Nach der Ankunft von zehntausenden Migranten in der spanischen Exklave Ceuta zieht Italien die Reißleine: Das Schengen-Abkommen mit Spanien wird vorerst ausgesetzt.
Außenminister Antonio Tajani erklärte am Freitag auf X: "Die vorübergehende Aussetzung des Schengen-Abkommens mit Spanien ist eine notwendige Entscheidung, um die Sicherheit unserer Bürger zu schützen und die Grenzen Europas zu verteidigen." Die Aussetzung sei "in den Verträgen vorgesehen und heute unumgänglich".
Wie das italienische Innenministerium gegenüber der Nachrichtenagentur AFP bestätigte, hat Italien die See- und Luftgrenzen für Einreisen aus Spanien für Nicht-EU-Bürger dichtgemacht.
Nach Gesprächen mit Frankreich sollen außerdem die bestehenden Kontrollen an der italienisch-spanischen Grenze verschärft werden. Diese Maßnahmen gelten ab Samstag für einen Monat.
In den letzten Tagen haben zehntausende Migranten aus Marokko die Grenze zur spanischen Exklave Ceuta überquert. Viele von ihnen sind mittlerweile wieder nach Marokko zurückgekehrt. Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez sprach von einem "Angriff" auf die territoriale Integrität seines Landes.
Bereits am Donnerstag hatte Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni damit gedroht, Spanien aus dem Schengen-Raum auszuschließen. Die Bilder aus Ceuta bezeichnete sie als "schockierend". Italien werde "nicht tatenlos" zuschauen.
Am Freitag bekam sie Rückendeckung aus Finnland. Auch Dänemark forderte, die EU müsse einen Ausschluss Spaniens in Erwägung ziehen.
Der französische Präsident Emmanuel Macron stellte sich hingegen klar hinter Spanien und sagte: "mit Spanien, mit seiner Regierung und seinen Bürgern" sei er solidarisch. "Für Ceuta gilt die Freizügigkeit des übrigen Schengen-Raums nicht", ergänzte er auf X. Trotzdem habe er Innenminister Laurent Nuñez angewiesen, die Grenzkontrollen zu Spanien bei Bedarf zu verstärken.