In der Pandemie nach Albanien: "Der einzige Tourist"

Kein Stau am Aussichtsturm.
Kein Stau am Aussichtsturm.privat
Corona hat unsere Reisefreiheit massiv eingeschränkt. Ich wollte mir deshalb direkt vor Ort ansehen, was das für Auswirkungen auf die Länder hat.

Einfach in den Flieger steigen und verreisen: Das war einmal. Heute muss man sich so einen Urlaub ziemlich gut überlegen. Während man sich vor zwei Jahren ein wenig über Sehenswürdigkeiten in einem Land informierte, checkt man nun ganz genau ab, in welcher Risikostufe sich die Region befindet. 

Albanien befindet sich aktuell auf der höchsten Reisewarnstufe. So wie eigentlich die ganze Welt. Dennoch wollte ich mit ein eigenes Bild von der Situation machen. Als "Balkan-Blogger" wurde ich von Europaministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) zu einer ihrer Auslandsreisen eingeladen. Darüber berichtete ich bereits in einem vergangenen Blog >>>

In dem Westbalkan-Staat gilt eigentlich überall die Maskenpflicht. Egal ob draußen oder in Innenräumen. Und tatsächlich führten alle Einheimischen ihre Masken ganz brav mit. Manche trugen sie unter dem Kinn, einige hatten sie am Ellbogen hängen, die meisten hatten sie in der Hosentasche. Nur selten war der Mund-Nasen-Schutz im Gesicht anzufinden.

Keine Pandemie in Albanien?

Mitarbeiter der Botschaft erklärten, dass man in Albanien derzeit sehr positiv gestimmt ist: "Man hat das Gefühl, die Pandemie ist überwunden". Der Grund: Experten gehen davon aus, dass bereits eine Herdenimmunität erreicht wurde. Und das, obwohl Albanien einen der härtesten Lockdowns hinter sich hat. Es galt eine totale Ausgangssperre. Wer in den Supermarkt wollte, musste sich zuvor registrieren. Autos durften nur unter ganz bestimmten Bedingungen fahren. "Die Straßen waren komplett leer. Es war wie ausgestorben", erklärt mir ein Einwohner von Tirana. 

Mittlerweile blüht die Hauptstadt wieder auf. Cafes und Restaurants haben geöffnet und sind überaus gut gefüllt. Nach freien Tischen sucht man vergeblich. Autos fahren wieder ganz chaotisch durch die Gegend. Es wird gehupt und gerufen. Als ob es hier keine weltweite Pandemie geben würde. 

Über diesen Blog

Hallo und herzlich willkommen zu "Hajde", dem "Balkan Blog" auf "Heute.at"! Unser Blogger ist zwischen Sarma und Wiener Schnitzeln aufgewachsen. Wie das so ist? Er verrät's euch in seinen Kolumnen. Und zwar immer mit einem Augenzwinkern!
Übrigens: "Hajde" bedeutet auf Deutsch so viel wie "Los geht's!"

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Der einzige Tourist

Einen Unterschied zum "Leben davor" gibt es aber dennoch. Der fiel mir selbst aber gar nicht so auf. Erst als ich komplett in die Rolle eines Touristen geschlüpft bin, wurde ich darauf aufmerksam gemacht. Bei einem Spaziergang auf dem Skanderbeg-Platz machte ich einen Abstecher zum Uhrturm. Die Dame beim Eingang schien total überrascht von dem Besuch. Auf Nachfrage, erklärte sie, dass bis zu 100 Personen täglich den Turm besuchen würden: "Menschen aus Polen, Deutschland und Italien." Und wie viele Touristen schauten an diesem Tag vorbei? Es war bereits Mittagszeit: "Nur du. Du bist der einzige Tourist", lachte sie. 

Sie hat die Hoffnung, dass sich die Situation erholt und die Menschen wieder nach Albanien kommen. Ansonsten stünde wohl eine noch größere wirtschaftliche Krise bevor, als es sie in dem Westbalkan-Staat ohnehin schon gibt.

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