Im Elferkrimi demütigt Didier Drogba die Bayern

Chelsea ist erstmals Sieger der Fußball-Champions-League. Die Londoner gewannen am Samstagabend das Finale in München gegen die Bayern im Elferschießen 4:3.

Chelsea hat Bayern München die Mission "Finale dahoam" verpatzt und sich erstmals in der Vereinsgeschichte die begehrteste Trophäe im europäischen Clubfußball geholt. Die Engländer gewannen am Samstag das Finale der Champions League in der Münchner Allianz-Arena gegen die Bayern mit 4:3 im Elfmeterschießen (1:1,1:1,0:0). Torhüter Peter Cech mit zwei parierten Elfmetern und Stürmerstar Didier Drogba avancierten zu den Matchwinnern der Londoner. Die Defensivtaktik, die schon im Halbfinale gegen Barcelona erfolgreich war, erwies sich auch im Finale als der zwar nicht attraktive, aber richtige Weg zum Erfolg.

Es war das große Saisonziel der Münchner, als erster Club zu Hause die Champions League zu gewinnen. 120 Minuten waren die Bayern auch die bessere Mannschaft und und waren dem Triumph vor 62.500 Zuschauern in der Allianz Arena schon zum Greifen nahe. Zunächst liefen sie 82 Minuten lang erfolglos gegen eine blaue Mauer an, kassierten erst in der 88. Minute den Ausgleich, vergaben durch Arjen Robben in der Verlängerung einen Elfmeter (95.) und führten auch im Elfmeterschießen mit 3:2. Doch Cech parierte den Versuch von Ivica Olic, Bastian Schweinsteiger traf nur die Stange, während Ashley Cole und Drogba trafen.

Mit Millionen aufgerüstet

Damit hat die Generation um die Routiniers John Terry, Frank Lampard, Drogba und Co. doch noch ihren großen Triumph, nachdem Chelsea 2008 im CL-Finale in Moskau gegen Manchester United noch im Elfmeterschießen gescheitert war. Chelsea, seit 2003 vom russischen Milliardär Roman Abramowitsch mit Millionen aufgerüstet, wurde der Triumph mit einem Siegerscheck über neun Millionen Euro weiter versüßt.

Die 62.500 Zuschauer in der seit Wochen ausverkauften Allianz-Arena sahen ein Spiel mit erwartetem Verlauf. Die Bayern nahmen in ihrem Stadion von Beginn weg das Spiel in die Hand, während Chelsea mit der "Barca-Taktik" einlief. So wie im Halbfinale, als die Londoner Titelverteidiger Barcelona eliminiert hatten, agierte das Team von Roberto di Matteo extrem defensiv. Chelsea verteidigte meist tief in der eigenen Hälfte mit zehn Mann, vorne lauerte lediglich Solospitze Drogba, der sich allerdings nur ganz selten in Szene setzen konnte.

Alabas Fehlen gut wettgemacht

Denn die Bayern waren trotz einiger Umstellungen in der Abwehr, in der statt Österreichs gelb-gesperrten Jungstar David Alaba und Abwehrchef Holger Badstuber Diego Contento und Anatoli Timoschtschuk spielten, defensiv aufmerksam. Offensiv fehlte lediglich der Abschluss. Robben scheiterte an Torhüter Cech (21.), Thomas Müller traf einen Volley nicht richtig (36.), Mario Gomez bekam den Ball zweimal nicht unter Kontrolle und knallte in der 42. Minute den Ball weit über das Tor. Bayern-Torhüter Manuel Neuer musste in der ersten Hälfte dagegen nur einmal eingreifen.

Auch nach der Pause änderte Chelsea seine Taktik nicht und suchte sein Heil in einer extremen Defensive. Einmal wurden die Engländer aber auch so richtig gefährlich, als Alaba-Ersatz Contento vor den Gegenspielern an einem Drogba-Stanglpass herankam (73.), ehe Thomas Müller mit seinem Kopfball-Treffer eine spannende Schlussphase einleitete. Müller, der erst durch die Sperre von Luiz Gustavo in die Mannschaft gekommen war, traf in der 83. Minute nach Kroos-Flanke zur Führung.

