Die Rekordhitze setzt jetzt auch der Wiener Gastronomie massiv zu. Immer mehr Lokale kämpfen mit leeren Tischen zur Mittagszeit, sinkenden Umsätzen und steigenden Energiekosten.
Jessica Chen betreibt in Wien gleich fünf Restaurants, darunter Momoya, Junn Bar & Kitchen und Mikata Izakaya. Die Gastronomin spürt die Auswirkungen der Hitzewelle derzeit jeden Tag. "An gewissen Tagen haben wir um die Hälfte weniger Umsatz", sagt sie im Gespräch mit "Heute".
Viele Menschen bleiben während der größten Hitze lieber im Büro oder zu Hause und verzichten auf den Restaurantbesuch. "Die Nachmittags und Mittagszeit ist definitiv schwerer geworden", erzählt Chen. Auch den Geräten setzt die Hitze zu: In allen fünf Restaurants gingen Kühlschränke kaputt. "Die meisten sind schon wieder repariert, aber ein Gerät mussten wir komplett austauschen", so Chen.
Ganz aufgeben will sie dennoch nicht. Zusperren ist für sie derzeit keine Option. Stattdessen versucht sie, mit Klimageräten im Innenraum und einer eigenen Summer-Special-Karte Gäste anzulocken. In der Küche setzt sie verstärkt auf kleinere und leichtere Speisen, weil die Menschen bei der Hitze deutlich weniger Hunger haben.
Mit ihrer Erfahrung ist Chen nicht allein. Franz Bernthaler, Geschäftsführer der Culinarius Gruppe, sieht die Hitze längst nicht mehr nur als Wetterproblem. "Sie ist zu einem wirtschaftlichen Risikofaktor für die Gastronomie geworden. Wenn das Mittagsgeschäft ausbleibt, die Gäste am Abend zwar früher kommen, zugleich aber kürzer bleiben und weniger konsumieren, erleben wir einen tiefgreifenden Strukturwandel", erklärt er.
Die Culinarius Gruppe geht davon aus, dass immer mehr Betriebe ihre Öffnungszeiten anpassen, das Mittagsangebot verkleinern oder stärker auf Liefer- und Abholangebote setzen werden. Für viele Lokale könnte das klassische Mittagsgeschäft schon in den nächsten Jahren deutlich an Bedeutung verlieren.