Über 200 vernichtete Parkplätze, keine Haltemöglichkeiten vor Geschäften und Arztpraxen sowie schmalere Gehsteige: Das Radprojekt auf der Krottenbachstraße um acht Millionen Euro in Wien-Döbling, das Ende 2024 fertiggestellt wurde, veränderte das Leben der dortigen Anrainer nachhaltig.
Der Bau des Rad-Highways stieß nicht bei allen auf Begeisterung. In einer ÖVP-Umfrage zeigte sich: 72 Prozent stimmten dagegen. Dennoch wurde das XXL-Projekt umgesetzt. Erste Ergebnisse lieferte eine Potenzialanalyse der Stadt Wien, diese prognostizierte 1.450 Pedalritter auf der Krottenbachstraße – und das täglich.
Im April 2025 wurde im Zuge einer Erhebung der Stadt Wien der Radverkehr gezählt: Gemessen wurde die Nutzung der Krottenbachstraße von 6 bis 9 Uhr sowie von 15 bis 19 Uhr. Dies erfolgte laut dem Bezirksvorsteher Daniel Resch (ÖVP) bei besten äußeren Witterungen. Das Ergebnis: 137 Radfahrer inklusive E-Scooter in sieben Stunden – das macht knapp 20 Radler pro Stunde.
Doch der "Geister-Radweg" hat auch immense Auswirkungen auf die Parkplatz-Situation im Grätzl. Neue Untersuchungen zur Parkraumauslastung bestätigen laut Resch die Kritik vieler Anrainer: Durch den Bau des Zweirichtungsradwegs ist der Parkplatzdruck deutlich gestiegen.
Bereits vor dem Umbau war die Parkplatzsituation in der Gegend angespannt. Eine städtische Studie aus dem Jahr 2021 zeigte laut Bezirk eine Abendauslastung von bis zu 94 Prozent in der Krottenbachstraße.
Trotz dieser Situation sind beim Bau des Radwegs rund 100 Stellplätze direkt entlang der Straße weggefallen. Insgesamt seien laut Bezirk über 200 Parkplätze im Bereich der Krottenbachstraße verloren gegangen.
Eine Stellplatz- und Auslastungs-Erhebung vom Jänner 2026 zeigt nun laut dem Bezirks-Chef die Folgen: Im Bereich der Saileräckergasse (sie verläuft parallel zur Krottenbachstraße) liegt die Auslastung am Abend mittlerweile bei 98 Prozent. Besonders problematisch sei, dass sich der Druck vor allem abends und nachts bemerkbar macht – also dann, wenn viele Bewohner nach Hause kommen.
"Es handelt sich nicht um Pendler oder Kurzparker, sondern um Menschen, die hier im Grätzl wohnen", so Resch. Durch den Wegfall der Stellplätze würden Autos zunehmend in angrenzende Wohnstraßen ausweichen.
Eine mögliche Anwohnerparkzone würde laut Resch das Problem kaum lösen. Grund: Im Gebiet würden bereits überwiegend Bewohner mit Parkpickerl parken. Mehr Stellplätze würden dadurch nicht entstehen. Grundsätzlich stelle niemand den Ausbau des Radverkehrs infrage, betont Resch. Kritik gebe es jedoch an der Dimension des Projekts.
Auch innerhalb der lokalen Politik sieht Resch Widersprüche: So habe die SPÖ Döbling 2022 selbst eine Garage gefordert, weil die Parkplatzsituation "sehr angespannt" sei. Kurz darauf habe die Partei jedoch dem Radweg-Projekt zugestimmt, bei dem über 200 Stellplätze weggefallen seien.
"Die nun vorliegenden Studien geben mir – und der überwältigenden Mehrheit der Anrainerinnen und Anrainer – Recht. Es braucht dringend ein Umdenken, Korrekturen im Straßenraum und faire Lösungen, die alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigen, statt Wohngebiete an die Belastungsgrenze zu treiben", meint Resch. Nun sei politische Verantwortung gefragt.