Vor dem großen Schlager gegen Sturm Graz spricht Rapids Spielmacher Steffen Hofmann im großen sportnet.at-Interview über schräge Fans, Stefan Maierhofer und Tattoos.
Sein Wohnzimmer heißt zumindest bis 2013 Hanappi Stadion. Kein Wunder. Wenn er dort einläuft, begrüßt ihn der eigene Anhang nur noch schlichtweg mit einem lautstarken "Fußballgott".
Unerkannt durch Wiens Straßen gehen? Nein, das ist schon lange nicht mehr möglich. Ein weiblicher Fan ließ sich zuletzt sogar die Unterschrift des 29-Jährigen auf das Bein tätowieren.
"Ich halte mich deswegen aber nicht für einen Superstar", gibt sich der Rapid-Kapitän im offenen Gespräch mit sportnet.at gewohnt bescheiden.
Bis vor drei Wochen hätte sich jede Einstiegsfrage um deine Zukunft gedreht. Erleichtert, dass diese Zeit vorbei ist?
Steffen Hofmann: "Ja. Es war wichtig, dass diese Entscheidung irgendwann fällt. Die Fragerei hat mich aber nie sonderlich belastet."
Als deine Entscheidung noch nicht feststand, soll ein Fan im Rahmen einer Super-Bowl-Party auf die Knie gegangen sein und dich gebeten haben, zu bleiben. Ist da etwas dran?
"Ja. Während dieser Zeit sind einige skurrile Dinge passiert. Egal, wo ich hingegangen bin, ich wurde fast immer auf dieses Thema angesprochen. Das hat mir natürlich auch gezeigt, was es manchen Leuten bedeutet, wenn ich bei Rapid bleibe."
Deine Vertragsverlängerung wurde - dramaturgisch perfekt inszeniert - kurz vor dem Anpfiff gegen Salzburg verkündet. Wann war klar, dass du bleibst?
"Ganz ehrlich? In der Winterpause und zum Teil auch noch in der Vorbereitung habe ich dazu tendiert, noch etwas anderes probieren zu wollen. Aber dann hat sich das Blatt irgendwann gewendet. Heute bin ich froh, dass ich diese Entscheidung getroffen habe, weil ich einfach hierher gehöre."
Welchen Einfluss hatten deine Frau sowie deine Kinder in der Entscheidungsfindung?
"Die Entscheidung war meine. Aber natürlich habe ich meine Familie miteinbezogen. Meine Töchter haben davon aber wenig mitbekommen. Erst, als ich meine Entscheidung bekanntgegeben habe, hat meine ältere Tochter (Sophie-Marie, Anm. d. Red.) gefragt: 'Warum wollte der Papa überhaupt weg?'"
Die Medien haben dich mit etlichen Klubs in Verbindung gebracht. Greifst du morgens zur Zeitung und wunderst dich gelegentlich über diverse Gerüchte?
"Ich habe mich bewusst nie zu irgendeinem Verein geäußert. Es war nie so, dass ein Verein die Nase vorne hatte. Es hat Verhandlungen in diverse Richtungen gegeben, das war's."
Seit dein Verbleib feststeht, soll es Pläne für die Anschaffung eines Hauses geben. Wie weit seit ihr in diesem Vorhaben?
"Wir suchen schon seit längerer Zeit ein neues Zuhause. Zurzeit wohnen wir im 6. Bezirk, also ziemlich im Zentrum. Und in dieser Gegend würden wir auch ganz gerne bleiben."
Worauf müssen sich Hofmanns Sonderbewacher einstellen? Warum wird Sturm Graz ein harter Brocken? Was hält Hofmann von Stefan Maierhofer? Jetzt auf Seite zwei umblättern!
Zurück zum Sportlichen: Wie wichtig war der Derby-Sieg für das zuletzt gescholtene Selbstvertrauen?
"Sehr wichtig. Die Derbys sind immer die vier wichtigsten Spiele im Jahr. Wir hatten eine schwierige Phase, mit den letzten beiden Siegen (gegen BW Linz und Austria, Anm. d. Red.) haben wir aber hoffentlich den Umschwung geschafft. Den müssen wir jetzt nach Graz mitnehmen."
Sturm hat sich zuletzt mit einem 0:0 bei Wiener Neustadt nicht gerade mit Ruhm bekleckert.
"Sturm hat trotzdem einen sehr guten Start hingelegt. Sie waren schon elf Zähler hinter uns, als das Frühjahr begonnen hat. Sie sind gut drauf, aber wir sind im Kommen und ich hoffe, dass wir unseren kleinen, positiven Lauf fortsetzen können."
Mittlerweile setzt fast jeder Bundesliga-Klub einen Sonderbewacher auf dich an.
