Erste Bilanz

Buddy-System soll "Systemsprenger" in die Spur bringen

Seit Oktober werden 14 zehn- bis 13-Jährige Intensivstraftäter im Buddy-System betreut. Nun gibt es eine erste Bilanz.
Christine Ziechert
27.03.2026, 23:00
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Im Jahr 2024 wurden laut Kriminalitätsstatistik allein in Wien 5.066 Verdächtige im Alter zwischen zehn und 14 Jahren erfasst. Auch 61 strafunmündige Intensivtäter soll es in der Bundeshauptstadt geben. Jugendstadträtin Bettina Emmerling (Neos) will gegen die steigende Zahl an sehr jungen Intensivtätern einerseits mit einem "Buddy-System" – einer sogenannten Orientierungshilfe – und andererseits mit einer "Auszeit-WG" ankämpfen.

Im vergangenen Oktober startete daher in Abstimmung mit der Kinder- und Jugendhilfe (MA 11) und dem Verein "Rettet das Kind" die Orientierungshilfe für 14 Burschen im Alter von zehn bis 13 Jahren. Nach sechs Monaten präsentierten Emmerling, MA-11-Leiterin Karin Broukal und "Rettet das Kind"-Geschäftsführer Christian Reiner am Freitag eine erste Bilanz.

Drei von 14 begehen keine Straftaten mehr

Demnach zeigen sich bei sieben von 14 Burschen klare Verbesserungen und auffallende Fortschritte. Zehn der 14 Kinder gehen wieder in die Schule, bei vier Burschen gab es eine starke Abnahme der Delikte, immerhin drei haben seit Beginn der Orientierungshilfe überhaupt keine Straftaten mehr begangen.

Die Burschen werden ein Jahr lang mindestens drei Mal pro Woche von insgesamt vier Sozialpädagogen bzw. Sozialarbeitern von "Rettet das Kind" in Einzel- und Gruppensettings betreut: "Wir gehen mit den Kindern spazieren, machen Wander-Ausflüge, gehen rodeln und in den Prater. Wir helfen ihnen auch beim Lernen oder bauen gemeinsam mit ihnen Möbel zusammen. Dabei besprechen wir mit ihnen ihre Erlebnisse – da geht's viel um Sorgen und Ängste", berichtet Projektleiter Reiner.

Mehr als 15 Delikte in einem Monat

Alle 14 Kinder – jeweils die Hälfte lebt bei der Familie bzw. in einer betreuten WG – haben eines gemeinsam: Sie haben in einem Monat mehr als 15 Delikte begangen. Die Bandbreite reicht dabei von Vandalismus und Diebstahl über Kfz-Einbrüche bis hin zu Körperverletzung und Raub.

Das Verhalten der Kinder sei dabei oft grenzüberschreitend: "Unsere Mitarbeiter sind bereit, das auszuhalten. Diese Kinder kommen von klein auf aus schwer kriminellen Milieus und wurden massiv vernachlässigt – das prägt einen. Illegalität und Gewalt – das ist ihre Normalität, das ist ihre Spur", so Reiner.

Straftat wird der MA 11 sofort gemeldet

Für MA-11-Leiterin Karin Broukal zeichnen sich beim Konzept erste Erfolge ab: "Wir haben gut begonnen und schauen uns genau an, was die Burschen individuell brauchen. Unser Ziel ist es, die Kinder aus der alten Spur in eine neue Spur hineinzubringen. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass die Kinder orientierungs-, struktur- und perspektivlos sind und oft aus einem stark gewaltbereiten Umfeld stammen."

Die MA 11 arbeitet eng mit der Polizei zusammen: "Wir haben dadurch das Verhalten der Kinder sehr schnell am Schirm – ob zu Hause oder in der WG. Wir kleben ihnen sozusagen auf den Fersen. Wenn sie eine Straftat setzen, erfahren wir das sofort. Wir wollen den Kindern vermitteln: 'Wir sehen eure Taten, wir sehen aber auch euren Unterstützungsbedarf", so Broukal.

Stadt finanziert Konzept mit 500.000 Euro

Für Stadträtin Emmerling – die Stadt finanziert das Projekt mit 500.000 Euro – ist vor allem der Umgang mit den Kindern "auf Augenhöhe" wichtig: "Wir wollen mit dem 'Buddy-System' Beziehungen aufbauen und die Kinder auch langfristig begleiten – und es damit schaffen, sie wieder in ein soziales Umfeld und zum Schulbesuch zurückzubringen, damit sie ihre kriminelle Karriere nicht weiterverfolgen."

Stadträtin Bettina Emmerling (Neos) zog eine erste Bilanz über die Orientierungshilfe.
Sabine Hertel

Wichtig ist dabei auch die Einbindung von Schule, Therapeuten und den Eltern: "Wenn wir die Eltern ins Boot holen können, funktioniert es sehr gut", berichtet Reiner. Voraussetzung für das Gelingen ist, dass alles freiwillig ist: "Beziehungen kann man nicht erzwingen – sie müssen aufgebaut und stabilisiert werden. Wir merken aber, dass diese Kinder eine Beziehung wollen – sie dürsten richtig danach." Ob das Konzept langfristig aufgeht, wird sich aber erst zeigen: "Es braucht Zeit, massiv Zeit", betont Reiner.

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