"Toooor! Tooooor! Kalajdziiic! Kalajdziiic! 3:3! Bist du deppert!" ORF-Kommentator Daniel Warmuth vertonte am Sonntag um 5:57 Uhr Österreichs dramatischen WM-Aufstieg gegen Algerien, wurde dank seiner Emotionen selbst zum Star. Sein Clip aus dem Stadion ging viral, sogar internationale Medien berichteten. "Heute" erreichte den Kärntner, der ab sofort wieder vom Küniglberg aus kommentiert, auf der Heimreise am Telefon.
Herr Warmuth, wie oft haben Sie den Clip selbst schon gesehen, wie oft wurden Sie darauf angesprochen?
"Angesprochen noch nicht so oft, weil ich noch nicht daheim bin. Aber ich habe Nachrichten bekommen ohne Ende, es war überwältigend. Nicht nur von Freunden und Bekannten, sondern auch von Fremden und von Fans. Sie haben sich bedankt und erzählt, wie sie mitgefiebert haben. Es hat mich enorm gefreut, dass mir so viele Leute persönlich geschrieben haben. Wirklich, wirklich arg."
Ist Ihnen bewusst, dass Sie einen TV-Moment für die Ewigkeit geschaffen haben?
"Für den habe nicht ich gesorgt, sondern die Mannschaft. Hätte Kalajdzic nicht eingeköpfelt, gäbe es keinen TV-Moment. Das muss man schon mal festhalten."
Aber Sie haben für die Vertonung gesorgt.
"Das ist richtig. Es ist einfach aus mir rausgekommen, so wie es wahrscheinlich jedem daheim gegangen ist, der nicht glauben konnte, was da abgegangen ist in der Nachspielzeit. Es war ein Gefühlsausbruch. Dass es so groß wird, damit habe ich natürlich überhaupt nicht gerechnet. Ich dachte, das Spiel ist aus, das Tor wird überall hergezeigt, fertig. Aber dass mein Kommentar dazu solche Wellen schlägt, davon bin ich nicht ausgegangen."
Nehmen Sie uns bitte kurz mit: Was ging Ihnen in den Minuten zwischen dem 2:3 und dem 3:3 durch den Kopf?
"Mein erster Gedanke war: Warum schießen die Algerier ein Tor, was macht das für einen Sinn? Warum passiert das jetzt, ich verstehe es nicht. Es war aus dem Nichts. Ich war komplett perplex, dachte, das gibt es einfach nicht. Warum findet das gerade statt, wie es stattfindet? Als Lienhart dann drüber geschossen hat und es Abstoß gab, dachte ich, jetzt pfeift er ab. Und dann kam eben der letzte Angriff. So eine Dramatik hast du wahrscheinlich ein Mal im Leben."
Wie lässt sich das aus Kommentatoren-Sicht jetzt noch toppen?
"Ein WM-Finale mit Österreich (lacht). Aber aktuell geht nichts drüber. Ein Match, in dem es um den Aufstieg geht, das auf so dramatische Art und Weise entschieden wird, im vollen Stadion, mit so einem eigeneigenartigen Spielfilm. Sensationell."
Was ist es für ein Gefühl, auf Instagram, Twitter und Co. auf- und abgespielt zu werden? Spätestens jetzt kennt Sie ganz Österreich.
"Es gibt Schlimmeres. Es ist ein schönes Gefühl. Ich mache den Job schon viele Jahre lang – und plötzlich bekommt man so eine Highlight-Partie, kann das begleiten. Das ist irgendwie der Dank. Jeder hat gern Feedback, Bestätigung seiner Arbeit. Es ist echt cool, dass es so eine Begeisterung ausgelöst hat."
Ist das WM-Finale schon besetzt?
"Das macht Thomas König, das Halbfinale übrigens auch. Das ist schon fix."
Das heißt, für Sie ist die WM vor Ort in den USA bereits vorbei?
"Stand jetzt fliege ich nicht mehr rüber."