Coronavirus

Infektiologe: Corona-Lage "absolut ein Grund zur Sorge"

In der ZiB2 erklärt Herwig Kollaritsch, weshalb er sich "am besten gestern" impfen lassen würde und warum die Pandemie noch lange nicht besiegt ist.
Roman Palman
15.12.2020, 22:35

Die Corona-Zahlen wollen einfach nicht auf den erhofften Wert absinken. Die Regierung reagiert darauf mit einer neuen Verordnung für die Weihnachtsfeiertage. Der Schulstart wurde bereits auf den 11. Jänner verschoben, vorher sollen noch Massentests an Schülern und Lehrern durchgeführt werden.

Unterdessen pocht die SPÖ auf Seiten der Opposition vehement auf einen neuen Lockdown vor dem Start der ersten Corona-Impfungen. Diese könnten sogar noch vor Weihnachten in der EU zugelassen werden. Dazu nahm Impfstoffexperte Herwig Kollaritsch von der MedUni Wien per Schaltung aus dem Irenental in der "ZiB2" von Armin Wolf Stellung:

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Impfbeginn

Einer Zulassung des Biontech-Impfstoffes steht nach der Meinung des Experten nichts mehr im Wege. Wann tatsächlich die Logistik des Impfprogramms der Regierung anlaufe, sei schwierig zu sagen, dennoch glaubt Kollaritsch, dass man eine Woche verfrüht beginnen könne. Frühestens aber in der Woche nach den Heiligen Drei Königen (6. Jänner).

Infektiologe Herwig Kollaritsch
picturedesk.com

Und wann werden genug Menschen geimpft sein, dass das Leben wieder normal wird?

Herdenimmunität

Der Nachschub an Impfstoffen werde laut dem MedUni-Mediziner kein Problem darstellen. Spätestens im 2. Quartal werde man ausreichend impfen können. Der Flaschenhals sei hier vielmehr die Akzeptanz in der Bevölkerung.

Gleichzeitig versetzt der Experte aber allen Hoffnungen einen Dämpfer: Mit dem Biontech-Vakzin könne keine Herdenimmunität hergestellt werden. Die Impfung biete nur einen persönlichen Schutz, gleichzeitig bleibe man aber für andere Menschen ansteckend, wenn man sich infiziere.

Nebenwirkungen

Auf mögliche Nebenwirkungen angesprochen, erklärt der Experte, dass man hier deutlich zwischen Impfreaktionen und Nebenwirkungen unterscheiden müsse: "Impfreaktionen sind lästige Begleiterscheinungen, die zwar unangenehm, aber nicht gesundheitsschädlich sind". Das sei aber gerade bei solchen Impfstoffen sehr häufig. Schwere Nebenwirkungen könne man derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:10.000 ausschließen, so Kollaritsch weiter. Aber auch nach der Zulassung werde in diesem Bereich weitergeforscht.

Die überwiegende Zahl der Geimpften würde aber nur ganz milde Reaktionen wie Schmerzen an der Injektionsstelle, Schüttelfrost oder auch Fieber zeigen, so der Experte weiter. "Ein interessanter Nebenbefund: Ältere Personen vertragen diese Impfstoffe deutlich besser als jüngere".

Impfgrund

Sie lassen sich impfen?, will ORF-Anchorman Wolf daraufhin wissen. Fast wie aus der Pistole geschossen, folgte die Antwort: "Am besten gestern!" Das Hauptargument für Kollaritsch: "Dass ich mich sorgenfrei bewegen kann. Diese Risikoreduktion sind mir zwei Tage Schmerzen im Arm allemal wert."

Von einer Impfflicht hält der Infektiologe hingegen nichts. Gleichzeitig betont er, dass es ohne Impfungen aber wohl keinen Weg aus dieser Pandemie geben werde. 

Weihnachten

Die derzeit wieder leicht steigenden Neuinfektionszahlen sind für den Mediziner "absolut ein Grund zur Sorge". "Es bedeutet, wir haben uns stabilisiert, aber auf hohem Niveau. Diese Stabilisierung ist sehr fragil." Durch die Weihnachtsfeiertage und die Zusammenkünfte könnten die Zahlen wieder aufflammen.

Waren die gelockerten Weihnachtsregeln der Regierung vielleicht ein schwerer Fehler? "Ich bin damit unglücklich, aber ich verstehe auch den sozialen Druck und ich verstehe, dass die Menschen nach so vielen Lockdowns zusammenkommen wollen. Aber ich appelliere, dass das Übertragungsrisiko so gering wie möglich gehalten wird." Als Möglichkeiten für Privatpersonen nennt er Abstand, Maske und auch Schnelltests vor den Feiern.

Lockdown

Brauchen wir neuen Lockdown? "Naja, ich muss ganz ehrlich sagen, es ist natürlich damit zu rechnen, dass, wenn wir die Zahlen nicht herunterbekommen, dass wir im Jänner Februar wieder einen explosionsartigen Anstieg erleben". Alles hänge jetzt vom Verhalten der Österreicher ab.