Bayern-Fans feierten, Chelsea schlug zurück

Während die Bayern-Fans schon feierten, schlug Chelsea aber zurück. Nach dem ersten Eckball der "Blues" in dieser Partie (die Bayern hatten zu diesem Zeitpunkt schon 16) stieg Drogba hoch und traf ebenfalls per Kopf zum Ausgleich (88.). Erinnerungen an Barcelona 1999 wurden wach, als Bayern im Finale gegen Manchester United eine 1:0-Führung verspielt und noch mit 1:2 verloren hatten. Ähnlich unglücklich verlief auch dieses Finale für die Bayern. Denn nach einem Foul von Drogba an Ribery trat Robben zum Elfmeter an, doch Cech hielt. Robben war schon im vorentscheidenden Bundesliga-Duell mit Meister Dortmund vom Elfmeterpunkt gescheitert.

Statt des fünften Erfolgs in der Königsklasse nach 1974, 1975, 1976 und 2001 blieb für die Bayern in diesem Jahr nur dreimal Platz zwei (Champions League, Bundesliga, DFB-Pokal).

Beeindruckende Zahlen

Das Finale sorgte für einen Fan-Ansturm in München und beeindruckende TV-Zahlen. Das Spiel wurde in über 200 Ländern übertragen, geschätzte 200 Millionen Zuschauer sollen live dabei gewesen sein. In München wurde beim Public Viewing im Olympiastadion mit 65.000 Fans gerechnet, auf der Theresienwiese mit rund 30.000 Fußballbegeisterten.

Weiterblättern: Der Live-Ticker vom Spiel zum Nachlesen!
Hier können Sie das Finale live verfolgen:

Das Champions League-Finale zwischen Bayern München und Chelsea verspricht Fußball auf Top-Niveau und viel Spannung. Klar, dass sich das Tausende Wiener nicht entgehen lassen wollen. Heute hat die besten Lokale für den Match-Abend.

Chelsea

Die legendäre Fußballdisco in den Gürtelbögen überträgt live auf Leinwand. Achtung: Trotz des Namens sind auch Bayern-Fans willkommen.

Adria & Strandbar Herrmann

Der Donaukanal verwandelt sich wieder zur Public-Viewing- Meile. Sowohl Adria Wien als auch Strandbar Herrmann übertragen auf Großleinwand.

Marx Restauration

Besondere Schmankerl zur Live-Übertragung hat man sich im Media Quarter (Landstraße) ausgedacht: Weißwurst für Bayern und Fish & Chips für Chelsea-Fans.

Hawidere

Das Fußballbeisl im 15. Bezirk wirbt mit zwei Leinwänden und getrenntem Raucher- und Nichtraucherbereich.

Schweizerhaus

Auch hier wird live übertragen, allerdings ist Reservierung verpflichtend.

Weiterblättern: Der Vorbericht zum Champions League-Spiel! Vorbericht:



Der FC Bayern ist bereit für ein rot-weißes Fußball-Fest am historischen Finaltag - jeder im Club fiebert dem Anpfiff des vielleicht größten Moments in der Vereinsgeschichte entgegen. "Am Samstag wird nicht nur das Kribbeln, sondern auch die Nervosität kommen", schürte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die Vorfreude auf das Champions-League-Endspiel gegen Chelsea in der Allianz Arena.





Franck Ribery, der seinen wegen Rot-Sperre verpassten Traum von 2010 nun gegen die Engländer ausleben will, trug den Final-Slogan "Mia san rot-weiss" am Donnerstag auf seinem roten T-Shirt spazieren. Der Franzose maß der Partie den Stellenwert eines WM-Finales bei, sein kongenialer Partner Arjen Robben appellierte mit Blick auf die Atmosphäre in der ganzen Stadt an seine Kollegen. "Das muss kein Druck, sondern eine Motivation sein. Wir haben die Ehre, am Samstag dabei zu sein. Mit so einer Körpersprache müssen wir auch das Feld betreten."





Meisterschaft und Cup verloren - ein Titel bleibt

In der heimischen Arena soll im ersten Königsklassen-Heim-Finale auch gleich die begehrteste Trophäe im Club-Fußball her. Hoffnung geben Mario Gomez und Co. dabei die starke Saison in der Champions League, der Heimvorteil - und sogar die Pleiten auf nationaler Ebene. Man habe Meisterschaft und Cup an Dortmund verloren, sagte Robben. "Jetzt gibt es nur noch einen Titel. Das kann vielleicht mehr als eine Stimulanz sein für Samstag, dass wir den Titel holen müssen."



