Viele schwören darauf, dass sie Geräusche besser wahrnehmen, wenn sie die Augen schließen. Die Idee dahinter: Wenn ein Sinn ausgeschaltet wird, werden die anderen schärfer. Aber laut einer Studie aus China könnte das Gegenteil passieren. Die Forscher haben untersucht, wie gut wir bei Lärm einzelne Geräusche erkennen.
Das Team rund um Yu Huang von der Jiao Tong Universität in Shanghai hat 25 Freiwillige verschiedenen Geräuschkulissen ausgesetzt. Mal sollten sie die Augen offen lassen, mal schließen. Die Versuchspersonen sahen dabei entweder einen leeren Bildschirm, ein Standbild oder ein Video. Das Bild entsprach immer dem Geräusch, das sie aus dem Hintergrundlärm herausfiltern sollten. Zur Auswahl standen etwa das Plätschern eines Kanupaddels, Trommelschläge, ein Zug, das Tippen auf einer Tastatur oder Vogelgezwitscher. Die Teilnehmenden mussten die Lautstärke so einstellen, dass sie den Zielton hören konnten.
Das Ergebnis: In lauten Situationen ist es sogar kontraproduktiv, die Augen zu schließen.
Als Vergleichswert diente die Lautstärke, die beim Blick auf einen leeren Bildschirm gewählt wurde.
Die Forscher haben zusätzlich mit Elektroenzephalografie (EEG) die Gehirnaktivität gemessen. Dabei zeigte sich, dass geschlossene Augen das Gehirn dazu bringen, Geräusche aus dem Hintergrund stärker herauszufiltern – manchmal sogar zu viel. Die Wissenschafter sprechen von einer 'Überfilterung'. In lauten Umgebungen hilft es laut den Forschern, wenn die Augen offen sind: Die visuelle Wahrnehmung verankert das Gehör in der Umgebung.
Allerdings: In ruhigen Situationen kann das Schließen der Augen tatsächlich die Hörsensibilität steigern.