Die EU stellt dem Bezirk Schwaz in Tirol 100.000 zusätzliche Corona-Impfdosen von Biontech/ Pfizer zur Verfügung. Das hat Bundeskanzler Sebastian Kurz am Mittwoch in einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Ziel sei es, die Südafrika-Mutation mit einer Durchimpfung "auszulöschen".
Laut Tirols Landeschef Günther Platter sollen die Impfungen bereits ab dem 11. März beginnen. Außerdem werde für den Bezirk Schwaz eine Ausreisetestpflicht gelten. Gesundheitsminister Rudolf Anschober betonte in seinem Statement, dass dies eine große Chance für die Bevölkerung in Tirol sowie in ganz Österreich sei.
Auch Wien tritt bei den Corona-Impfungen aufs Gas. Um die Lieferengpässe auszugleichen, kommt AstraZeneca nun auch bei Personen über 65 Jahren zum Einsatz. Zwar setzt man bei den Ü-65-Jährigen in erster Linie weiter auf die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna, mit AstraZeneca kann man das Tempo aber jetzt ordentlich nach oben schrauben.
Herwig Kollaritsch, Infektiologe und Mitglied des Nationalen Impfgremiums, sprach mit Moderator Armin Wolf in der "Zeit im Bild 2" über die Corona-Impfungen im Land. Und Kollaritsch stellte gleich zu Beginn seines Gesprächs klar, dass der Impfschutz für die Bevölkerung in Schwaz auf keinen Fall zu spät kommt. "Tirol hat sehr rigide Maßnahmen gesetzt, um die Ausbreitung des Virus zu begrenzen. Es muss aber klar sein, dass die Impfaktion eine mittelfristige Lösung des Problems ist."
Denn: "Es dauert relativ lange, bis der Impfschutz einsetzt und da müssen wir auch weiterhin aufpassen, dass sich die Südafrika-Mutation nicht weiter ausbreitet." Doch wie viele Personen sollten sich in dem Bezirk eigentlich impfen lassen und wie hoch sollte die Beteiligung sein? "Es hängt von den Begleitmaßnahmen ab", erklärt Kollaritsch in der "Zeit im Bild 2". Man müsse damit rechnen, dass bis man einen Impfeffekt sehen könne, es rund einen Monat dauern werde.
"50 oder 60 Prozent können aber schon einen messbaren Erfolg bringen. Und wir können ja auch gar nicht alle impfen. Personen unter 16 Jahren werden nicht geimpft und das ist ein gewaltiger Pool, der die Infektion noch immer mittragen kann", so der Infektiologe weiter.
Die Entscheidung der Stadt Wien, nun auch den Impfstoff von AstraZeneca für über 65-Jährigen einzusetzen, begrüßt Kollaritsch. "Ich halte das für eine vernünftige Entscheidung und kann die Stadt zu diesem Schritt nur beglückwünschen", erklärt das Mitglied des Nationalen Impfgremiums im Gespräch mit Armin Wolf.
Auf die Frage, warum der Impfstoff von Hersteller "Johnson & Johnson" noch nicht in der EU zugelassen worden ist und warum dies so lange dauert, antwortete Kollaritsch: "Es ist so, dass 'Johnson & Johnson' deutlich später die Zulassung eingereicht hat. Am 11. März wird die EMA aber entscheiden, ob eine Zulassung gegeben werden kann oder nicht. Es spricht aber alles dafür, dass dies der Fall sein wird."
Im Interview mit Anchorman Wolf erklärte der Infektiologe aber auch, dass man in Europa generell mit Lieferproblemen zu tun habe, welche die Impfungen in den Ländern verzögert. "Wären die Zusagen eingehalten worden, was die Lieferung betrifft, dann wären wir auch schon weiter. Aber das Problem hat die gesamte EU. Doch mit jeder Zulassung wird die Last der Versorgung auf mehrere Firmen verteilt", versichert Kollaritsch.
Ost-Europäische Mitglieder lassen mittlerweile auch in nationalen Verfahren die Impfstoffe aus Russland oder auch aus China tun. "Sollte Österreich das auch machen", wollte Wolf von dem Infektiologen wissen. Und dieser antwortete: ""Das ist eine schwierige Frage". "Ich würde mich beim russischen Impfstoff trauen, dass man sich nicht überlegt, dass man eine nationale Zulassung macht", so der Impf-Experte.
Aber: "Es ist tatsächlich eine nationale Zulassung ein sehr ungewöhnlicher Weg innerhalb der Europäischen Union. Und ich glaube, man sollte sich das sehr genau überlegen, ob man das wirklich unbedingt braucht." Und zu einer möglichen nationalen Zulassung des chinesischen Impfstoffs sagt Kollaritsch: "Da sind die Daten noch zu tun, um überhaupt auch für eine nationale Zulassung eine entsprechende Bewilligung zu bekommen".
Auch eine nationale Zulassung würde laut dem Infektiologen eine "gewisse Zeit" dauern, die auch nicht schneller als eine EMA-Zulassung dauern würde. "Daher muss ich ganz ehrlich sagen, sehe ich eigentlich nicht ein, warum wir das unbedingt im Alleingang machen sollten."