Ich flog auf den Balkan, um zu schauen wie es dort ist

Endlich wieder die "Heimat" besuchen.
Endlich wieder die "Heimat" besuchen.picturedesk/heute.at
Corona sorgte dafür, dass sich der Tourismus völlig verändert hat. Das macht nicht nur einzelnen Personen, sondern auch ganzen Ländern zu schaffen.

Vor ein paar Wochen wurde ich von Europaministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) auf eine Arbeitsreise in den Westbalkan eingeladen. Ich, als "Heute-Balkan-Blogger" wäre doch perfekt dafür geeignet, die Ministerin zu den Gesprächen und Pressekonferenzen zu begleiten. Und vor zwei, drei Jahren hätte ich auch ohne zu zögern zugesagt. In diesem Fall habe ich aber plötzlich gezögert. Aus einem Grund: Ich wusste nicht mehr, wie man reist.

Immerhin bin ich zuletzt im Jahr 2019 geflogen. Und jeder weiß, dass oftmals trotz der Routine ein gewisser Stress einsetzt. Was nimmt man alles mit? Wann checkt man ein? Wann muss man beim Gate sein? Hat man auch das Ladekabel wirklich eingesteckt? 

Geister-Flughafen in Schwechat

Im Jahr 2021 kommen noch einige Fragen hinzu: Wie sicher ist es in dem Land aktuell? Was wenn die Grenzen plötzlich dicht gemacht werden? Muss ich bei der Rückreise in Quarantäne? Wie alt darf mein PCR-Test beim Abflug sein? All das überforderte mich im ersten Moment ein wenig. Aber ich dachte mir, dass ich irgendwann wieder den Schritt machen muss. Also packte ich die Möglichkeit beim Schopf und sagte zu. Voller Vorfreude und einer ordentlichen Portion Nervosität.

Am Flughafen selbst bin ich sehr erstaunt. Zwar war mir im Vorhinein klar, dass derzeit sehr wenig geflogen wird, aber wenn man die Situation mit eigenen Augen sieht, ist es dann doch etwas anders. Kaum Menschen im Gebäude. Hier und da spaziert Personal vorbei, welches teilweise selbst überrascht scheint, dass sich jemand zum Terminal 3 verirrt. Ein fast schon gruseliges Gefühl. Gleichzeitig hat es etwas Angenehmes. Trotz Security-Check und Pass-Kontrolle bin ich innerhalb nur weniger Minuten beim Gate. 

Ich habe schon fast vergessen, wie so ein Flughafen aussieht.
Ich habe schon fast vergessen, wie so ein Flughafen aussieht.privat

Als das Boarding losgeht, kommen Erinnerungen an "damals" hoch. Als es noch nichts Besonderes war, in ein Flugzeug zu steigen. In diesem Fall war es absolut besonders für mich. Es war mein erster Flug seit der Pandemie. Davon kann ich irgendwann erzählen. Wobei: Schon beim Start meine ich zu meinem Nachbarn, dass das ein historischer Moment ist – also für mich persönlich. 

Der Flug selbst und die Landung sind tatsächlich wenig spektakulär. "Wie immer", quasi. Trotzdem ist etwas anders. Die Delegation ist in Nordmazedonien, in Skopje gelandet. Ein relativ armes Land, welches von der Corona-Krise hart getroffen wurde. Insgesamt 153.000 Menschen infizierten sich dort mit dem Virus. Offiziell! Die Dunkelziffer dürfte um einiges höher sein. Aber schon die offizielle Zahl ist bei knapp zwei Millionen Einwohnern sehr hoch. Und das, obwohl das Land das Virus doch sehr ernst nimmt. Die Maske ist hier ein ständiger Begleiter. Und zwar nicht nur innerhalb von Gebäuden. Auch draußen halten sich die Menschen sehr an die Maskenpflicht. 

Nordmazedonien und die "Hilfer"

Lokale, Geschäfte, Schulen – in Nordmazedonien hat das alles offen. Jedoch gilt für Restaurants, dass Gäste lediglich im Außenbereich bewirtet werden dürfen. Ein Mitarbeiter der Botschaft erklärt uns dann aber: "Diese Regelung wird hier sehr großzügig interpretiert. 'Draußen' ist es schon, wenn die Türe offen ist". Das erklärt auch die vielen Menschen innerhalb von Lokalen.

Ich selbst realisiere erst in Nordmazedonien, wie mir die balkanische Gastfreundschaft gefehlt hat. Trotz der Landung nach Mitternacht werden wir im Hotel mit einem kleinen Buffet empfangen. Mit hausgemachten Pide und Bureks.  Endlich wieder in meiner Heimat. Üblicherweise schaue ich ja regelmäßig bei meiner Familie am Balkan vorbei. Durch Corona habe ich zuletzt strikt darauf verzichtet – darüber habe ich bereits ausführlich berichtet. 

Generell wirkt Skopje aber recht leer. Von Tourismus kaum eine Spur. Das macht auch den Einheimischen zu schaffen, denn die Wirtschaft wird dadurch kaum angekurbelt, nachdem sie ohnehin schon sehr angeschlagen ist. Wohl ein Grund, weshalb wir bei unserem Spaziergang am Bazar von mehreren Verkäufern und Wirten angesprochen werden. Und zwar auf Deutsch. "Österreichisches Deutsch", wie einer der Händler meint. Gleichzeitig versichert er uns, dass seine Ware um sieben Mal günstiger als auf der Mariahilfer Straße sei. 

Österreich und die EU sind in Nordmazedonien sehr präsent. Überall hängen blaue Fahnen mit Sternen. In kyrillischer Schrift ist der Slogan "EU für dich" zu lesen. Der Mann am Bazar fragt uns schmunzelnd, ob wir ihm nicht ein wenig "EU" abgeben könnten und erklärt: "Die EU ist für dich. Für mich. Für uns."

Das Problem: Nicht alle in der EU sind für Nordmazedonien. Vor allem der Nachbar Bulgarien wehrt sich vehement gegen den Beitritt des Staates. So fordert man sogar, dass die Europäische Union weder die Sprache, noch die Nation an sich anerkennt. Auch solle das Land zugeben, dass es eigentlich ein Teil Bulgariens sei. Eine Position, welche auch bei Edtstadler für Unverständnis sorgt. In einer Pressekonferenz in Skopje betont sie, dass Nordmazedonien klar zur EU gehöre. Zudem habe das Land viel für den Beitritt getan und diese Schritte sollen belohnt werden, so die Europaministerin. Nur dann könne die Nation auch Perspektiven erhalten. Und diese braucht das Land definitiv.

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