Ferrand-Prevot versetzte ganz Frankreich in Begeisterung. Die 33-Jährige radelte unaufhaltsam dem Gesamtsieg bei der Tour de France der Frauen entgegen. Sie war am vergangenen Samstag auf dem schwierigen Col de Madeleine ins Gelbe Trikot geschlüpft, holte sich auch beim Finale der Tour am Sonntag den Etappensieg, damit auch die Gesamtwertung.
Doch das Erscheinungsbild des französischen Rad-Stars sorgte auch für kritische Stimmen. Ferrand-Prevot, die 2024 noch Olympia-Gold im Mountainbike geholt hatte, wirkte bei der Frankreich-Rundfahrt deutlich abgemagerter als zuvor. Offiziellen Angaben zufolge misst die 33-Jährige 1,65 Meter, bringt 53 Kilo auf die Waage.
Für den ersten französischen Triumph seit 1989 hat sie aber noch einmal abgespeckt, wie Ferrand-Prevot selbst erzählte. "Zwischen Paris-Roubaix und dem Tourstart hab ich vier Kilo abgenommen", sagte sie. Es sei ein "heikles Thema, aber ich möchte ja nicht so bleiben. Ich weiß, dass das nicht hundertprozentig gesund ist", musste auch die 33-Jährige zugeben. Trotzdem hätte sie noch Reserven, versicherte die Französin.
So locker wie Ferrand-Prevot sehen das aber nicht alle. Cedrine Kerbaol, Frankreichs Meisterin im Zeitfahren und Etappensiegerin 2024, hatte ihre Landsfrau deutlich kritisiert. "Wir leben in einer enormen Sichtbarkeit, jeder will besser werden, schneller sein, mehr Watt treten, weniger wiegen. Aber zu welchem Preis?", fragte sie bei "l´Humanite". "Indirekt nehmen junge Frauen, die Leistung bringen wollen, sie als Vorbild", ergänzte die Französin.
Bei "France Television" sprach sie darüber, dass durch das Abmagern weitere gesundheitliche Probleme folgen könnten. So würde etwa die Periode ausbleiben. "Das ist nicht normal. Abgesehen von der Fruchtbarkeit hat das Auswirkungen auf die Knochengesundheit und birgt ein sehr reales Risiko für schwere Verletzungen." Man müsse auf die Gesundheit achten – "nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft", sagte Kerbaol, die Diätetik studiert hat.
Weniger zu wiegen, bringt vor allem auf den Bergetappen Vorteile, da muss dann weniger Gewicht "mitgeschleppt" werden. Das Phänomen abgemagerter Rad-Asse sieht man auch bei den Männern, wenn auch nicht in dieser Ausprägung. "Anfangs fühlt es sich an, als würde man bergauf fliegen, man wird regelrecht süchtig danach", sagte Ferrand-Prevot einst. Am Sonntag sagte sie dann: "Jeder muss verstehen, dass es unsere Aufgabe ist, so gut wie möglich zu sein. Ich hoffe, möglichst schnell wieder zunehmen zu können."