Obwohl der erdnahe Weltraum seit Jahrzehnten erforscht wird, gelingt es Wissenschaftlern immer wieder, Überraschungen zu finden.
Ein Team der Universität Warwick hat nun mit dem Hubble-Weltraumteleskop vier "versteckte" Weiße Zwerge in unserer kosmischen Nachbarschaft entdeckt.
Die Himmelskörper befinden sich in Doppelsternsystemen, wo sie gemeinsam mit sogenannten Roten Zwergen kreisen. Das Licht der Roten Zwerge hat die Weißen Zwerge im sichtbaren Bereich lange überstrahlt und so ihre Entdeckung verhindert.
Ein Weißer Zwerg ist der kompakte Überrest eines Sterns mittlerer Masse (wie unserer Sonne), der seinen nuklearen Brennstoff vollständig aufgebraucht hat. Sie leuchten anfangs weiß vor Restwärme, besitzen aber keine eigene Kernfusion mehr und kühlen über Billionen von Jahren langsam aus.
Ein Roter Zwerg ist ein vollwertiger, sehr kleiner Stern, in dessen Kern noch aktiv Wasserstoff zu Helium fusioniert. Sie machen etwa drei Viertel aller Sterne im Universum aus. Sie leuchten sehr schwach, sind kühl und rötlich, haben eine unglaublich lange Lebensdauer, die Billionen von Jahren betragen kann
Wie scinexx berichtet, gelang der Nachweis erst durch Ultraviolett-Spektrographiedaten des Hubble-Teleskops und ein spezielles Kalibrierungsverfahren. Im UV-Bereich sind Weiße Zwerge normalerweise sichtbar - doch starke Ausbrüche der Roten Zwerge erschwerten auch hier die Analyse.
Besonders spannend ist das nur 25 Lichtjahre entfernte System G 203-47. Der dortige Weiße Zwerg ist der neuntnächste zur Sonne - sein direkter Nachweis gelang jedoch erst 27 Jahre nach der ersten Beobachtung.
Das System zeigt zudem ein ungewöhnliches Verhalten: Während der Rote Zwerg den Weißen Zwerg in nur 14,9 Tagen umkreist, braucht er für eine eigene Rotation über 100 Tage. Normalerweise würde die Schwerkraft eine gebundene Rotation erzwingen, wie beim Mond und der Erde.
Die Forscher vermuten, dass in unserer kosmischen Nachbarschaft noch weitere versteckte Doppelsternsysteme existieren. Bisher wurden nur rund 30 Prozent der Roten Zwerge im Umkreis von 65 Lichtjahren systematisch auf versteckte Begleiter untersucht.
"Wir gehen davon aus, dass es in unserer lokalen Sternenumgebung noch 9 oder 10 weitere Doppelsternsysteme geben könnte, die wir bislang nicht gefunden haben", erklärt Prof. Pier-Emmanuel Tremblay.