Sport

Im Bus mit "Drago"

Heute Redaktion
14.09.2021, 01:30

Im Flughafenbus war ich unseren Fußball-Stars am nächsten. Der EM-Traum war da schon brutal geplatzt. Nur ein Tor, kein Sieg - Gruppenletzter! In Frankreich hatte der ÖFB eine Mauer um seine Spieler hochgezogen.

Im Flughafenbus war ich unseren Fußball-Stars am nächsten. Der EM-Traum war da schon brutal geplatzt. Nur ein Tor, kein Sieg – Gruppenletzter! In Frankreich hatte der ÖFB eine Mauer um seine Spieler hochgezogen.

Sogar der Speiseplan des Kochs: zu brisant für die Fans daheim. Im Flughafenbus in Wien nach dem Rückflug aus Avignon bröckelte die ÖFB-Mauer. Ich stand im Halbkreis mit den Unzertrennlichen: David Alaba, Marko Arnautovic, Aleks Dragovic. "Dragos" Augen schauten durch mich durch. Sein Gesicht bleich, sein Kopf gesenkt, seine Augen leer. "Opa kommt eh." Diese drei Worte waren sein einziges Lebenszeichen. Alle kümmerten sich um "Drago". Alaba munterte ihn auf, Arnautovic wollte ihn heimbringen. Sein Blick – die pure Leere.

"Opa kommt eh." Keiner nahm sich das EM-Aus so zu Herzen wie Dragovic. Kein Teamkicker steht so sehr für diese verpatzte EURO. Potenzial ja, das war da. Aber zu viel, fast alles lief schief. Beim 0:2 gegen Ungarn foulte Dragovic, exakt eine halbe Sekunde, bevor wir unser erstes EM-Tor schossen. Rot statt Tor! Gegen Portugal machte Alaba mehr Fehlpässe als in 46 Saisonspielen davor. Das 0:0 feierten die Spieler wie einen Titel. Dabei hätten sie sieben Gegentore bekommen können.

Beim 1:2 gegen Island verschenkte Teamchef Marcel Koller 45 Minuten mit einer Taktik, die seine verunsicherten Spieler überforderte. Dragovic verschoss einen Elfer. Weinend saß er am Rasen des Stade de France. "HU" brüllten die Isländer. "Au revoir, EURO", dachte ich. Im Flughafenbus endete die Reise. Heute ist Aleks Dragovic mit 20 Millionen der teuerste Kicker Österreichs. Die EM ist verdaut, die WM das Ziel. Opa schaut sicher zu.

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