Initiativen im Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit

Gerlinde Tröstl, GF Markas GmbH Österreich, der Präsident der AK NÖ und Vors. des ÖGB NÖ Markus Wieser, Arbeitsmarkt-Landesrat Martin Eichtinger, AMS NÖ-Landesgeschäftsführer Sven Hergovich, der Präsident der WKÖ NÖ Wolfgang Ecker (v.l.)
Gerlinde Tröstl, GF Markas GmbH Österreich, der Präsident der AK NÖ und Vors. des ÖGB NÖ Markus Wieser, Arbeitsmarkt-Landesrat Martin Eichtinger, AMS NÖ-Landesgeschäftsführer Sven Hergovich, der Präsident der WKÖ NÖ Wolfgang Ecker (v.l.)photonews.at/Georges Schneider
Während die Arbeitslosigkeit in NÖ sinkt, hat die Zahl der Langezeitarbeitslosen zugenommen. Das AMS will nun gegensteuern.

Während die Arbeitslosigkeit in Niederösterreich kräftig sinkt, hat die Zahl der Langzeitarbeitslosen gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019 um ein Drittel zugenommen. Um dieser Entwicklung einen Riegel vorzuschieben, wird das Arbeitsmarktservice (AMS) NÖ seine Vermittlungsoffensive weiter forcieren und Unternehmen zusätzliche Lohnkostenförderungen anbieten, wenn sie Langzeitarbeitslose anstellen. Diese niederösterreichische Initiative im Rahmen der Aktion Sprungbrett präsentierten jetzt bei einer Pressekonferenz Arbeitsmarkt-Landesrat Martin Eichtinger (VP), AMS NÖ-Chef Sven Hergovich, Arbeiterkammer NÖ-Präsident Markus Wieser, Wirtschaftskammer NÖ-Präsident Wolfgang Ecker sowie die Geschäftsführerin der Firma Markas GmbH Österreich, Gerlinde Tröstl.

Langzeitarbeitslosigkeit stieg an

Ende August waren 12.799 Personen bereits länger als ein Jahr auf Arbeitssuche. Damit ist jeder vierte Jobsuchende in Niederösterreich langzeitarbeitslos. Im Vergleich zu 2020 ist damit die Langzeitarbeitslosigkeit um 5,5 % gestiegen, im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 sogar um ein Drittel (33,1 %). Sich aufbauende Langzeitarbeitslosigkeit ist ein Phänomen, das Experten nach jeder Arbeitsmarktkrise beobachten. Österreichweit ist die Langzeitarbeitslosigkeit im Vergleich zu 2019 sogar um 57,5 % gestiegen.

"Projekt Sprungbrett weiterer Mosaikstein"

Arbeitsmarkt-Landesrat Martin Eichtinger: „Die Gesamtzahl der Arbeitslosen jedoch hat sich im Vergleich zum Vorkrisenmonat im Jahr 2019 (um weitere 3 %) reduziert. Dies ist ein Ergebnis der gezielten Maßnahmen, die wir in Niederösterreich gesetzt haben. Das Projekt Sprungbrett, das Bundesminister Martin Kocher initiiert hat, ist ein weiterer Mosaikstein um die positiven Entwicklungen in der Wirtschaft und am Arbeitsmarkt bestmöglich zu unterstützen.“

Mehrheit der Bewerber kommt oft nicht in Frage

Nur etwa 10 % aller Jobsuchenden, die beim AMS vorgemerkt sind, entsprechen dem idealen Anforderungsprofil der personalsuchenden Unternehmen. Die Mehrheit der Bewerber kommen prima Vista nicht in Frage, weil sie zu alt, gesundheitlich nicht topfit, nicht passend qualifiziert oder nicht flexibel einsetzbar sind. Die Suche nach passenden Arbeitskräften bzw. einem neuen Arbeitsplatz verlängert sich für beide Seiten. Die beruflichen Wiedereinstiegschancen sinken für Jobsuchende mit jedem Tag der Arbeitslosigkeit – Langzeitarbeitslosigkeit steigt.

"Intensive Unterstützung"

Sven Hergovich: „Besonders für Personen der Generation 50 plus und Menschen mit gesundheitlichen Problemen ist es schwierig, eine neue Beschäftigung zu finden. Damit auch für diese Personen der berufliche Wiedereinstieg gelingt, benötigen sie spezielle Beachtung und intensive Unterstützung.“

Im Rahmen der Aktion Sprungbrett hat das AMS NÖ in den Monaten Juli und August bereits für 806 Langzeitarbeitslose den Wiedereinstieg mit einer Lohnkostenförderung für Betriebe, die einen Arbeitsplatz anbieten, unterstützt. Fünf Millionen Euro wurden dafür aufgewendet. Die AMS-Berater sind im Oktober on Tour bei den Unternehmen, um den Personalbedarf punktgenau abzustimmen und ihnen zusätzliche Lohnkostenförderungen anzubieten, wenn sie langzeitarbeitslosen Bewerbern eine Chance geben. 16,5 Millionen Euro an Fördermittel für Einstellbeihilfen hat das AMS NÖ heuer reserviert.

