Der italienische Bahnkonzern Italo möchte in Deutschland mitmischen und stellt laut einem Bericht vom "Spiegel" klare Forderungen. Schon von April 2028 an soll es 56 tägliche Verbindungen geben und 3,6 Milliarden Euro investiert werden. Dafür brauche es aber die "Gewährleistung eines festgelegten Mindestanteils an Kapazitäten, die speziell für neue Marktteilnehmer reserviert sind".
Italo will im deutschen Schienennetz demnach nicht mit "Restkapazitäten" abgespeist werden, sondern ein "stabiles Leistungsangebot in regelmäßigen Intervallen" zugesprochen bekommen, heißt es in einem Schreiben an die Bundesnetzagentur, auf das sich der "Spiegel" am Freitag beruft.
Außerdem stehe Italo laut dem Magazin zu, dass sie "Serviceeinrichtungen und gewerbliche Flächen in Bahnhöfen" nutzen dürfen, also zum Beispiel Ticketcenter und Lounges. Die Forderungen begründet das Unternehmen mit Produktionszwängen beim Hersteller Siemens, wo Italo einen Großauftrag für Züge platzieren möchte. Um das Zeitfenster bei Siemens nutzen zu können, "müssen wir den endgültigen Vertrag bis Juni unterzeichnen", teilte der Konzern dem "Spiegel" mit.
Am Freitag sollte bei der Bundesnetzagentur eine Anhörung zu den Forderungen von Italo stattfinden. Mit dabei waren auch das Bahnnetz-Unternehmen der Deutschen Bahn, DB Infrago, und laut "Spiegel" auch der Konkurrent Flixtrain. Italo verlangt laut Bericht langfristige Rahmenverträge für den Betrieb in Deutschland – solche Verträge gibt es derzeit aber nicht.
Die DB Infrago erklärte am Freitag, sie wolle solche Rahmenverträge ab dem Fahrplanjahr 2028/2029 wieder anbieten, weil sie "sichere und über Jahre berechenbare Einnahmen" bringen, mit denen das Netz saniert werden könne. Eine aktuelle Befragung (zu Ende April 2026) habe jedoch ergeben, dass die meisten befragten Unternehmen – außer zwei italienischen Anbietern – gegen eine Wiedereinführung vor dem Fahrplanjahr 2031/32 seien.
Derzeit werden die Strecken jährlich vergeben. Unternehmen aus dem Fernverkehr, Güterbahnen und der Nahverkehr bewerben sich um die von ihnen gewünschten Trassen, wie DB Infrago erklärte. Das Unternehmen betonte am Freitag, es stehe für fairen Wettbewerb auf der Schiene und heiße neue Marktteilnehmer "ausdrücklich" willkommen. Allerdings: Weder Europarecht noch das Eisenbahnregulierungsgesetz bieten eine Grundlage dafür, neue Marktteilnehmer "strukturell zu bevorzugen".
DB Infrago betonte: "Neue Marktteilnehmer erzeugen keine neuen Kapazitäten auf dem Schienennetz. Sie würden die bestehende Knappheit weiter anspannen – mit Risiken für Stabilität, Verlässlichkeit und Angebotsqualität."
In Deutschland ist die Kapazität der Bahn-Infrastruktur seit Jahren begrenzt, wie DB Infrago erklärte. Vor allem die großen Bahnknoten sind überlastet, Hochleistungsstrecken voll belegt und Bahnhöfe können aktuell keine zusätzlichen Züge aufnehmen. Wettbewerb im Fernverkehr sei zwar "wünschenswert", bedeute in Deutschland aber "nicht zwingend mehr Züge und Angebote".