Während weltweit über Solar- und Windkraft gestritten wird, hat Japan ein Kraftwerk eröffnet, das einen völlig anderen Weg geht. In Fukuoka produziert eine neuartige Anlage ab sofort Elektrizität aus dem unterschiedlichen Salzgehalt zweier Wasserströme. Das Prinzip: Die sogenannte Salzgradientenenergie arbeitet rund um die Uhr, völlig unabhängig von Wetter oder Tageszeit.
Das Kraftwerk steht in einer Entsalzungsanlage. Dort treffen aufbereitetes Abwasser und stark salzhaltige Lake aus der Meerwasserentsalzung aufeinander. Sie werden durch eine spezielle Membran getrennt, die Wassermoleküle passieren lässt, Salz aber zurückhält. Dadurch entsteht ein gewaltiger Druck von über 28 bar, der eine Turbine antreibt.
Wie inside-digital.de berichtet, liefert die Anlage kontinuierlich 100 Kilowatt Leistung und erzeugt jährlich etwa 880 Megawattstunden Strom. Das entspricht ungefähr dem Bedarf von rund 300 japanischen Haushalten. Die gewonnene Energie wandert dabei nicht ins öffentliche Netz, sondern senkt direkt vor Ort den hohen Energiebedarf der Wasseraufbereitung.
Ein Kraftwerk ohne Wetterabhängigkeit klingt nach dem ultimativen Heilsbringer für unsere Stromnetze. Die Ernüchterung folgt jedoch bei genauerem Hinsehen: Solche Anlagen benötigen gigantische Mengen an Wasser mit extrem unterschiedlichen Salzkonzentrationen. Würde man diese künstlich herstellen, würde man mehr Energie verbrauchen, als die Turbine am Ende produziert.
Die Technologie funktioniert wirtschaftlich gesehen nur dort, wo stark salzhaltige Flüssigkeiten ohnehin als industrielles Abfallprodukt anfallen. Für die flächendeckende Stromversorgung in Mitteleuropa bietet die Osmose-Energie daher keine skalierbare Lösung. Sie bleibt vorerst eine clevere Ergänzung für spezielle Standorte, die vorhandene Ressourcen optimal ausnutzt.