"Verhöhnung"

Keine Einigung – jetzt sind erste Warnstreiks fix

Nach gescheiterten Lohnverhandlungen kündigen die Gewerkschaften erste Warnstreiks zwischen 26. Mai und 1. Juni an.
Newsdesk Heute
21.05.2026, 20:25
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Die sechste Runde der Kollektivvertragsverhandlungen für die rund 50.000 Beschäftigten der Chemischen Industrie ist am Donnerstag erneut ohne Ergebnis abgebrochen worden. Die Arbeitgeberseite blieb beim Angebot einer Einmalzahlung von 250 Euro – und das bereits zum dritten Mal.

Den Gewerkschaften GPA und PRO-GE reicht es jetzt endgültig. Sie rufen daher zu zweistündigen Warnstreiks auf, die zwischen 26. Mai und 1. Juni stattfinden sollen.

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"Verhöhnung der Beschäftigten"

Mario Mayrwöger (GPA) und Hubert Bunderla (PRO-GE), die für die Arbeitnehmer verhandeln, machen ihrem Ärger Luft: "Was hier von den Arbeitgebern geliefert wird, ist keine Verhandlung, sondern eine Verhöhnung der Beschäftigten. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben Jahr und Tag fleißig gearbeitet, jetzt sollen sie dafür den Gegenwert eines größeren Familieneinkaufs bekommen. Wir werden uns diese Respektlosigkeit nicht gefallen lassen. Wir verlagern den Konflikt nun in die Betriebe."

Die Gewerkschafter werden noch deutlicher: "250 Euro ist weniger als so mancher Manager in der chemischen Industrie in der Stunde verdient. Als einmaliges Angebot für ein ganzes Jahr Arbeit ist das maximal ein schlechter Witz. Das kommt einer Nulllohnrunde gleich", so Mayrwöger und Bunderla.

Laut den Gewerkschaften ist die Stimmung in den Betrieben mittlerweile "mehr als gereizt". Die Beschäftigten wollen mit den angekündigten Warnstreiks ein klares Zeichen setzen. Eigentlich hätte der neue Kollektivvertrag schon seit 1. Mai gelten sollen. Die nächste Verhandlungsrunde ist für 2. Juni 2026 angesetzt.

Arbeitgeber kontern

Die Arbeitgeberseite kontert hingegen: Mit dem Festhalten an überzogenen Forderungen entfernen sich die Gewerkschaften immer mehr von der Realität in der Branche. Seit dem Jahr 2020 sind die kollektivvertraglichen Abschlüsse in der heimischen Chemieindustrie um rund zwölf Prozentpunkte höher ausgefallen als in Deutschland, dem wichtigsten Absatzmarkt und größten Mitbewerber für Österreichs Betriebe. Für die Unternehmen bedeute das einen jährlichen Zusatz-Kostenaufwand von etwa 500 Millionen Euro.

"Österreich kämpft im internationalen Wettbewerb mit erheblichen Nachteilen", warnt Arbeitgeber-Verhandlungsführer Ernst Gruber. "Unsere Unternehmen schleppen mittlerweile einen enormen Kostenrucksack, während sich andere Länder auf niedrigere Abschlüsse einigen, um ihre Industrie wettbewerbsfähig zu halten."

"Inszenierung wichtiger als Standort"

Die Auswirkungen sind bereits spürbar: Investitionen werden verschoben, Produktionskapazitäten stehen auf dem Prüfstand und einzelne Standorte geraten immer mehr unter Druck. In den vergangenen drei Jahren ist die chemische Produktion in Österreich um etwa 18 Prozent zurückgegangen. Im vierten Quartal 2025 sind zudem mehr als 600 Arbeitsplätze in der Branche verloren gegangen.

"Es entsteht immer stärker der Eindruck, dass öffentliche Inszenierung wichtiger ist als der Erhalt des Industriestandorts", sagt Gruber. "Wir müssen jedoch verantwortungsvoll handeln und Arbeitsplätze langfristig absichern, statt kurzfristig Schlagzeilen zu produzieren." Gruber appelliert daher an die Vertreter der Arbeitnehmer, in der nächsten Verhandlungsrunde über den Tellerrand zu schauen und den maßvollen Tarifabschluss aus Deutschland als Vorbild zu nehmen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 21.05.2026, 20:25
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