Am Donnerstagnachmittag wurde das Urteil im Prozess um die Steuerhinterziehung von Uli Hoeneß gefällt. Nachdem er deutlich mehr Steuern hinterzogen hat, als zuerst gedacht, wurde der einstige Saubermann des deutschen Fußballs am Landesgericht München zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Forderng der Verteidigung nach einer bedingten Strafe wurde abgeschmettert. Die Hoeneß-Anwälte werden Berufung einlegen.
Am Donnerstagnachmittag wurde das Urteil im Prozess um die Steuerhinterziehung von Uli Hoeneß gefällt. Nachdem er , als zuerst gedacht, wurde der einstige Saubermann des deutschen Fußballs am Landesgericht München zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Forderung der Verteidigung nach einer bedingten Strafe wurde abgeschmettert. Die Hoeneß-Anwälte werden Berufung einlegen.
Richter Rupert Heindl fand deutliche Worte: "Herr Hoeneß, Sie haben sich selbst ans Messer geliefert." Es handle sich bei den Vergehen des Bayern-Präsidenten nicht um einen besonders schweren Fall von Steuerhinterziehung. Allerdings sei Steuerhinterziehung ein Vorsatzdelikt, betonte Heindl. "Das bloße Berufen darauf, die Bank habe quasi alles alleine gemacht, nehmen wir ihnen nicht ab." Ein Freispruch sei "zu keinem Zeitpunkt zu erwarten" gewesen.
Nach dem Plädoyer des Hoeneß-Anwalts Hanns Feigen, der eine Berufungsstrafe forderte, sprach Hoeneß sein Schlusswort: "Ich habe dem Vortrag von meinem Verteidiger nichts hinzuzufügen. Er hat alles gesagt, was ich nicht besser hätte formulieren können." Die Verteidigung will Berufung gegen das Urteil einlegen, die Staatsanwaltschaft überlegt noch.
Hoeneß darf vorerst nach Hause
Die zuletzt genannte hinterzogene Summe von 27,2 Millionen Euro erhöhte sich noch einmal auf 28,5 Millionen Euro, weil noch ein Solidaritätszuschlag einberechnet werden müsse, sagte Richter Heindl bei der Urteilsbegründung. Der Haftbefehl bleibt aufrecht, wird aber nicht vollzogen. Der Bayern-Präsident darf vorerst nach Hause.
Staatsanwalt Achim von Engel hatte am Donnerstag in seinem Plädoyer sogar fünfeinhalb Jahre Haft gefordert. Auch Hoeneß' Lebensleistung, sein soziales Engagement und die verunglückte Selbstanzeige können den Bayern-Boss aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht vor einer Gefängnisstrafe bewahren. Gewichtige Milderungsgründe, die eine Bewährungsstrafe rechtfertigen würden, seien das alles nicht, erklärte Von Engel.
Glückskrawatte half nichts
Hoeneß hatte am Donnerstag um 9.32 Uhr den Saal betreten, er trug wie auch zuletzt seine Glückskrawatte, zu der er unter anderem auch beim Champions-League-Sieg "seines" FC Bayern gegriffen hatte. Zu Beginn huschte noch ein kurzes Lächeln über sein Gesicht, das Lachen verging ihm aber wenig später. Die Verkündung des Urteils nahm er mit erstarrter Miene auf.
Gemischte Reaktionen
Vor dem Münchner Gericht hatten sich zum Urteilsspruch hunderte Schaulustige eingefunden, der größere Teil Fans des FC Bayern. Sie gaben sich überwiegend enttäuscht von der unbedingten Gefängnisstrafe, einige protestierten kurz mit Plakaten und Sprechchören. Andere Schaulustige zeigten sich mit der Strafe einverstanden oder sogar unzufrieden wegen der Höhe der hinterzogenen Steuern.
Die politischen Reaktionen waren angesichts der Prominenz des Verurteilten und des politischen Dauerbrenners Steuerhinterziehung ausnahmslos positiv. SPD-Finanzsprecher Joachim Poß, der Hoeneß’ Tat früh als "Oberschichtenkriminalität" gegeißelt hatte, sagte, er sei "froh, dass es keinen Prominentenbonus gegeben" habe. Das sah auch Grünen-Chef Anton Hochreiter so: "Es gab weder einen Promi-Bonus noch einen Promi-Malus. Das ist gut."
Hoeneß’ Vorstandskollege beim FC Frankfurt, Heribert Bruchhagen bedauerte ihn als einer der wenigen Prominenten: "Mir tut es unendlich leid für Uli. Ich bin sehr erschrocken über die Vorstellung, dass Uli für seinen Fehler so heftig büßen muss." Hoeneß-Biograf Günter Klein sagte: "Er wird nicht mehr der Alte sein. Jetzt geht es um die Existenz."
