"Heute.at" traf Adi Hütter zum Interview. Der neue Red Bull Salzburg-Trainer sprach über die bevorstehende Bundesliga-Saison, die Spielphilosophie, Marcel Sabitzer und WM-Trends.
-Trends.
Heute.at: Herr Hütter, Sie übernehmen eine perfekt eingespielte Mannschaft. Das Rad kann man bekanntlich nicht ein zweites Mal erfinden. Was wird man heuer sehen?
Adi Hütter: "Grundsätzlich wird man nicht viel anderes sehen. Ich habe auch mit Grödig versucht, diesen Stil zu spielen, sonst wäre ich nicht zu Red Bull gekommen. Es gibt eine klare Spielphilosophie vom Klub. Nach vorne verteidigen, offensives Gegenpressing zu spielen. Das ist das, was die Mannschaft am besten kann. Was gut funktioniert, soll man nicht zerstören."
Grödig und Salzburg liegen geografisch nah beisammen, in Sachen Infrastruktur liegen aber Welten dazwischen. Wie ist Ihnen die Umstellung gefallen?
"Mein Vorteil ist, dass ich schon Mal in Salzburg gearbeitet habe. Natürlich hat sich die Rolle geändert. Die Perspektiven und Erwartungshaltungen sind mit Grödig aber nicht zu vergleichen. Mit Salzburg ist es wesentlich leichter, Titel zu gewinnen."
Die Salzburger Spielweise wird oft als Musterbeispiel für ideales Gegenpressing genannt. Andere Klubs eifern euch nach.
"Für Salzburg ist es eine Auszeichnung, dass andere Trainer sich von uns was abschauen. Wenn ich Trainer wo anders wäre – so wie voriges Jahr in Grödig – würde ich mir Gedanken darüber machen, wie man so spielen kann. Alle Trainer, die modern sein wollen, versuchen, offensives Pressing zu spielen. In dieser Saison gibt es genug Klubtrainer, die das auch probieren werden. Zwischen der Vorstellung und der Umsetzung ist dann immer wieder ein Haken dabei. Das haben auch wir voriges Jahr erlebt, als wir immer wieder Mal eine Watsch’n ausgefasst haben. Trotz allem hat man gesehen, dass es der richtige Weg ist."
Salzburg hat den Kader noch einmal verstärkt. Unter anderen ist gekommen, der gleich zum Auftakt gegen Rapid spielen muss. Tun Sie ihm diese Partie an?
"Darüber habe ich mir noch keine großartigen Gedanken gemacht. Sabitzer ist ein junger, hungriger Spieler mit viel Qualität. Wen ich am Samstag aufstelle, wird man aber erst am Matchtag erfahren."
Wie schaffen Sie es, all die Stars bei Laune zu halten? Denn am Feld können ja doch nur elf stehen.
"Ich wurde nicht geholt, um gute Laune zu verbreiten. Ich wurde geholt, um mit der Mannschaft erfolgreich zu arbeiten. Wir tanzen auf so vielen Hochzeiten heuer, wir brauchen einen breiten Kader mit Qualität. Deshalb wird es immer wieder Rotation geben. Ist ein Spieler müde, wird er eine Pause bekommen. Konkurrenzkampf belebt zudem die Qualität."
Wen erwarten Sie als ersten Salzburg-Jäger?
"Austria und Rapid, die üblichen Verdächtigen also. Ich geh davon aus, dass auch Sturm besser abschneidet als letzte Saison. Auf Ried bin ich sehr gespannt. Mit Glasner haben sie ja einen Mann von Red Bull geholt, der die Spielphilosophie kennt. Und meistens gibt es auch noch eine Überraschungsmannschaft, die vorne mitmischt."
Abschließend: Haben Sie bei der WM Trends erkannt, die Sie übernehmen möchten?
"Die Sichtweise, Spiele zu sehen. Ich habe nicht jede Partie aus Trainersicht angesehen, sondern zum Teil bewusst oberflächlich. Was unsere Spielphilosophie betrifft, habe ich nichts Ähnliches gesehen. Chile, Kolumbien, Costa Rica haben versucht, weiter vorne zu attackieren, aber die meisten haben versucht, im Mittelfeld kompakt zu sein und schnell umzuschalten. Ansonsten, hmm. Ich habe das eine oder andere Mal eine Fünferkette gesehen – gefällt mir überhaupt nicht. Man glaubt immer, dass man eine bessere Verteidigung hat, wenn fünf Mann hinten stehen. Unsere Philosophie ist aber, weit vorne zu verteidigen. Also eher einen Spieler vorne als hinten reinzubringen."