Was für ein Deal: Wie aktuelle Recherchen des "Kurier" zeigen, wurde rund um den idyllischen Khleslplatz in Wien-Meidling mit einer Umwidmung offenbar ein Millionen-Geschäft gemacht – und draufgezahlt hat ausgerechnet die öffentliche Hand.
Im Zentrum steht eine 3.045 Quadratmeter große Grünland-Brache "An den Eisteichen 5" – direkt neben der U6-Trasse. 2019 wurde das Grundstück um rund 200.000 Euro von Firmen aus dem Umfeld des Immobilienentwicklers Clemens Rauhs gekauft. Wenige Jahre später – nach Start des Widmungsverfahrens – zahlte die staatliche Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) für genau dieses Areal satte 4,463 Millionen Euro.
Die BIG braucht das Grundstück für Sportflächen der geplanten AHS "An den Eisteichen". Weil das benachbarte Stadtwäldchen nicht verbaut werden sollte, entschied man sich für die oberirdische Turnsaal-Variante – auf besagter Privatfläche. Laut BIG sei diese Lösung günstiger als eine unterirdische Bauweise.
Der Kaufvertrag enthielt eine aufschiebende Bedingung – nur wenn die Umwidmung bis Ende 2025 durchgeht, fließt das Geld. Nach einem Formalfehler musste der Gemeinderat nochmals abstimmen. Am 24. September 2025 war es dann soweit: Die Widmung wurde beschlossen – der Millionendeal war fix.
Zusätzlich profitierte das Firmengeflecht auch bei Liegenschaften am Khleslplatz 3 und 8. Dort wurde im Zuge der "sanften Nachverdichtung" in Wiens erster Schutzzone Gartenfläche zu Bauland. Experten sprechen von weiterem Millionenpotenzial. Die zuständige MA 21 weist illegale Absprachen zurück.
Die Wiener Volkspartei sieht ihre "lang gehegten Vermutungen" bestätigt. Wohnbausprecher Lorenz Mayer spricht von einem möglichen "Flächenwidmungsskandal". "Wenn sich der Wert von Liegenschaften binnen kurzer Zeit vervielfacht und dies im unmittelbaren Zusammenhang mit einer Umwidmung steht, dann ist das hochgradig verdächtig", meint er.
Besonders kritisch sieht die ÖVP, dass es offenbar keine lückenlose Dokumentation zu Kontakten und Abläufen gibt. Der Verdacht einer "Wunschwidmung" stehe im Raum.
Die Forderung: Sofortige Bausperre, vollständige Offenlegung aller Unterlagen und maximale Transparenz.
Noch schärfer formuliert es die FPÖ. Gemeinderat Lukas Brucker spricht von einem "üblen Geruch" und ortet einen dubiosen Deal unter der rot-pinken Stadtregierung. "Das Motto der Ludwig-SPÖ lautet offenbar: ,Sie wünschen, wir widmen‘", so Brucker.
Für die FPÖ ist klar: Der politische Druck zur raschen Beschlussfassung habe wohl mit der Frist im Kaufvertrag zu tun gehabt – schließlich wären sonst die 4,5 Millionen Euro nicht geflossen. Auch die fehlenden Aufzeichnungen der MA 21 verstärkten den Verdacht zusätzlich. Die FPÖ prüft nun eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft.
Die Grünen Wien fordern angesichts des Falls eine Umwidmungsabgabe. "Wien braucht ein Instrument, mit dem Umwidmungsgewinne für leistbaren Wohnbau und Infrastruktur abgeschöpft werden kann", sagen Heidi Sequenz und Kilian Stark, Planungssprecher:innen der Wiener Grünen. Einen entsprechenden Antrag haben die Wiener Grünen im Dezember 2025 im Gemeinderat eingebracht. Dieser wurde abgelehnt.