In den kommenden Tagen steigen die Temperaturen wieder extrem an – am Freitag werden Höchstwerte um 39 Grad erwartet. Wer daheim keine Klimaanlage hat, setzt oft auf mobile Klimageräte. Doch genau diese Geräte können in Wohnungen mit Gasthermen oder Durchlauferhitzern zur tödlichen Gefahr werden.
Darauf machen die Wiener Rauchfangkehrer aufmerksam. "Mobile Klimageräte können den Luftaustausch in einer Wohnung so verändern, dass Abgase von Thermen oder Durchlauferhitzern nicht mehr ordnungsgemäß über den Rauchfang abgeführt werden. Dadurch kann sich das geruchlose und hochgiftige Kohlenmonoxid in der Wohnung anreichern", warnt etwa Michael Cesnek, Innungsmeister der Wiener Rauchfangkehrer.
Das Risiko steigt gerade während Hitzewellen. Mobile Klimageräte saugen warme Raumluft an, kühlen sie und leiten die Abluft über einen Schlauch nach draußen. Dadurch kann in der Wohnung ein Unterdruck entstehen. Gleichzeitig verschlechtern hohe Außentemperaturen den natürlichen Kaminzug.
"Gerade an heißen Sommertagen kann sich im Rauchfang ein sogenannter Luftstoppel bilden. Die Abgase entweichen dann nicht mehr richtig und gelangen im schlimmsten Fall zurück in die Wohnung. Das kann innerhalb kurzer Zeit lebensgefährlich werden", erklärt Cesnek.
Entgegen einer weit verbreiteten Annahme betrifft das Problem nicht nur ältere Geräte. "Auch moderne raumluftabhängige Thermen und Durchlauferhitzer sind auf eine funktionierende Luftzufuhr angewiesen. Ist diese nicht mehr gewährleistet, kann vermehrt Kohlenmonoxid entstehen und in den Raum gelangen. Bei starkem Unterdruck können zudem jene Sicherheitseinrichtungen beeinträchtigt werden oder ganz ausfallen, die den Austritt von Abgasen verhindern sollen", so Cesnek.
Wie ernst das Problem ist, zeigen die Zahlen der Wiener Rauchfangkehrer. Im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Hauptkehrung werden jedes Jahr Rauchfänge, Fluchtwege und der sichere Luftverbund in Wohnungen überprüft. "Allein im vergangenen Jahr wurden in Wien mehr als 6.000 Anlagen festgestellt, von denen ein erhebliches Sicherheitsrisiko ausging und die deshalb gesperrt werden mussten", berichtet Cesnek.
Wer eine Gastherme oder einen Durchlauferhitzer betreibt, sollte während einer Hitzewelle besonders vorsichtig sein. Die Wiener Rauchfangkehrer empfehlen, bei Betrieb des Gasgeräts an heißen Tagen das nächstgelegene Fenster oder die Balkontür zu öffnen und mobile Klimageräte nur nach Freigabe durch den Rauchfangkehrer zu verwenden.
Außerdem sollten Thermen und Durchlauferhitzer einmal jährlich von einem Fachbetrieb gewartet und die gesetzlich vorgeschriebenen Überprüfungen durch den Rauchfangkehrer durchgeführt werden. Ein Kohlenmonoxid-Melder kann zusätzlich vor dem unsichtbaren Gas warnen.
Kohlenmonoxid ist farb-, geruch- und geschmacklos. Bereits geringe Mengen können zu Vergiftungserscheinungen führen, höhere Konzentrationen sind lebensgefährlich. Eine Vergiftung kann sich durch Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Schwächegefühl oder Benommenheit bemerkbar machen. Auch Brechreiz, Brustschmerzen und Verwirrtheit können auftreten.
Wer solche Symptome bemerkt, sollte die Wohnung sofort verlassen und die Berufsrettung Wien unter dem Notruf 144 verständigen. Bei einem Gasgebrechen ist der Gas-Notruf der Wiener Netze unter 128 rund um die Uhr erreichbar.