Gholamreza Derikvand, der geschäftsführende Leiter der Iranischen Botschaft in Wien, soll mit dem Mullah-Regime gebrochen haben und in die Schweiz geflohen sein, um Asyl zu beantragen. Das berichtet das iranische Exilmedium "Iran International" mit Sitz in London am Dienstag.
Laut dem Bericht, der auch von der "Jerusalem Post" zitiert wird, soll die Flucht in direktem Zusammenhang mit den politischen Unruhen im Iran und Bedenken hinsichtlich der Stabilität des Regierungssystems stehen.
Allerdings: Auf "Heute"-Anfrage stellt eine Sprecherin des österreichischen Außenministeriums (BMEIA) klar: "Herr Gholam Reza Derikvand war von Oktober 2020 bis Ende Jänner 2024 an der Iranischen Botschaft in Wien als Erster Botschaftsrat notifiziert und fungierte bei Abwesenheit des damaligen iranischen Botschafters jeweils zeitweilig als "Chargé d Affaires ad interim (= Geschäftsträger ad interim)".
Sollten die Meldungen über seine Flucht aus Wien stimmen, so war Derikvand zum aktuellen Zeitpunkt jedenfalls schon seit über zwei Jahren kein akkreditierter Botschaftsmitarbeiter mehr.
Ob er sich zuletzt in Wien aufhielt oder schon länger nicht mehr in Österreich wohnhaft war kann jedenfalls aktuell nicht verifiziert werden. Auch zur Behauptung, er hätte in der Schweiz Asyl beantragt, liegt keine Bestätigung vor. Aus Datenschutzgründen wäre dazu von Schweizer Behörden auch weder Bestätigung noch Dementi zu erwarten.
Derikvand soll als "Karrierediplomat" gegolten haben. Vor seiner Zeit in Wien war er bereits in Moskau, Tokio und Dublin stationiert. Von 2011 bis 2014 war er Geschäftsträger der Botschaft in Prag. In Wien soll er als chancenreicher Kandidat als Nachfolger des amtierenden Botschafters, Assadollah Eshragh Jahromi, gegolten haben, so "Iran International".
Der Fall sorgt für internationales Aufsehen, wäre Derikvand doch nach Alireza Jeyrani Hokmabad der zweite hochrangige iranische Diplomat der in den letzten Wochen in der Schweiz Asyl beantragt hätte. Hokmabad war stellvertretender Leiter der iranischen Vertretung bei der UNO in Genf. "20 Minuten" berichtete darüber.