Stein hinten drangemacht, damit es schwieriger wird. Am geschicktesten am Flaschenkarussell ist das Weibchen.

Blanche zeigt es ihren Jungen vor, die jetzt etwas über ein Jahr alt sind. Sie dreht die Flasche um und popelt aus dem ganz kleinen Loch die Würmer geschickt heraus. Das ist sehr anstrengend, weil es auch ihr Gehirn beansprucht. Es ist ein Mix aus Nachdenken und körperlicher Anstrengung. Und es macht ihnen großen Spaß.

Die Tiere bekommen jede Woche etwas Neues, damit keine Langeweile aufkommt.

..mal einen Ball gefüllt mit Insekten, mal etwas verstreut oder versteckt oder eben das Flaschenkarussell. Es muss auch nicht immer ein Spiel in Verbindung mit Futter sein. Man kann auch Gewürze verstreuen, damit sie etwas zum Schnuppern haben. Es geht einfach darum, die Beschäftigung immer neu zu gestalten.

Zusätzlich Target-Training - berühren, pfeifen, belohnen

Wir machen auch ein Training mit unseren Ottern, ein so genanntes Target-Training. Das Target ist eine kleine, runde Kugel auf einem Stock, die es gilt, zu berühren. Dafür werden die Tiere mit Futter belohnt. Das Training ist wichtig zur Beschäftigung, hat aber auch medizinische Aspekte. So kann man die Tiere bei Verletzungen abtasten, in ihr Maul schauen oder sie auf die Waage schicken. Man baut auch Vertrauen auf, um sie transportieren zu können. Dafür kann man ein Kistentraining machen.

Das Target-Training läuft folgendermaßen ab: Die Otter berühren dieses Target. Und dann wird gepfiffen. Und dann kommt die Futter-Belohnung. Die Jungtiere trainieren wir jetzt erst seit rund zwei Monaten. Sie sind noch ganz am Anfang. Sie berühren das Target, es wird gepfiffen und gefüttert. So fängt man das Training an. Und dann steigert man es, das heißt: Sie berühren es, du pfeifst, du fütterst. Und dann machst du die Abstände immer größer, also nicht bei jedem Mal Belohnen, sondern jedes zweite, dann jedes dritte Mal.

Wir trainieren die Tiere auch deshalb, weil es ihnen einfach so viel Spaß bereitet. Wenn sie es nicht wollen, lassen wir das Training ausfallen. Aber eigentlich sind sie immer voll motiviert dabei.

Betteln unerwünscht

Täglich um 13 Uhr gibt es eine Schau-Fütterung, bei der sie Rindfleisch bekommen. Über den Tag verteilt fressen sie ganz viele verschiedene Sachen: Muscheln, Fische, Insekten, Krebse, Küken, Mäuse – meist tierische Kost, aber auch Gemüse wie Paprika und Gurken sowie Weintrauben. Insekten sind aber für sie einfach das Leckerste. Jedes Mal, wenn ich die Anlage betrete bzw. wieder verlasse, läute ich eine Glocke. Das hat den Sinn, dass sie nur zu uns Pflegern kommen, wenn es Futter gibt. Wenn es keines gibt, sollen sie eher Abstand halten und nicht betteln.

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