Förderkonditionen angehoben

Die Förderkonditionen für Einstellbeihilfen wurden sowohl bei der Förderhöhe als auch bei der Förderdauer deutlich angehoben. Das AMS finanziert ab 1. Oktober für Personen, die zwischen ein und zwei Jahren arbeitslos sind, zwei Drittel der anfallenden Lohn- und Lohnnebenkosten für die Dauer von sechs bis acht Monaten und für Personen, die bereits zwei Jahre und länger arbeitslos sind sogar 100 % der Lohn- und Lohnnebenkosten für die ersten drei Monate und zwischen 50 % und 66,7 % der Lohnkosten für weitere sechs Monate.

Da jobsuchende Frauen durch die Pandemie ganz besonders von den Folgen der Arbeitsmarktkrise betroffen sind, gelten für sie besonders günstige Fördersätze.

"Langfristige win-win-Situation"

AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser: „Diese Initiative gibt sowohl Arbeitnehmer_innen, als auch dem Unternehmen die Möglichkeit, einander kennen zu lernen. Und wir gehen auch davon aus, dass das in sehr vielen Fällen in eine langjährige Übernahme mündet. Und das ist dann eine langfristige win-win-Situation für beide Seiten. Der Unternehmer bekommt eine engagierte und motivierte Fachkraft. Und die Arbeitnehmer_innen, die schon länger auf Jobsuche waren, haben nun wieder Beschäftigung und neue Zukunftsperspektiven.“

Mit 3. Oktober geht auf YouTube zudem der neue AMS NÖ-Jobchannel online: Ein Newskanal, auf dem AMS-Berater und Betriebe ihre "brandaktuellen Jobangebote per Kurzvideo offerieren", heißt es in einer Aussendung.

Gut ausgebildete Mitarbeiter gesucht

Wirtschaftskammer NÖ-Präsident Wolfgang Ecker betont: „Unsere niederösterreichischen Unternehmen suchen dringend gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – quer durch alle Branchen und Regionen. Besonders betroffen sind Betriebe aus den Bereichen Gewerbe und Handwerk, Transport und Verkehr sowie Tourismus und Freizeitwirtschaft. Der Fachkräftemangel wird immer mehr ein genereller Mitarbeitermangel. Das bremst unseren Aufschwung und deswegen sind verbesserte Förderungskonditionen wie in diesem Fall bei der Lohnkostenförderung wichtig, damit auch jene arbeitssuchenden Menschen eine Chance bekommen, die das Anforderungsprofil der Unternehmen zu Beginn nicht gänzlich erfüllen können.“

Erfolgreiche Zusammenarbeit mit Unternehmen

Ein Unternehmen, mit dem das AMS in Niederösterreich erfolgreich zusammenarbeitet, sei die Markas GmbH, die österreichweit über 2.000 Mitarbeiter beschäftigt. Als Dienstleistungsunternehmen bietet Markas großen öffentlichen und privaten Institutionen wie Krankenhäusern, Seniorenheimen, Universitäten, Schulen und Hotels ein breites Dienstleistungsspektrum an: Von der Reinigung bis zur Gemeinschaftsverpflegung, von der Logistik und dem Housekeeping bis hin zu individuellen Dienstleistungen, die sich an den Bedürfnissen der Kunden orientieren. Seit dem Jahr 2018 hat das AMS NÖ 1.250 freie Stellen für das Unternehmen erfolgreich besetzt. Dabei ist Lohnkostenförderung immer wieder ein Thema:

Markas-Geschäftsführerin Gerlinde Tröstl: „Mehr als 70 % der Bewerber_innen, die wir mit Unterstützung einer Lohnkostenförderung anstellen, sind drei Monate nach Auslaufen der AMS-Förderung weiterhin im Unternehmen. Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass die Mehrheit der Jobsuchenden motiviert ist und arbeiten möchte. Und: Wir setzen auf Chancengleichheit und machen bei der Personalsuche keinen Unterschied – weder nach Alter, Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung, Behinderung oder Religion. Wir geben allen die Chance, bei uns zu arbeiten und sich weiterzuentwickeln.“

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