Spott für den einstigen Saubermann
Schon vor dem Urteil war eine . Hoeneß hatte viele Jahre lang das Image eines Saubermanns. Mit Kollegen in der Fußball-Branche lag er oft im Clinch, zeigte gerne mit dem Finger auf andere. So auch auf den früheren Köln- und späteren Austria-Trainer Christoph Daum, den er als erster öffentlich mit Kokain in Verbindung brachte. Eine Haarprobe bestätigte schließlich Hoeneß' Anschuldigung.
Das Urteil dürfte auch den FC Bayern erschüttern. Hoeneß ist seit Jahrzehnten das Gesicht des Vereins. Als Spieler, Manager, Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender hat er den erfolgreichsten deutschen Fußball-Club wie kein anderer geprägt.
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Die Chronologie der Steuer-Affäre:
2001 bis 2006: Hoeneß spekuliert im großen Stil an der Börse mittels eines geheimen Kontos in der Schweiz. Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus soll ihn mit Millionen unterstützt haben. "Es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes", sagte Hoeneß im Mai 2013 der "Zeit". Nach anfänglichen Gewinnen habe er hohe Verluste gemacht und seine Aktivitäten an der Börse zurückgefahren.
Jänner 2013: Hoeneß zeigt sich beim Finanzamt selbst an. Die Staatsanwaltschaft München leitet ein Ermittlungsverfahren ein. Der FC-Bayern-Präsident hatte vergeblich auf das kurz zuvor gescheiterte Steuerabkommen gesetzt.
20. März 2013: Hoeneß bekommt in seinem Haus am Tegernsee Besuch von den Ermittlern. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor. Dieser wird außer Vollzug gesetzt - angeblich gegen Zahlung einer hohen Kaution.
20. April 2013: Der "Focus" macht den Fall öffentlich. Das Magazin berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft und Hoeneß selbst.
21. April 2013: Hoeneß schließt einen Rücktritt als Vereinspräsident aus. Die Kritik an ihm nimmt zu. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) rückt von ihm ab, zeigt sich "enttäuscht".
23. April 2013: Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet über den Haftbefehl und die Millionen-Kaution. Hoeneß besucht das Halbfinal-Hinspiel des FC Bayern in der Champions League gegen den FC Barcelona (4:0).
1. Mai 2013: Hoeneß gibt in einem "Zeit"-Interview voller Reue Einblick in sein Seelenleben. Verbindungen seines Schweizer Kontos zum Rekordmeister schließt der Bayern-Präsident darin aus.
6. Mai 2013: Hoeneß bleibt nach einem 8:0-Votum der Mitglieder Vorsitzender des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG.
25. Mai 2013: Selbst im Moment des großen Triumphes des FC Bayern steht Hoeneß unter dem Eindruck der Steueraffäre. Fast schüchtern greift er im Londoner Wembley-Stadion nach dem 2:1 im Finale gegen Borussia Dortmund nach dem Champions-League-Pokal.
30. Juli 2013: Die Staatsanwaltschaft München erhebt Anklage gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung.
4. November 2013: Das Oberlandesgericht München gibt bekannt, dass die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II die Anklage gegen den Präsidenten des FC Bayern "unverändert" zugelassen hat. Der erste Verhandlungstermin wird für den 10. März anberaumt.
13. November 2013: Hoeneß wird auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern von den Mitgliedern gefeiert. Er vergießt Tränen und kündigt an, nach seinem Steuerstrafprozess auf einer außerordentlichen Versammlung die Mitglieder über seine Zukunft entscheiden zu lassen. "Ich werde mich jedem Votum, das Sie treffen, unterwerfen."
23. Jänner 2014: Die Staatsanwaltschaft München lässt bayerische Finanzbehörden wegen des Verdachts der Verletzung des Steuer- und des Dienstgeheimnisses durchsuchen. Es geht um die Frage: Wer gab Dokumente aus Hoeneß' Steuerakte an die Presse weiter? Hoeneß hatte Strafanzeige gestellt.
10. März 2014: Begleitet von einem riesengroßen Medieninteresse beginnt in München der Prozess im "Strafverfahren gegen Ulrich H." wegen Steuerhinterziehung. Gleich zum Auftakt gesteht Hoeneß, 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben.
11. März 2014: Die Summe der hinterzogenen Steuern wird immer höher. Der Präsident des FC Bayern soll sogar mindestens 27,2 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben. Grundlage der neuen Zahlen sind Berechnungen einer Steuerfahnderin nach der Sichtung weiterer Akten.
13. März 2014: Uli Hoeneß wird zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Landgericht München sprach den Präsidenten des FC Bayern München wegen Steuerhinterziehung schuldig.