Sie war die Abwehrformation der 90er-Jahre und ist in Amateur- und Hobbyligen noch immer State of the Art: die Dreierkette. Nach etwas mehr als einer Dekade erfreut sie sich ihrer Renaissance im Profifußball. In Österreich war dafür die SV Ried unter Paul Gludovatz verantwortlich, in Spanien war es eine Konsequenz von Barcas dominanter Spielphilosophie und auch Bundestrainer Jogi Löw unterzog das DFB-Team im Freundschaftsspiel gegen die Ukraine einem entsprechenden Experiment. Doch worin liegen die Stärken dieser durchaus interessanten Abwehrtechnik und was sind ihre Schwächen?
Der augenscheinlichste Unterschied zur herkömmlichen Viererkette ist die Anzahl an Abwehrspielern, die man dafür abstellen muss. Im Duell mit einer Mannschaft, die auf zwei Stürmer setzt, bedeutet das, dass man im Grunde genommen einen Verteidiger zu viel auf dem Feld hat, wenn man letztere Variante präferiert. Diese könnte man stattdessen dafür verwenden um im Mittelfeld mehr Dominanz auszustrahlen indem man leichter Überzahlsituationen herstellen kann.
Die beiden gegnerischen Angreifer werden von den äußeren Innenverteidigern der Dreierkette zugestellt, während der dritte Abwehrspieler für die jeweilige Rückendeckung sorgt und entsprechend tiefer steht - "Libero" lautet die gängige Bezeichnung dafür.
So wirkungsvoll die Dreierabwehrkette gegen Zwei-Stürmer-Systeme auch, so verwundbar ist sie wenn der Gegner einen oder gleich drei Stürmer stellt. Ein Beispiel für das erste Szenario ist das heute weitverbreitete 4-2-3-1-System. In diesem Fall würde man als verteidigende Mannschaft zwar eine Drei-zu-Eins-Überzahl im Abwehrzentrum haben, was aber den oben erwähnten, offensiv-hemmenden Nebeneffekt des überflüssigen Verteidigers hätte.
Ein weiteres Problem entsteht, wenn die angreifenden Flügelspieler ihre Gegenspieler zurückdrängen können und so die Räume für die aufrückenden Außenverteidiger vergrößern. Spielt der Gegner mit drei Stürmern, zum Beispiel 4-3-3, dann übernehmen die Innenverteidiger die Deckung der Außenstürmer. Diese können ihre Gegenspieler aber ebenfalls aus der Position ziehen um Platz für nachstoßende Kollegen zu schaffen.