"Es macht meine Aufgabe natürlich nicht leichter, das ist klar. Es ist schwieriger, ins Spiel zu kommen. Aber auf der anderen Seite ergeben sich dadurch oft Räume für meine Mitspieler. Oft bin ich ganz links am Platz zu finden. Dass sich dann rechts Räume für uns auftun, ist ja auch nicht unbedingt schlecht."
Ihr musstet nach der Sommerpause zwei wichtige Abgänge verschmerzen. Zunächst wäre da Stefan Maierhofer, der zu Wolverhampton ging...
"Der 'Lange' hat's nicht einfach. Es ist schwierig, wenn man in so eine große Liga kommt, so viele Stürmer vor sich hat und dann lässt der Trainer immer nur einen auflaufen. Zudem war Stefan verletzt. Ich bin aber davon überzeugt, dass er so viel Selbstvertrauen hat, dass er weiterhin seinen Weg gehen wird."
Und dann ist da noch Jimmy Hoffer, den es nach Napoli verschlagen hat.
"Jimmys Situation ist wieder eine andere. Er ist nach Italien gegangen und musste erst die Sprache lernen, womit er sich sicher nicht ganz leicht tut. Ich denke nicht, dass Napoli ihn geholt hat, damit er im ersten Jahr die Serie A zerbombt. Sie haben gesehen, dass er Potenzial hat und geben ihm hoffentlich die nötige Zeit."
Im Stadion wirst du nur noch "Fußballgott" gerufen. Ein weiblicher Fan ließ sich deine Unterschrift auf den Knöchel tätowieren. Wird dir der Trubel um deine Person manchmal zu viel?
"Das ist natürlich etwas besonderes. Es ist schön, aber ich mache mir da nicht allzu viele Gedanken darüber. Ich glaube deshalb noch lange nicht, dass ich ein Superstar bin."
Hofmann und Yoga - was hat es damit auf sich? Gibt es Kontakt zum DFB? Jetzt auf Seite drei umblättern!
Bis auf einen Innen-Seitenband-Riss, den du dir kurz nach deiner Rückkehr zu Rapid zugezogen hast, sind dir gröbere Verletzungen erspart geblieben. Welche Rolle spielt dabei ein gesunder Lebenswandel?
"Das gehört auf jeden Fall dazu. Natürlich kommt es vor, dass ich einmal später schlafen gehe oder mich nicht so gesund ernähre, wie ich das normalerweise mache. Aber klar sollte man in unserem Beruf auf diese Dinge achten und seinen Körper pflegen."
Du absolvierst vor den Spielen ein spezielles, Yoga-ähnliches Programm. Was hat es damit auf sich?
"Kurz bevor wir zum Aufwärmen hinaus gehen, gehe ich in den Duschraum, wobei die Dusche selbst dabei aus ist. Dort absolviere ich dann ein paar Stretching-Übungen, wobei das ganze Prozedere nicht länger als drei oder vier Minuten dauert.
Im Magazin 11Freunde erschien kürzlich ein Artikel. Darin stand geschrieben, dass die österreichische Liga zu wenig sei für einen Spieler mit deinen Anlagen. Begründet wurde dies mit fehlendem Willen. Wie denkst du darüber?
"In dem Artikel steht unter anderem, dass ich nicht über Leichen gehe für den Fußball, und dass ich ein sehr harmoniebedürftiger Mensch bin. Das ist mit Sicherheit nicht ganz falsch. Aber am Willen mangelt es mir mit Sicherheit nicht."
In deinem Vertrag ist dir ein Posten im Rapid-Management zugesichert, sobald deine aktive Karriere vorbei ist. Gibt's schon konkrete Pläne?
"Auch der Jugend-Bereich ist nicht uninteressant. Aber wir haben noch keine genaue Position festgelegt. Ich habe noch ein paar Jahre vor mir, in denen ich spielen möchte. Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, dann werde ich mir alle Positionen genauer anschauen und mit dem Verein eine Lösung finden, die beide Seiten zufriedenstellt."
Die Weltmeisterschaft in Südafrika steht vor der Tür. Hand aufs Herz, was traust du Deutschland in diesem Jahr zu?
"Deutschland ist bei Großereignissen immer ein heißer Tipp. Sie haben eine Gruppe, in der sie weiterkommen können, fast müssen. Ab dem Achtelfinale werden es dann Fragen des Losglücks und der Tagesform. Es ist auf jedenfall viel möglich."
Auch der Titel?
"Ja, da kommen ein paar Nationen in Frage, die sich Chancen ausrechnen dürfen. Aber der große Favorit ist sicherlich Spanien."
Gibt's von Seiten des DFB Kontakt zu dir?
"Nein."
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