Der Kampf um mehr Lohn spitzt sich zu. Auch die vierte Verhandlungsrunde für die rund 60.000 Beschäftigten der Elektro- und Elektronikindustrie ist ohne Ergebnis unterbrochen worden. Das kann jetzt spürbare Folgen haben: Die Gewerkschaften bereiten Streiks vor.
Der Streit dreht sich um die Löhne und Gehälter in der Branche. Die Arbeitgeber bieten weiterhin nur ein Prozent mehr Geld an. Für die Gewerkschaften PRO-GE und GPA ist das viel zu wenig. Immerhin liege die Teuerung aktuell bei 3,3 Prozent.
Die Arbeitnehmervertreter machen ihrem Ärger inzwischen öffentlich Luft. "Wir sind in der elften Verhandlungswoche, unsere Geduld ist erschöpft. Vorgangsweise und Angebot der Arbeitgeber sind respektlos gegenüber den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Es reicht!", sagen die beiden Verhandlungsleiter Reinhold Binder (PRO-GE) und Eva Scherz (GPA).
In den kommenden Tagen sollen in den Betrieben Streikkomitees gewählt und Arbeitskampfmaßnahmen vorbereitet werden. Gleichzeitig wollen die Gewerkschaften die Streikfreigabe beim ÖGB einholen.
Sollte es auch bei der nächsten Verhandlungsrunde am 28. Mai keine Einigung geben, könnten die Beschäftigten tatsächlich die Arbeit niederlegen.
Die Arbeitgeberseite weist die Kritik allerdings zurück. Laut Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) gebe es zwischen beiden Seiten völlig unterschiedliche Einschätzungen der wirtschaftlichen Lage. Während die Gewerkschaft von einer sehr positiven Entwicklung spreche, handle es sich aus Sicht der Arbeitgeber "bis zu einem gewissen Grad um Wunschvorstellungen".
Der FEEI habe deshalb ein zweistufiges Modell vorgeschlagen: eine sofortige Erhöhung und eine mögliche Nachbesserung im Herbst – allerdings nur dann, wenn die Konjunkturprognosen dies zulassen. Die Gewerkschaft habe diesen Vorschlag wegen mangelnder Planbarkeit abgelehnt.
Die Gewerkschaften verlangen eine Lohn- und Gehaltserhöhung von 3,5 Prozent. Außerdem fordern sie bessere Zuschläge für belastende Arbeitszeiten. Konkret soll die Zulage für die zweite Schicht auf 1,50 Euro pro Stunde steigen, für die dritte Schicht auf fünf Euro pro Stunde.
Auch soziale Themen stehen auf der Forderungsliste. Unter anderem verlangen PRO-GE und GPA eine zusätzliche Pflegefreistellung für Eltern von Kindern mit Behinderung sowie einen leichteren Zugang zur sechsten Urlaubswoche.
Laut Gewerkschaften sei die schlechte Stimmung in den Betrieben inzwischen deutlich spürbar. Die Arbeitgeber würden bei den Verhandlungen bewusst "sehr tief stapeln", obwohl Produktionswert und Umsätze pro Kopf gestiegen seien. Teilweise sei die Auslastung so hoch, dass viele Überstunden geleistet werden müssten.
Eigentlich hätte der neue Kollektivvertrag bereits seit 1. Mai gelten sollen.