2010 vor dem 0:2 in Madrid gegen Inter Mailand waren die Bayern mit dem Double im Gepäck angereist und hatten den Rückenwind nicht nutzen können. "Wenn wir jetzt das Spiel gewinnen, kann man über das Spiel des Lebens sprechen", so Robben, der in dieser Woche bei den Einheiten hinter verschlossener Tür wegen einer Erkältung sehr dosiert trainierte. Zweifel an seinem Einsatz gibt es aber keine.





Diego Contento statt David Alaba

Auch ansonsten gibt es keine offenen Fragen, was die Anfangsformation jenes Bayern-Teams betrifft, das den zweiten Königsklassen-Titel nach 2001 einfahren soll. Diego Contento ersetzt David Alaba, Anatoli Tymoschtschuk Abwehrchef Holger Badstuber. Für den ebenfalls gesperrten Luiz Gustavo spielt Toni Kroos im defensiven Mittelfeld, Thomas Müller rückt für Kroos in der Offensive ins Team. "Wir haben Vertrauen in jeden Spieler, der spielt", betonte Robben.





Laut Ribery wäre ein Sieg "historisch", und dafür müsse man alles geben. "Wir müssen kaputt sein nach dem Spiel. Wenn du tot bist, bist du tot." Alle blicken mit Zuversicht auf das Heim-Finale. "Man sieht im Training, worum es geht. Anspannung und Konzentration wachsen von Stunde zu Stunde", berichtete Goalie Manuel Neuer.





Über 200 Millionen Live-Zuseher

Rund 2000 Journalisten werden nach FCB-Angaben berichten, über 200 Millionen Live-Zuschauer an den Bildschirmen erwartet, in mehr als 200 Ländern ist das Spiel zu sehen. Es ist "das Highlight in der Geschichte des FC Bayern", erklärte Präsident Uli Hoeneß.





Dies trifft auch auf Chelsea zu. Clubchef Roman Abramowitsch steht kurz vor der Erfüllung seines großen Traums, dem Gewinn der Champions League. "Das ist das Ziel unseres Besitzers seit dem ersten Tag", sagte John Terry, der wegen einer Sperre, so wie seine Teamkollegen Raul Meireles, Branislav Ivanovic und Ramires, fehlt.





Der "Geist von Barcelona"

Gegen die Bayern beschwören die Chelsea-Kicker den "Geist von Barcelona" - die Londoner zermürbten den Titelverteidiger im Semifinale mit zwei ultra-defensiven Auftritten. "Mit dem Spirit, den wir in Barcelona gezeigt haben, ist ein Sieg möglich", vermutete Frank Lampard. Der Mittelfeldspieler warnte aber auch: "Wir haben das Gefühl genossen, die Besten zu schlagen, aber wir sind clever genug, um zu wissen, dass die Leute das Halbfinale und andere Spiele vergessen, wenn wir das Finale nicht gewinnen."





Gerade die alten Recken wie der 33-jährige Lampard oder der 34-jährige Didier Drogba wollen für die Londoner die Vereinskrone erobern. Mit einem Sieg würden sie auch das Final-Trauma von 2008 auslöschen, als Chelsea in Moskau in einem dramatischen Finale im Elferschießen Manchester United unterlag. Geübt wurde auch das schon, aber auf ein erneutes Nervenspiel vom Punkt will Chelsea es nicht ankommen lassen, damit die bereits für Sonntag geplante Jubelparade durch Londons Straßen auch stattfinden kann.





Chelsea-Abwehr gegen Münchner Offensive

Entscheidend wird sein, wie die neu zu formierende Chelsea-Abwehr mit der Münchner Offensive zurechtkommt. Für Terry und Ivanovic sollen Gary Cahill und David Luiz in die Startformation rücken. Beiden fehlt allerdings Spielpraxis, nachdem sie jeweils wegen einer Oberschenkelverletzung rund vier Wochen ausgefallen waren.





In München werden 17.500 Chelsea-Fans im Stadion erwartet. Für Trainer Roberto di Matteo hat der Heimvorteil der Bayern ohnehin zwei Seiten. "Wenn man es aus einem anderen Blickwinkel sieht, erhöht es für sie vielleicht auch den Druck", sagte der Italo-Schweizer, der die Mannschaft binnen zwei Monaten zum Finalisten formte.

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