Fahrer beschreibt Horror

"I spreng den Bus in die Luft"– Lenker mit Mord bedroht

Immer öfter kommt es zu Gewalt in Bussen, Lenker werden heftig attackiert. Herbert Weidenauer beschreibt seine schlimmsten Erlebnisse.
Michael Pollak
29.01.2026, 17:02
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Ein Vierteljahrhundert lang saß Herbert Weidenauer im Fahrersitz eines Busses der Wiener Linien. Er liebte seinen Job, doch es gab auch eine dunkle Seite: "Ich wurde mit Mord bedroht!"

Das Schock-Erlebnis hatte der Lenker, er ist jetzt in Pension, in seiner Lieblingslinie, dem 38A (Heiligenstadt bis Leopoldsberg): "Ein verwirrter Mann ist eingestiegen. Er hatte gleich seine Füße am Sitz oben, doch ich habe ihn gelassen, da sonst niemand im Bus war."

In Grinzing (Wien-Döbling) stiegen viele Menschen ein, da wurde der Lenker tätig und bat den Mann, seine Füße vom Sitz zu nehmen. Sofort eskalierte die Lage: "Er ist mich sofort angegangen, sagte, er wird mich erschießen. Dann drohte er, den Bus in die Luft zu sprengen."

Dem erfahrenen Busfahrer wurde mulmig. Die Weiterfahrt verzögerte sich, sein Gegenüber nahm die Kampfstellung ein. "Zum Glück ist dann der nächste Bus gekommen, der andere Lenker erkannte sofort, dass etwas nicht stimmt und hat mir geholfen." Die Polizei war schnell vor Ort, der Aggressor wurde mitgenommen.

Der Mann suchte gezielt nach dem Lenker – er wollte Rache

Der Albtraum hatte bald eine Fortsetzung, der Verwirrte kam nach wenigen Stunden wieder frei. Weidenauer über die Fortsetzung des Schreckens: "Der hat mich in Heiligenstadt gesucht!" Jetzt war die Grenze erreicht, Lenker Weidenauer wollte nicht Opfer eines Racheaktes werden: "Ich habe mich sofort vom Dienst abziehen lassen." Der nächste Schritt: "Ich habe den psychosozialen Dienst der Wiener Linien in Anspruch genommen."

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Das ist kein Einzelfall. Eine Statistik (von 2024) belegt: Alle zwei Tage werden Mitarbeiter der Wiener Linien attackiert.

Der pensionierte Busfahrer erzählt vom nächsten Fall extremer Gewalt in seinem Bus. Es war zu Weihnachten, er hatte Nachtdienst. Die Strecke des N25: Vom Schwedenplatz in der Wiener Innenstadt bis zur berüchtigten Großfeldsiedlung, "ich dachte, das wird ein ruhiger Abend…"

„Ich habe die Türen geöffnet, damit die Leute flüchten können“
Herbert WeidenauerPensionierter Buslenker

Es kam ganz anders: Schon am Abfahrtsort sind zwei rivalisierende Gangs eingestiegen. "Während der Fahrt um den Ring wurde es laut, die haben gestänkert." Am Nestroyplatz in der Leopoldstadt kam es zum Gewaltausbruch, die Banden prügelten aufeinander ein. "Ich habe den Bus sofort gestoppt, den Alarmknopf gedrückt und die Türen geöffnet, damit die Leute flüchten können."

Vom nahen Praterstern kam schnell eine Spezialeinheit der Polizei, die den Kampf mit Festnahmen beendete. "Mein Dienst war vorbei, der Bus war voller Blut."

Herbert Weidenauer hat in seiner aktiven Zeit eine "steigende Tendenz" von Gewalt in den Öffis erlebt. Zweimal nahm er psychologische Unterstützung in Anspruch. Er forderte geschlossene Fahrerkabinen für alle Wiener Linienbusse, damals war er parteifreier Personalvertreter und Gewerkschaftsdelegierter in der größten Busgarage (Leopoldau).

Trotz aller Probleme sagt er am Ende unseres Gesprächs: "Ich habe diesen Job mit Leidenschaft gemacht!"

{title && {title} } POM, {title && {title} } Akt. 29.01.2026, 17:20, 29.01.2026, 17:02
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