Ski-Legende Pirmin Zurbriggen! Mit einer Olympia-Goldenen, vier WM-Titeln und 40 Weltcupsiegen steht der 46-jährige Schweizer auf einer Stufe mit Größen wie Hermann Maier, Marc Girardelli oder Alberto Tomba (It). Im Heute-Interview nimmt der erfolgreiche Hotelier seine Nachfolger unter die Lupe und erklärt, warum Shootingstar Carlo Janka (Sz) alle Rekorde brechen könnte.
In Wengen degradierte Carlo Janka die ÖSV-Abfahrer zuletzt zu Statisten. Was macht den 25-jährigen Allrounder so stark?
Es sind verschiedene Komponenten. Vor allem ist es sein Gefühl für die Geschwindigkeit und seine Körperhaltung.
Sie haben ihn sogar mit Tennis-Star Federer verglichen.
Ja, vom Talent her erinnert mich Carlo stark an Roger. Beide haben das Glück, über besondere Fähigkeiten zu verfügen, können eigentlich alles.
Aktuell hält Janka bei sechs Weltcupsiegen. Hermann Maier hat 54, Marc Girardelli 46, Sie selbst 40. Kann er in Zukunft diese Marken knacken?
Warum nicht? Fix ist: Meine Rekorde wird er sicher brechen - vorausgesetzt, er bleibt gesund.
Im Gesamtweltcup heißt das Duell Janka gegen Benni Raich. Wer wird die Nase vorne haben?
Die beiden schenken sich nichts, ich schätze die Chancen auf 50:50 ein. Der Zweikampf erinnert mich an meine Duelle mit Girardelli. Wie Raich war Marc im Slalom besser, dafür hatte ich wie Janka Vorteile in den Speed-Disziplinen - zumindest in der ersten Zeit. Aber vielleicht wissen wir ja schon nach Kitzbühel mehr, dort sind mit Abfahrt, Super-G, Kombination und Slalom immerhin 400 Punkte zu vergeben.
Apropos Abfahrt: In dieser Disziplin mussten die ÖSV-Abfahrer zuletzt starke Prügel einstecken. Was läuft falsch?
Um das zu beurteilen, müsste ich beim Training dabei sein, und das bin ich nicht. Aber: Auf und Abs sind im Skisport ganz normal. Ja, das muss sogar so sein. Aus einer Krise pusht man sich wieder nach oben. Das war früher auch nicht anders.
Stichwort früher: Legenden wie Franz Klammer und Marc Girardelli meinten, dem Skirennsport geht die Attraktivität verloren. Haben sie recht?
Naja, zum Teil schon. Der Lauberhorn-Mythos wurde durch den abgegrabenen Zielsprung schon entschärft. Ich meine, man sollte zumindest etappenweise wieder zu den Ursprüngen zurückkehren. Bei den jetzt breiteren Carving-Ski wurde das ja schon versucht.
Sie sind jetzt erfolgreicher Hotelier. Gibt es noch Kontakte zu früheren ÖSV-Assen?
Ja, zu Klammer und Hubsi Strolz.
Klaus Pfeiffer