Es ist ein Tabu, über das kaum jemand spricht: Gewalt von Kindern gegen ihre eigenen Eltern. Doch das Phänomen ist weit verbreiteter als angenommen.
Forschende der Universitäten Zürich und Basel haben dazu eine umfangreiche Langzeitstudie durchgeführt. Das Team um die Psychologin Laura Bechtiger wertete Daten zur psychosozialen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen über mehrere Jahre hinweg aus.
Wie Spektrum.de berichtet, gab insgesamt ein Drittel der Befragten mindestens einmal im Lauf der Studie an, gegenüber den Eltern gewalttätig geworden zu sein. Besonders häufig geschah dies in der frühen Pubertät.
Die Wissenschaftler identifizierten mehrere Risikofaktoren: Kinder, die schon früh Anzeichen von Hyperaktivität oder Impulsivität zeigten, neigten später eher zu körperlichen Angriffen auf die eigenen Eltern.
Auch eine strenge Erziehung sowie häufige Konflikte zwischen den Elternteilen waren mit mehr kindlicher Gewalt verbunden.
Schützend wirkte hingegen ein konstruktiver Umgang mit Konflikten seitens der Kinder sowie eine enge, unterstützende Beziehung zu den Eltern.
Überraschend: Weder das Geschlecht der Kinder noch der soziale Hintergrund der Familie spielte eine besondere Rolle bei der Gewalt gegen Eltern.
Die Forscher betonen, dass es entscheidend sei, bereits in der Kindheit aggressives Verhalten zu verringern und hilfreiche Strategien zur Konfliktlösung zu vermitteln. Dabei sollten Eltern bedenken, dass sich Kinder an ihnen ein Beispiel nehmen.