Sie leben in Hinterhöfen, auf Industriebrachen oder in Kleingärten - und sie werden immer mehr: Zehntausende herrenlose Katzen streifen in Österreich umher, allein in Wien geht die Veterinärmedizinische Universität von mindestens 5.000 Tieren aus.
Besonders dramatisch wird die Lage, weil sich die Tiere inzwischen auch mitten im Winter vermehren - ein Effekt der globalen Erderwärmung.
"Aus Rückmeldungen von Tierheimen hören wir immer wieder, dass die Zahl der Streunerkatzen zunimmt. Mildere Winter könnten natürlich eine Rolle spielen, da sich dadurch die Überlebenschancen von Kätzchen und Jungtieren erhöhen", so Elisabeth Penz von der Tierschutzstiftung Vier Pfoten auf "Heute"-Anfrage.
Ein mittlerweile ganzjähriges Werfen kann auch das Tierquartier Wien "eindeutig bestätigen", erklärt Anna Hofstätter gegenüber "Heute".
Das Phänomen ist europaweit zu beobachten: "Wir beobachten, dass sich die Wurfzeiten extrem verschieben", bestätigt auch der deutsche Tierheim-Experte Ralf Klink. Dabei gilt: Normalerweise werfen Katzen im Frühjahr und Spätsommer. Doch durch die milden Winter gibt es inzwischen das ganze Jahr über Nachwuchs.
Die Folge der rasanten Vermehrung: Zahlreiche Tierheime platzen aus allen Nähten. Ellen Kloth vom Deutschen Tierschutzbund spricht von einem Phänomen: "Durch die warmen Winter werfen viele Streuner auch im Dezember. Die Populationen wachsen rasant", so die Katzen-Expertin.
Mit dem Streuner-Boom vermehren sich auch die Probleme: Viele der Tiere sind krank, nicht vermittelbar, benötigen teure Behandlung und lange Quarantäne. Nur eine Kastration verhindere, dass streunende Katzen weitere Streuner hervorbringen. "Jede zusätzliche, unkontrollierte Geburt verschärft dieses Elend weiter", sagt Alexios Wiklund vom Österreichischen Tierschutzverein.